John Adams (Komponist)

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John Adams (2008)

John Coolidge Adams (* 15. Februar 1947 in Worcester, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Komponist. Er wird zusammen mit Steve Reich, Philip Glass und Terry Riley zu den bekanntesten Vertretern der Minimal Music gezählt, eines musikalischen Stils, der auf sich wiederholenden harmonischen und/oder rhythmischen Mustern aufbaut. Adams selbst[1] ordnet seine Kompositionen seit den 1990er Jahren dem Post-Minimalismus zu.

Leben[Bearbeiten]

Adams lernte Klarinette bei seinem Vater und spielte in Marschkapellen und kleineren Orchestern. Mit zehn Jahren begann er zu komponieren, und schon als Jugendlicher hörte er die erste orchestrale Aufführung eines seiner Werke. Adams studierte an der Harvard University, wo er von Leon Kirchner unterrichtet wurde. Als Student spielte er gelegentlich im Boston Symphony Orchestra und dirigierte das Harvard University Bach Society Orchestra. 1970 erhielt er den BMI Student Composer Awards. Nach Abschluss seines Studiums zog er 1971 nach San Francisco, wo er seitdem lebt.

Adams unterrichtete zehn Jahre am San Francisco Conservatory of Music, bevor er von 1982 bis 1985 Hauskomponist der San Francisco Symphony wurde und für dessen Dirigent Edo de Waart die erfolgreiche und kontroverse Konzertreihe Neue und Ungewöhnliche Musik entwickelte. Eine Reihe von Adams´ Orchesterstücken sind speziell für die San Francisco Symphony geschrieben, darunter Harmonium (1981), Grand Pianola Music (1982), Harmonielehre (1985) und El Dorado (1992).

Werk[Bearbeiten]

Adams errang mit den Klavierwerken Phrygian Gates und China Gates erste Aufmerksamkeit, seinen ersten Welterfolg hatte er mit dem Orchesterwerk Shaker Loops. 1985 begann seine Zusammenarbeit mit der Textdichterin Alice Goodman und dem Regisseur Peter Sellars. Das Ergebnis waren zwei Opern: Nixon in China über den Staatsbesuch Präsident Richard Nixons in der Volksrepublik China (Grammy 1989 für die beste zeitgenössische klassische Komposition) und The Death of Klinghoffer über die Entführung des Kreuzfahrtschiffs Achille Lauro durch palästinensische Terroristen. Diese beiden Opern zählen zu den am häufigsten aufgeführten Bühnenwerken der Gegenwartsmusik.

Eine Filmversion von The Death of Klinghoffer wurde 2003 von Penny Woolcock für Channel Four eingerichtet. Der Film gewann eine Reihe internationaler Fernsehpreise, darunter den Prix Italia. Adams´ Oper versucht Verständnis für alle Beteiligten zu entwickeln; jüdische und arabische Interessenverbände warfen Adams Parteinahme für die jeweils andere Seite vor. Das Werk wurde wegen der Kontroversen seit 1992 in den USA nicht mehr aufgeführt.

Es folgten drei weitere Bühnenprojekte mit Sellars: Das „Songplay” I Was Looking at the Ceiling and Then I Saw the Sky über das 1994er Erdbeben in der Gegend um Los Angeles, El Niño, eine vielsprachige Wiedergabe der Weihnachtshistorie, komponiert zur Feier des Jahrtausendwechsels, und Doctor Atomic über J. Robert Oppenheimer und die Entwicklung der ersten Atombombe. Adams´ bisher letzte Oper, A Flowering Tree, eine Auftragsarbeit zu Mozarts 250. Geburtstag, lehnt sich an dessen Oper Die Zauberflöte an, basiert jedoch im Wesentlichen auf einer südindischen Sage.

Adams schrieb bisher drei Filmmusiken: Matter of Heart zu einem Dokumentarfilm über C. G. Jung, An American Tapestry zu einem Film von Gregory Nava über illegale Einwanderer in den USA sowie die Musik zu dem Spielfilm I Am Love von Luca Guadagnino mit Tilda Swinton.

John Adams arbeitete auch mit dem Kronos Quartet.

2002 komponierte Adams On the Transmigration of Souls für die New Yorker Philharmoniker, ein Orchesterwerk aus Anlass des ersten Jahrestages der Anschläge vom 11. September 2001. Für dieses Werk wurde Adams mit dem Pulitzer-Preis für Musik und drei Grammies auf einmal ausgezeichnet, für die beste Aufnahme klassischer Musik, die beste Orchesteraufnahme und die beste zeitgenössische klassische Komposition.

Kompositionsstil und ästhetischer Ansatz[Bearbeiten]

Adams begann als Minimalist im Sinne von Philip Glass und Steve Reich, verbindet jedoch in seinen späteren in den Post-Minimalismus führenden Werken die rhythmische Energie des Minimalismus mit einer reichen harmonischen Palette und großer orchestraler Imagination, die Einflüsse der Spätromantik verrät. Seiner eigenen Kategorisierung zufolge[1] lasse sich das Violinkonzert von 1993 klar einer „post-minimalistischen Epoche“ zuordnen. Aber schon „Phrygian Gates“ (1977) und „Shaker Loops“ (1978) hätten an seinen Bindungen zum Minimalismus „geknabbert“. Adams verarbeitet ein weites Spektrum musikhistorischer Einflüsse (sowohl von E- als auch U-Musik) in seinen Werken, verlässt jedoch nie die tonale Basis und verliert nie die kunstvoll zugespitzten Spannungsbögen seiner Werke aus den Augen.

