Johannes Voorhout

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Johannes Voorhout (Jacobus Houbraken, 1721)

Johannes Voorhout (* 1647 in Amsterdam; † 1723 ebenda) war ein niederländischer Maler.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Eine Allegorie der Freundschaft: Johann Voorhout, Häusliche Musikszene, 1674. Der Mann am Cembalo im modischen japanischen Kimono ist vermutlich Johann Adam Reincken, der wahrscheinlich das Gemälde auch in Auftrag gab. Bis vor kurzem nahm man in dem lauschenden jungen Mann neben der Lautenspielerin ein Porträt des Komponisten Dieterich Buxtehude an. Auf seinem Schoß liegt ein Notenblatt mit einem achtstimmigen Kreiskanon auf die lateinischen Bibelverse „Siehe, wie fein und lieblich es ist, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen" und der (ebenfalls lateinischen) Widmung "Gewidmet den Brüdern Buxtehude und Joh: Adam Reink:“, wodurch diese beiden als Hauptfiguren des Bildes gekennzeichnet sind. Da aber mittlerweile das Geburtsdatum Reinckens von 1623 - wie bislang vermutet - auf 1643 umdatiert wurde, ist Buxtehude nun der Älteste in der dargestellten Gruppe - und kann somit nicht der Jüngling mit dem Notenblatt sein. Kerala J. Snyder vermutet sein Porträt vielmehr in dem Gambenspieler am linken Bildrand. Dem Argument, die beiden "Brüder" Reincken und Buxtehude müssten mittig angeordnet sein (so Christoph Wolff) begegnet sie mit Verweis auf die bildkompositorische Schwierigkeit durch das dargestellte Cembalo, die dazu führte, die beiden Hauptpersonen zwar - wie üblich - nah beieinander, aber eben nicht in der Mitte darzustellen. Man nahm an, dass Johann Theile der Gambenspieler sei. Bestehende Zweifel daran wurden 2008 mit dem Fund eines Porträts von Theile in der Stadtbibliothek (Lübeck) bestärkt.[1] Wahrscheinlich ist also Buxtehude der Gambist. Links im Bild steht vermutlich der Maler selbst.

Der Maler Johannes Voorhout war der Sohn des Amsterdamer Uhrmachermeisters Cornelis Voorhout. Fünf Jahre in Gouda standen am Anfang der Lehrzeit von Johannes Voorhout, weitere fünf Jahre in Amsterdam bei Johannes van Noort folgten. 1670 heiratete Voorhout in Amsterdam. Anschließend, in den frühen 70er-Jahren des 17. Jahrhunderts wirkte er in Hamburg. 1707 übersiedelte er wieder nach Amsterdam, wo er 1723 starb.

Voorhout gilt als typischer Repräsentant der Amsterdamer Historienmalerei am Ende des 17. Jahrhunderts. Er schuf auch Genrestücke im Stil von Caspar Netscher und Gerard ter Borch. In den Sammlungsbeständen des Amsterdamer Reichsmuseums befinden sich ein großes Gemälde Voorhouts und drei kleine Werke, die der Maler für das Puppenhaus von Petronella Oortman schuf. Sein Gemälde Häusliche Musikszene von 1674 befindet sich Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg. Das Bild – eine Allegorie der Freundschaft – zeigt nicht nur den Hamburger Organisten und Komponisten Johann Adam Reincken, sondern gilt auch als einziges Bild, das den Komponisten und Organisten Dieterich Buxtehude zeigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Arthur Lier: Voorhout, Johannes. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 40, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 298.
  • Gisela Jaacks: Häusliche Musikszene von Johannes Voorhout - Zu einem neu erworbenen Gemälde im Museum für Hamburgische Geschichte. In: Beiträge zur deutschen Volks- und Altertumskunde 17 (1978)
  • Christoph Wolff: Das Hamburger Buxtehude-Bild. Ein Beitrag zur musikalischen Ikonographie und zum Umkreis von Johann Adam Reinken. ursprünglich in: 800 Jahre Musik in Lübeck, hrsg. Antjekathrin Graßmann and Werner Neugebauer. Lübeck: Schmidt-Römhild 1982, S. 64-79. Gekürzte Version in: Musik und Kirche 53 (1983), S. 8-19; English version: The Hamburg Group Portrait with Reinken and Buxtehude: An Essay in Musical Iconography. Boston Early Music Festival and Exhibition 1987. Program Book Boston, 1987, S. 102-112. Aktualisierte Fassung mit einem "Nachwort 1988" in: Studien zur Musikgeschichte der Hansestadt Lübeck, hrsg. von Arnfried Edler and Heinrich W. Schwab. Kieler Schriften zur Musikwissenschaft 31 (1989): S. 44-62
  • Kerala J. Snyder: Dieterich Buxtehude. Leben-Werk-Aufführungspraxis. Kassel: Bärenreiter-Verlag 2007, S.139 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.flensburg-online.de/blog/2008-09/musikgeschichte-portrat-von-johann-theile-in-lubeck-entdeckt.html Flensburg Online: Portrait des Komponisten Johann Theile entdeckt, abgerufen am 15. Juli 2014

Weblinks[Bearbeiten]