Johanniskreuz

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49.3369167.82547470Koordinaten: 49° 20′ 13″ N, 7° 49′ 32″ O

Johanniskreuz
Ortsgemeinde Trippstadt
Höhe: 470 m ü. NN
Einwohner: 14 (Apr. 2006)
Postleitzahl: 67705
Vorwahl: 06306
Johanniskreuz (Rheinland-Pfalz)
Johanniskreuz

Lage von Johanniskreuz in Rheinland-Pfalz

B 48 bei Johanniskreuz

B 48 bei Johanniskreuz

Johanniskreuz ist ein Weiler im Zentrum des Pfälzerwaldes und gehört zur rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Trippstadt im Landkreis Kaiserslautern.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Johanniskreuz liegt auf einem Bergsattel in etwa 470 m Höhe nördlich der Mitte des zentralen Massivs des Pfälzerwaldes, der Frankenweide, deren umgebende Bergkuppen nur unwesentlich höher sind. Die Frankenweide, in der die Pfälzische Hauptwasserscheide verläuft, wird im Bereich von Johanniskreuz westlich, nördlich und östlich von den Tälern der rund um den Weiler entspringenden Bäche begrenzt. Unmittelbar westlich von Johanniskreuz entspringt die Moosalb, ein Zufluss des Schwarzbachs, der selbst einen Kilometer südwestlich von Johanniskreuz entspringt. Das Wasser dieser Flüsse gelangt zunächst nach Westen über Blies und Saar zur Mosel und über diese zum Rhein. Wenig östlich von Johanniskreuz entspringt mit einem ebenfalls Schwarzbach benannten Gewässer ein linker Quellfluss des Speyerbachs; dieser fließt nach Osten direkt zum Rhein.

Der Kernort Trippstadt ist Luftlinie etwa 4,5 km entfernt. Unmittelbar östlich des Ortes verläuft die Gemeindegrenze zwischen Trippstadt und Elmstein sowie die Grenze zwischen den Landkreisen Kaiserslautern und Bad Dürkheim

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 1005 mm und liegt damit im oberen Viertel der in Deutschland erfassten Werte. Der trockenste Monat ist der September; die meisten Niederschläge fallen im Dezember, nämlich 1,6-mal so viel wie im September.

Geschichte[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Im Vordergrund ein Ritterstein, im Hintergrund die Steinkreuze

Der Name des Fleckens soll auf Ritter Johannes von Wilenstein zurückgehen. Dieser war Lehnsherr auf der nahegelegenen Burg und ließ – angeblich widerrechtlich – 1269 auf einem damals bereits vorhandenen Flurkreuz, das den Herren von Hohenecken gehörte, sein Wappen als Grenzmarkierung einmeißeln. Des „Herrn Johanns Creutz“ wurde 1551 erstmals urkundlich erwähnt. Das älteste Kreuz ist nur noch in Resten vorhanden, zwei Kreuze jüngeren Datums wurden daneben platziert.[1] Seit der Gebietsreform von 1972 gehört Johanniskreuz vollständig zu Trippstadt; zuvor lagen einige der Häuser, entsprechend den historischen Grenzen, auf der Gemarkung von Wilgartswiesen.

Pfälzerwald[Bearbeiten]

Bei einer Tagung pfälzischer Forstbeamter in Johanniskreuz wurde im August 1843 der Name Pfälzerwald für den pfälzischen Nordausläufer der Vogesen gefunden. Johanniskreuz gilt somit als Geburtsort des Pfälzerwaldes, der noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts in den meisten Reisebeschreibungen den Vogesen bzw. dem Wasgenwald zugerechnet wurde.

Katholikentag[Bearbeiten]

Werbeanzeige zum Katholikentag in Johanniskreuz 1931 mit Anton Fooß als Festredner

Johanniskreuz gehört zur katholischen Pfarrei Trippstadt. Nachdem dort der promovierte Theologe Anton Fooß 1906 die Pfarrstelle übernommen hatte, initiierte er in Johanniskreuz 1908 den ersten Speyerer Diözesan-Katholikentag. Dieser Katholikentag wurde zur festen Tradition im Bistum Speyer und fand bis zum Jahr 2007 an der von Fooß ausgesuchten Stelle in Johanniskreuz statt.