Eine besondere Rolle in seiner Auseinandersetzung mit dem Werk anderer Komponisten spielt Charles Ives, dem Adams bisher zwei Kompositionen widmete: das Orchesterwerk My Father Knew Charles Ives, in dem der Komponist Erinnerungen an seine Kindheit verarbeitet, und ein Orchester-Arrangement von Ives-Songs. Eros Piano ist die komponierte Antwort auf Toru Takemitsus Stück riverrun, A Flowering Tree variiert Mozarts Zauberflöte, Harmonielehre und Chamber Symphony setzen sich mit Arnold Schönberg-Kompositionen auseinander und verbinden sie im Fall der Kammersinfonie mit Trickfilmmusik. Slonimsky's Earbox basiert auf den ersten Takten von Igor Strawinskys Le Chant de Rossignol. Sechsmal hat Adams Werke anderer Komponisten neu arrangiert, neben Songs von Ives Kompositionen von Ferruccio Busoni, Claude Debussy, Franz Liszt und Astor Piazzolla.

Adams greift immer wieder aktuelle und zeithistorische Ereignisse als Inspiration für seine Musik auf, auf den ersten Blick „unpassende“ Sujets für klassische Musik, die oft zu politischen Kontroversen führten (den Staatsbesuch Nixons in China, die Entführung eines Kreuzfahrtschiffes durch Terroristen, ein Erdbeben, die Entwicklung der ersten Atombombe, Terroranschläge, den Amerikanischen Bürgerkrieg und illegale Emigration).

Adams greift für seine Werke oft direkte Anregungen aus Philosophie, Literatur und Religion auf. Religion ist ein Thema in Adams´ Welterfolg Shaker Loops, der die ekstatischen Tänze der amerikanischen Shaker-Gemeinde evoziert. El Niño ist eine Neufassung der Weihnachtshistorie, Christian Zeal & Activity setzt sich schon im Titel mit dem Christentum auseinander. Bei The Dharma at Big Sur kommen die Anregungen von den Werken Jack Kerouacs und Henry Millers, bei Harmonium sind die Gedichte Wallace Stevens´ die Grundlage. Naive and Sentimental Music ist eine in Musik gefasste Auseinandersetzung mit Friedrich Schillers Unterscheidung zwischen naiver und sentimentalischer Dichtung, The Wound Dresser eine Vertonung von Versen Walt Whitmans über die Schrecken des Amerikanischen Bürgerkrieges. Den Titel von American Berserk lieh sich Adams von Philip Roth.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1973: Christian Zeal & Activity
  • 1977: China Gates (für Klavier)
  • 1977: Phrygian Gates (für Klavier)
  • 1978: Shaker Loops (Fassung für Streichseptett)
  • 1980: Common Tones in Simple Time (für Orchester)
  • 1981: Harmonium (für Chor und großes Orchester)
  • 1982: Grand Pianola Music (für 2 Klaviere, 3 weibliche Stimmen, Bläserensemble und Percussion)
  • 1983: Shaker Loops (Fassung für Streichorchester)
  • 1985: Harmonielehre (für Orchester)
  • 1986: The Chairman Dances
  • 1986: Short Ride in a Fast Machine
  • 1987: Nixon in China (Oper)
  • 1988: Fearful Symmetries
  • 1989: The Wound Dresser (für Bariton und Orchester)
  • 1991: The Death of Klinghoffer (Oper)
  • 1993: Chamber Symphony
  • 1993: Hoodoo Zephyr (für Synthesizer)
  • 1993: Violin Concerto
  • 1994: John's Book of Alleged Dances (für Ensemble)
  • 1995: I Was Looking At The Ceiling And Then I Saw The Sky (Singspiel in 2 Akten)
  • 1995: Road Movies (für Violine und Klavier)
  • 1996: Century Rolls (Klavierkonzert)
  • 1996: Gnarly Buttons (für Klarinette und Kammerensemble)
  • 1999: Naive and Sentimental Music (für Orchester, u.a. mit solierender e-Gitarre)
  • 2000: El Niño (Multimedia-Oper)
  • 2002: American Berserk (für Klavier)
  • 2002: On the Transmigration of Souls (für Chor, Stimmen, Orchester und Zuspielung; zum Gedenken an die Opfer des 11. September 2001)
  • 2003: My Father Knew Charles Ives
  • 2003: The Dharma at Big Sur (Konzert für elektrische Violine)
  • 2005: Doctor Atomic (Oper)
  • 2006: A Flowering Tree (Oper)
  • 2007: Doctor Atomic Symphony
  • 2008: Hallelujah Junction – Composing an American Life (Autobiographie)
  • 2010: Absolute Jest (für Streichquartett Orchester)
  • 2012: The Gospel According to the Other Mary (Oratorium)

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Begleittext von John Adams zu „Violin Concerto“ und „Shaker Loops“, 1996, Nonesuch Records, 79360-2

Literatur[Bearbeiten]

  • John Adams: Hallelujah Junction. Composing an American Life, Farrar, Strauss & Giroux, New York 2008, ISBN 978-0-374-28115-1.
  • John Adams: Die Maschine im Garten. Wie elektronische Instrumente Komposition und Ästhetik verändern. Lettre International. LI 87, Winter 2009.
  • John Adams: Kompositionsprozesse. Der Sinn für das Spielerische. Die Ordnung des musikalischen Materials. Lettre International. LI 88, Frühjahr 2010.
  • Thomas May (Hrsg.): The John Adams Reader – Essential writings on an american composer. Amadeus Press, Pompton Plain, NJ, 2006, ISBN 1-57467-132-4.

Weblinks[Bearbeiten]