Johannes Thiele

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Dieser Artikel befasst sich mit dem deutschen Zoologen Johannes Thiele. Zum deutschen Polizisten siehe Johannes Thiele (Polizeibeamter), zum deutschen Chemiker siehe Johannes Thiele (Chemiker).
Johannes Thiele (1860-1935)

Karl Emil Hermann Johannes Thiele (* 1. Oktober 1860 in Goldap, Ostpreußen; † 5. August 1935) war ein deutscher Zoologe und Spezialist auf dem Gebiet der Malakologie.

Leben[Bearbeiten]

Johannes Thiele studierte Naturwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin, dann an der Universität Heidelberg und promovierte im Jahr 1886 mit der Doktorarbeit Die Mundlappen der Lambellibranchiaten. Danach war er Assistent bei der Zoologischen Station Neapel, seit 1891 Assistent am Königlichen Zoologischen und Anthropologisch-Ethnographischen Museum Dresden, seit 1895 im Zoologischen Institut Straßburg und seit 1896 im Zoologischen Institut in Göttingen. Von 1899 bis 1905 betreute er die Crustaceen-Abteilung am Museum für Naturkunde Berlin der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Er habilitierte sich mit einer Habilitationsschrift über Entomologie zum Professor.

Danach übernahm er als Nachfolger von Carl Eduard von Martens die Kustodie in der Molluskenabteilung des Museums, welche er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1925 innehatte. Thiele veröffentlichte einige maßgebliche Werke zur Systematik der Mollusken. Besondere Bedeutung erwarb er sich durch den Vorschlag einer neuen Systematik der Mollusken, die über Jahrzehnte großen Einfluss haben sollte. Seine Vorstellungen zu den Verwandtschaftsverhältnissen innerhalb der Mollusken, insbesondere der Schnecken, wurden erst im Jahre 1997 durch die Veröffentlichung einer kladistischen Analyse von Ponder und Lindberg überholt. Er war seit dem Jahr 1905 ein Mitglied und seit 1930 Ehrenmitglied der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft.[1]

Thiele beschrieb mehr als 1.500 neue Molluskenarten, deren Typusmaterial bis heute am Museum für Naturkunde, Berlin hinterlegt ist. Herausragend in Bezug auf die Anzahl der wissenschaftlich erstmals beschriebenen Arten sind Thieles Bearbeitung der Mollusken-Ausbeuten der ersten Deutschen Südpolar-Expedition und der Deutschen Tiefsee-Expedition.

Schriften[Bearbeiten]

Thiele verfasste in seinem Leben eine Reihe von Publikationen zu beinahe allen Gruppen der Mollusken. Einige dieser Arbeiten rangierten über Jahrzehnte als Standardwerke, etwa sein Handbuch der systematischen Weichtierkunde.

