Johannes Vollmer

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Johannes Vollmer, 1874

Johannes Vollmer (* 30. Januar 1845 in Hamburg; † 8. Mai 1920 in Lübeck) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer, der vor allem durch evangelische Kirchenbauten in ganz Deutschland bekannt wurde.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Johannes Vollmer kam als zweites Kind des Hamburger Marinemalers und Grafikers Adolph Friedrich Vollmer (1806–1875) und dessen Ehefrau Auguste Amale Behrmann (1815–1855) zur Welt. Im Alter von zehn Jahren verlor er seine Mutter; Julie de la Camp (1829–1896) wurde seine und seiner vier Geschwister Stiefmutter.[1]

Schloss Reinbek bei Hamburg, 1862; Federzeichnung des
17-jährigen Johannes

Nach einer Maurerlehre in Hamburg studierte Vollmer an der Technischen Hochschule Hannover insbesondere mittelalterliche Bauformen unter Conrad Wilhelm Hase (1818–1902), dem Gründer der Hannoverschen Architekturschule, die sich durch eine Hinwendung zur Neugotik auszeichnete. 1874 folgte Vollmer Johannes Otzen, den er in Hannover kennenlernte, nach Berlin. Er wurde sein Assistent für das Fach des Backsteinbaus an der Technischen Hochschule Charlottenburg und nach dessen Rücktritt 1885 sein Nachfolger. Als Mitarbeiter in Otzens Architekturbüro bis Ende der 1870er Jahre führte Vollmer mit der Reformierten Kirche Bremen-Blumenthal seinen ersten selbständigen Bau aus. Danach folgten zahlreiche Kirchenbauten in Deutschland und in der Schweiz, sowie die Berliner Bahnhöfe Friedrichstraße und Hackescher Markt (ursprünglich Börse genannt). Im Zentrum seiner Tätigkeit blieb jedoch der evangelische Kirchenbau, zu dessen Berliner Hauptvertretern er neben Otzen und Max Spitta gehörte.[2] In diese Schaffensphase fiel auch die 1892–1895 erbaute Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche am Berliner Tiergarten, die als sein „wohl bestgelungenes Werk“ gerühmt wurde.[3]

Detail der Fassade am Berliner S-Bahnhof Hackescher Markt

Im Jahr 1896 verband sich Vollmer mit seinem Assistenten an der Technischen Hochschule, Heinrich Jassoy, zur Architektengemeinschaft Vollmer & Jassoy, nachdem beide bereits 1891/1892 die Kapelle auf dem Luisenfriedhof gemeinsam ausgeführt hatten. In die Zeit ihrer neunjährigen Zusammenarbeit fallen unter anderen die Trinitatiskirche in Berlin-Charlottenburg, das Kurhaus in Westerland (Sylt) und das Bauensemble der Christuskirche mit dem angrenzendem Kreishaus in Koblenz. Die Sozietät wurde aufgelöst, als Jassoy einer Berufung als Professor an die Technische Hochschule Stuttgart folgte. Vollmer zog nach Lübeck, beteiligte sich aber weiterhin an Wettbewerben und führte den Bau der Heiligen-Geist-Kirche in Rostock aus.[4]

Johannes Vollmer heiratete 1874 Clara Elisabeth Duncker (1849–1943), Enkelin des Hamburger Kaufmanns Johann Wilhelm Duncker sen.[5] und mütterlicherseits Enkelin des Arztes und politischen Publizisten Georg Kerner. Unter ihren vier Kindern sind Hans Vollmer, Kunsthistoriker und langjähriger Bearbeiter und Herausgeber der Standard-Künstlerlexika „Thieme-Becker“ und „Vollmer“, sowie der Maler und Plastiker Erwin Vollmer zu erwähnen.

Stilentwicklung der Kirchenbauten[Bearbeiten]

Das Eisenacher Regulativ von 1861 forderte den Anschluss an mittelalterliche Bauformen zur Gestaltung protestantischer Kirchenbauten in Deutschland. Im Rahmen dieser Vorschriften bevorzugte Vollmer in seinen Backsteinbauten die strengen Formen der „Frühgotik“ (Bremen-Blumenthal, Trinitatis), die den Grundsatz der Einfachheit der protestantischen Kirchen bewahren. Die Heilbronner Friedenskirche charakterisiert ein „Übergangsstil“ mit romanisierenden Radfenstern und gelängten gotisierenden Rundbogenfenstern. Nach der Überwindung des Regulativs durch das Wiesbadener Programm knüpften Vollmers Hausteinbauten um die Jahrhundertwende an Formen der Profanbaukunst der deutschen Renaissance des 16. Jahrhunderts an, so etwa die Kirchen in Zürich und Grottau an dessen frühe Phase, die Lutherkirche in Bonn an die „entwickelte Phase“ der deutschen Hochrenaissance, während die Kölner Lutherkirche sich an deren zum Barocken neigenden Spätphase anlehnt.[6]

Werkverzeichnis[Bearbeiten]

Chronologische Übersicht der ausgeführten Bauten.[7]

(Planung | Ausführung)

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Krampf: Johannes Vollmer (1845–1920). Ein Architekt des deutschen protestantischen Kirchenbaues im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1990.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johannes Vollmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Krampf 1990, S. 10
  2. a b Johannes Vollmer. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 34, E. A. Seemann, Leipzig 1940, S. 528.
  3. Johannes Vollmer †. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 40. Jahrgang 1920, Nr. 53 (vom 3. Juli 1920) S. 344. (online als PDF; 1,2 MB)
  4. Krampf 1990, S. 12–18
  5. Marchtaler, Hildegard von: Duncker, Johann Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 194 f. (Digitalisat).; siehe auch Carl Julius Mildes Porträt von 1832 der Familien Duncker – Kerner
  6. Krampf 1990, S. 184–185
  7. soweit nicht anders angegeben nach Dieter Krampf (Dissertation 1990, vgl. Literatur), dort auch Beschreibungen der nicht ausgeführten Kirchenentwürfe
  8. Krampf 1990, S. 14
  9. Bildbeschreibung mit Quellenangaben zur Bilddatei der Statue auf wikimedia commons
  10. Abbildung: Heutiger Zustand: (abgerufen am 5. März 2014)
  11. Krampf 1990, S. 17, Eintrag zum Stuttgarter Rathaus auf Wikimedia-commons
  12. Centralblatt der Bauverwaltung, 16. Jahrgang 1896, Nr. 20 (vom 18. Mai 1896) S. 220. (Mitteilung zum Wettbewerbs-Ergebnis) (online als PDF; 2,1 MB)
  13. Bernhard Lattner mit Texten von Joachim Hennze: Stille Zeitzeugen. 500 Jahre Heilbronner Architektur. Edition Lattner, Heilbronn 2005, ISBN 3-9807729-6-9, S. 11.
  14. nicht von Krampf (1990) in seinen Katalog der Kirchenbauten aufgenommen
  15. Abbildungen: Internetseite der Gemeinde, Bilder auf www.bilderbuch-bonn.de
  16. Abbildungen 78–81 in Krampf (1990) (Quellen: Rheinisches Bildarchiv Nr. 76285, Österreichische Wochenschrift für den öffentlichen Baudienst 13, 1907, T. 46, T. 47)
  17. Krampf 1990, S. 11