Viele bekannte Bischöfe, Kirchenmänner, Politiker und sonstige Größen des Katholizismus waren seit 1908 auf den jährlichen Katholikentagen in Johanniskreuz als Gäste, Zelebranten, Prediger oder Redner anwesend. Am 19. Juli 1931 trat der inzwischen in Würzburg lebende Initiator Anton Fooß noch einmal selbst als Festredner dort auf. Er hielt eine Rede zum 40. Todestag Ludwig Windthorsts, die den Titel hatte: „Windthorst und unsere Zeit“. Es sollte der letzte dieser Katholikentage vor dem Zweiten Weltkrieg sein. 1932 fiel er aus, weil am selben Tag bei einer Großveranstaltung der Zentrumspartei in Ludwigshafen Reichskanzler Heinrich Brüning sprach; ab 1933, in der Zeit des Nationalsozialismus, konnten die Diözesan-Katholikentage nicht mehr stattfinden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Tradition wieder auf.

2007 zeigte sich, dass ein Großteil der alten Laub- und Nadelbäume auf dem Versammlungsgelände umsturzgefährdet ist. Weil die Mittel fehlen, die notwendigen Sicherungsarbeiten vorzunehmen, wird der Katholikentag seit 2008 nicht mehr in Johanniskreuz veranstaltet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

In der Sommersaison: Bikertreff in Johanniskreuz

Johanniskreuz war auch verkehrstechnisch schon immer ein zentraler Punkt des Pfälzerwaldes. Während die historisch bedeutendste Verbindung von Speyer nach Metz in West-Ost-Richtung verlief und der Bereich um Johanniskreuz auch Teil der Nordroute der Pfälzer Jakobswege war, ist heute die in Süd-Nord-Richtung laufende B 48 von Annweiler nach Hochspeyer die Hauptverkehrsachse. Vom Queichtal bis Hochspeyer ist Johanniskreuz der einzige Siedlungsplatz an dieser vor allem nach Norden hin sehr kurvenreichen Straße. Verkehrswichtig ist auch die ebenfalls kurvenreiche Landstraße durch das Elmsteiner Tal in Richtung Neustadt an der Weinstraße. Weitere Straßenverbindungen in westlicher Richtung durch das Karlstal nach Trippstadt und nach Südwesten – Heltersberg, Waldfischbach-Burgalben – folgen teilweise bereits im Mittelalter genutzten Pfaden.

Als Knotenpunkt mehrerer landschaftlich interessanter Straßen ist Johanniskreuz zu einem Treffpunkt der Motorradfahrer geworden. Wegen der Unfallhäufigkeit ist die Strecke durch das Elmsteiner Tal an Wochenenden im Sommerhalbjahr für Krafträder gesperrt.

Nächstgelegene Bahnhöfe sind Schopp an der Biebermühlbahn sowie Elmstein am Kuckucksbähnel.

Tourismus[Bearbeiten]

Haus der Nachhaltigkeit

Schon seit den ersten Bemühungen um eine touristische Entwicklung des Pfälzerwaldes im 19. Jahrhundert ist Johanniskreuz ein vorrangiges Besucherziel der Region. Früh etablierten sich Kurhäuser, die heute noch als Hotels fortbestehen. Seit 2004 ist das Haus der Nachhaltigkeit mit Dauerausstellungen über nachhaltiges Wirtschaften und zukunftsweisende Energiekonzepte ein Anziehungspunkt. Jüngste touristische Einrichtung ist der Mountainbikepark Pfälzerwald, für den fünf Routen mit über 300 Kilometer Gesamtlänge ausgeschildert sind. Johanniskreuz ist ferner Schnittpunkt sämtlicher mit einem Kreuz gekennzeichneten Fernwanderwege des Pfälzerwald-Vereins.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hubert Zintl: Johanniskreuz. Im Herzen des Pfälzerwaldes. Eine Forst- und Waldgeschichte. Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz/Landesforsten Rheinland-Pfalz, Mainz 2006, ISBN 3-00-019005-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johanniskreuz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bebilderte Webseite zu den historischen Kreuzen