  • Die Mundlappen der Lambellibranchiaten. Dissertation, Heidelberg 1886.
  • mit Franz Hermann Troschel: Das Gebiss der Schnecken zur Begründung einer natürlichen Classification. Bd. 2, 402 p., Berlin 1866–1893. Nicolaische Verlagsbuchhandlung. (Fortsetzung des von Franz Hermann Troschel begonnenen Werkes).
  • Die Stammesverwandtschaft der Mollusken. Ein Beitrag zur Phylogenie der Tiere. In: Jenaische Zeitschrift für Naturwissenschaft 25, Jena 1891, S. 480–543.
  • Wurmmollusken. In: Sitzungsberichte der naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS. Dresden 1892, S. 3–4.
  • Über die Zungen einiger Landdeckelschnecken. In: Nachrichtsblatt der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 26, 1894, S. 23–25.
  • Beiträge zur vergleichenden Anatomie der Amphineuren. I. Über einige Neapler Solenogastres. In: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie 58, 1894, S. 222–302.
  • Hemitrichia guimarasensis n. sp. In: Nachrichtsblatt der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 27, 1895, S. 131–132.
  • Über die Verwandtschaftsbeziehungen der Amphineuren. In: Biologisches Centralblatt 15, 1895, S. 859–869.
  • Zwei australische Solenogastres. In: Zoologischer Anzeiger 19, 1897, S. 398–400.
  • Verzeichnis der von Herrn Dr. A. Voeltzkow gesammelten marinen und litoralen Mollusken. In: Abhandlungen herausgegeben von der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 26, 1900, S. 241–252.
  • Proneomenia thulensis n. sp. In: Fritz Römer, Fritz Schaudinn (Hrsg.): Fauna Artica. Eine Zusammenstellung der arktischen Tierformen, mit besonderer Berücksichtigung des Spitzbergen-Gebietes auf Grund der Ergebnisse der Deutschen Expedition in das Nördliche Eismeer im Jahre 1898. Bd. 1, 1900, S. 111–116.
  • Proneomenia amboinensis n. sp. In: Denkschriften der Medizinisch-Naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Jena 8, 1902, S. 733–738.
  • Zwei neue Macrodontes-Arten. In: Nachrichtsblatt der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 38, 1906, S. 69–71.
  • mit Carl Eduard von Martens: Beschreibung einiger im östlichen Borneo von Dr. Martin Schmidt gesammelten Land- und Süßwasser-Conchylien. In: Mitteilungen aus dem zoologischen Museum in Berlin 4, 1908, S. 251–291.
  • mit S. Jaeckel: Muscheln der Deutschen Tiefsee-Expedition. In: Wissenschaftliche Ergebnisse der Deutschen Tiefsee-Expedition auf dem Dampfer "Valdivia" 1898–1899 (Chun, C. ed.), vol. 21, No. 1, Gustav Fischer Verlag, Jena 1931.
  • Molluskenfauna Westindiens. In: Zoologische Jahrbücher Abteilung für Systematik, Ökologie und Geographie der Tiere. Supplement 11, 1910, S. 109–132.
  • Eine arabische Ennea und Bemerkungen über andere Arten. In: Sitzungsberichte der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin 6, Berlin 1910, S. 280–284.
  • Mollusken der deutschen Zentralafrika-Expedition. In: Wissenschaftliche Ergebnisse der deutschen Zentralafrika-Expedition 1907 bis 1908. Vol. 3, 1911, S. 175–214.
  • Die Fauna Südwest-Australiens. In: Ergebnisse der Hamburger südwest-australischen Forschungsreise 1905. Bd. III, Lieferung 11, Prof. Dr. W. Michaelsen und Dr. R. Hartmeyer, Gustav Fischer Verlag, Jena 1911.
  • Die antarktischen Schnecken und Muscheln. In: Erich von Drygalski: Deutsche Südpolar-Expedition 1901–1903. Vol. 8, No. 5, Georg Reimer, Berlin 1912.
  • Familia Limidae. In: Systematisches Conchylien-Cabinet von Martini und Chemnitz. (Küster, H.C., Kobelt, W. & Haas, F. ed.), vol. 7, No. 2, Bauer & Raspe, Nürnberg 1920.
  • Gastropoden der Deutschen Tiefsee-Expedition. In: Wissenschaftliche Ergebnisse der Deutschen Tiefsee-Expedition II Teil. Vol. 17, No. 2, Gustav Fischer Verlag, Berlin 1925.
  • Über die Familie Assimineidae. In: Zoologische Jahrbücher Abteilung für Systematik, Ökologie und Geographie der Tiere 53, 1927, S. 113–146.
  • Über einige brasilianische Landschnecken. In: Abhandlungen herausgegeben von der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 40, 1927, S. 305–329.
  • Revision des Systems der Hydrobiiden und Melaniiden. In: Zoologische Jahrbücher, Abteilung Systematik, Ökologie und Geographie der Tiere 55, 1928, S. 351–402.
  • Mollusken vom Bismarck-Archipel, von Neu-Guinea und Nachbar-Inseln. In: Zoologische Jahrbücher Abteilung für Systematik, Ökologie und Geographie der Tiere 55, 1928, S. 119–146.
  • Handbuch der systematischen Weichtierkunde. 2 Bände. (1929–1935), Gustav Fischer Verlag, Jena 1935.
  • Gastropoda und Bivalvia. In: Die Fauna Südwest-Australiens. Ergebnisse der Hamburger südwest-australischen Forschungsreise 1905. (Michaelsen, W., Hartmeyer, R. ed.), vol. 5, No. 8, 1930, S. 561–596.
  • Über einige hauptsächlich afrikanische Landschnecken. In: Sitzungsberichte der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin 1930. Berlin 1931, S. 392–403.

Referenzen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johannes Thiele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vollrath Wiese: Deutsche Malakozoologische Gesellschaft. Deutsche Malakozoologische Gesellschaft, abgerufen am 6. Dezember 2013.