Johannes Voet

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Johannes Voet
Johannes Voet, Denkmal in Den Haag

Johannes Voet (* 3. Oktober 1647 in Utrecht; † 9. September 1713 ebenda) war einer der bedeutendsten Juristen des usus modernus pandectarum in den Niederlanden und wird häufig der holländischen eleganten Schule zugerechnet.[1]

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater war der Rechtsprofessor Paulus Voet, einer der frühen holländischen Juristen, die sich zum Kollisionsrecht äußerten. Seine Mutter hieß Elisabeth van Winsen.

Nach Besuch der Lateinschule studierte Johannes Voet an der Universität Utrecht, wo er auch zum Doktor der Rechte promoviert haben soll. Da weder die Matrikel noch der Utrechter Promotionskatalog seinen Namen verzeichnen, kann er auch in Frankreich Studien absolviert haben. Seine erste Professur trat er an der Hohen Schule Herborn 1670 an. Anschließend wurde er am 11. Mai 1674 als Professor der Rechte an die Universität Utrecht berufen, welches Amt er am 25. August 1674 mit der Rede De advocatis antrat. Hier beteiligte er sich 1679/80 als Rektor der Alma Mater auch an den organisatorischen Aufgaben. Am 16. Januar 1680 hatte er eine Berufung als Professor für das Römische Recht von den Kuratoren der Universität Leiden erhalten.

Diesem Ruf folgte er am 6. Februar 1680. Nachdem er im Dezember 1687 eine Gehaltszulagee von 2000 Gulden erhalten hatte, übernahm er am 19. Januar 1688 den Lehrstuhl für praktisches Recht. Er las also nicht mehr nur Römisches Recht, sondern - als erster Jurist in den Niederlanden - auch das geltende Recht. Seine Vorlesungen über das geltenden Recht hielt er anhand eines Buches von Hugo Grotius mit dem Titel „Inleidinge tot de Hollandsche rechts-geleerdheid“. Auch in Leiden beteiligte er sich 1681/82, 1686/87, 1709/10 als Rektor der Alma Mater an den organisatorischen Aufgaben der Hochschule. Bekannt sind zwei Reden die er bei der Niederlegung der Rektorate gehalten hatte. 1687 die Rede de docentium et discentium officio und 1710 die Rede qua monstratur veritas asserti: raros esse, qui philosophantur.

Aus seiner Ehe mit Magdalena de Sadelare stammt eine Tochter, welche den Utrechter Sekretär Gisbert Voet heiratete.

Lehre[Bearbeiten]

Voet wollte römisches und modernes Recht zusammenführen, Theorie und Praxis miteinander verbinden. Sein Ziel war es, das Recht zu erklären und nicht, wie die humanistische Jurisprudenz, philologische Textkritik betreiben. Voet problematisierte nicht die Entstehungsgeschichte des Corpus iuris, sondern nahm es grundsätzlich als unproblematischen Gesetzestext hin.

Für die Erklärung des Rechts und um ein guter Jurist zu sein reichte nach Voets Auffassung die Kenntnis des positiven Rechts aus, während sein Fakultätskollege Gerhard Noodt vom humanistischen Verständnis der Texte her, eine historische, philologische Ausbildung, neben der juristischen, für erforderlich hielt und die Texte des Corpus Iuris einer philologischen Textkritik unterzog und auf mögliche Interpolationen untersuchte.

Bedeutung hat Voet für das Internationale Privatrecht, er trug zur Verbreitung der von seinem Vater entwickelten Statuteneinteilung und des comitas-Prinzips, d.h. der Zusammenarbeit und gegenseitigen Rücksichtnahme der verschiedenen Staaten, bei.

Werke[Bearbeiten]

  • De Jure militari liber sing. In quo plurimae ad militiae militumque jura pertinentes controversiae juxta leges, gentium mores, et rerum judicatarum exempla sunt definitae. Utrecht 1670 (Online), Den Haag 1705 (Online), Brüssel 1728 (Online), Jena 1758 ins niederländische übersetzt: Den Haag 1726
  • De erciscunda familia liber singularis. Utrecht 1673, 1700 (Online), 1717 (Online)
  • Oratio funebris in obitum Andreae Essenii. Utrecht 1677
  • Responsio ad Libellum Cephae Pistophili adversus Gisberti Voetii Disputationem de Justificatione. Den Haag 1677
  • Compendium juris juxta seriem Pandectarum. Felix Lopez, Leiden 1682 (Digitalisate: Ausgabe 1720, Ausgabe 1731, Ausgabe 1736, Ausgabe 1736).
Pandektenlehrbuch für Studenten
  • Commentarius ad Pandectas. In quo praeter Romani juris principia ac controversias illustriores, jus etiam hodiernum, et praecipue fori quaestiones excutiuntur 2 Bde. Johannes Verbessel, Leiden 1698/1704 (Digitalisat), Den Haag 1704, 1707 (Online), 1716, 1723, 1726, 1731-34, Genf 1769, Venedig 1775 (Online), Genf 1778 (Online), Halle 1680 (Online)vermehrt mit einem Supplementum von Joh. van der Linden (Utrecht 1793),
Dieser in Lateinisch verfasste Kommentar wurde ins Englische übersetzt, ua. 1954: The selecvite Voet, und dient noch heute in Südafrika als Standardwerk zum römisch-holländischen Recht, also Gemeines Recht holländischer Prägung.
  • Oratio, qua monstratur veritas asserti a d. pio Rarosesse, qui philosophantur. Leiden 1710 (Online)
  • Oratio Funebris in obitum Antonii Matthaei A.F.A.N. Leiden 1710 (Online)
  • Elementa juris secundum ordinem Institutionum Justiniani in usum domesticae exercitationis digesta. Leiden 1712 (Online)
  • Compendium juris juxta seriem Pandectarum, adjectis differentiis juris civilis et canonici. Leiden 1715 und 1720 (Online), 2. Bde.
  • De erciscunda familia liber sing. Additionibus nonnullis ut et supremi Brabantiae senatus arrestis hac primum editione illustratus. Brüssel 1717

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Gegen diese Einordnung aber Govaert C.J.J. van den Bergh, Die holländische elegante Schule: Ein Beitrag zur Geschichte von Humanismus und Rechtswissenschaft in den Niederlanden 1500–1800 (2002), S. 95.