John Balliol

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John Balliol mit seiner Ehefrau Isabella de Warenne

John Balliol (in Schottland auch Toom Tabard (leerer Anzug) genannt; * zwischen 1248 bis 1250; † zwischen 4. März 1313 und 4. Januar 1314 in der Picardie) war schottischer König von 1292 bis 1296.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Von Balliols frühem Leben ist nur wenig bekannt. So sind beispielsweise sein Geburtsort und -datum unbekannt. Als mögliche Geburtsorte kommen Galloway, die Pikardie, Barnard Castle und County Durham in Frage.[1]

John Balliol war der Sohn John de Balliols, Lord von Barnard Castle und Gründer der Universität Oxford, und Dervorguilla von Galloway, Tochter von Allan, Lord von Galloway. Seine Mutter stammte mütterlicherseits als Großenkelin vom schottischen König David I. ab.[2] Normannischen Ursprungs, nahmen die Balliols bereits 1066 im Gefolge Wilhelm des Eroberers an der Schlacht bei Hastings teil.

Von seiner Mutter erbte er bedeutende Ländereien in Galloway und die Herrschaft über die dort ansässige Bevölkerung. Von seinem Vater erbte er große Ländereien in England und Frankreich, wie Hitchin oder Hertfordshire. Nach dem Tode Margaretes von Schottland wurde er vom englischen König Eduard I. unter den dreizehn Anwärtern auf den schottischen Thron am 17. November 1292 als neuer Monarch ausgewählt. Sein Anspruch beruhte darauf, dass er ein Urururenkel von David I. und somit gemäß der Primogenitur der rechtmäßige Erbe war.

König von Schottland[Bearbeiten]

König John, seine Krone und Zepter symbolisch gebrochen, dargestellt in dem Forman Armorial, 1562 geschrieben für Maria Stuart

Eduard von England behandelte Schottland als Vasallenstaat und forderte von John Balliol Unterstützung im Krieg gegen Frankreich. Balliol verweigerte diese Unterstützung und reaktivierte die Auld Alliance, ein Defensivbündnis Schottlands mit Frankreich. Als Antwort darauf marschierte die englische Armee in Schottland ein und löste damit die Schottischen Unabhängigkeitskriege aus. In der Schlacht bei Dunbar wurden die Schotten geschlagen und Dunbar Castle am 27. April 1296 eingenommen. John Balliol geriet in englische Gefangenschaft und dankte bei Stracathro nahe Montrose am 10. Juli 1296 ab. Ihm wurde öffentlich das Wappen Schottlands vom Mantel genommen, was ihm den bleibenden Namen „Toom Tabard“ (‚leerer Anzug‘) einbrachte.[3] Schottland wurde unter englische Verwaltung gestellt.

Balliol wurde im Tower of London gefangen gehalten. Nach mehreren Jahren Arrest wurde er auf Bitten von Papst Bonifatius VIII., der den Bischof von Vicenza an den englischen Hof gesandt hatte, unter der Bedingung freigelassen, dass er das Land verließe und nach Frankreich ins Exil ging (seine Familie besaß Land in der Picardie). Als sein Gepäck in Dover kontrolliert wurde, wurden die königliche goldene Krone und das Siegel des Königreiches Schottland, mit vielen Gefäßen aus Gold und Silber, und eine beträchtliche Summe von Geld in seinen Truhen gefunden. Edward I. befahl, dass die Krone St. Thomas dem Märtyrer angeboten und das Geld Balliol für seine Reiseunkosten zurückgegeben werden sollte. Aber das Siegel behielt er für sich. Als sich die Schotten im Jahr 1297 unter William Wallace und Andrew de Moray gegen die englische Herrschaft erhoben, betrachteten sie John Balliol als rechtmäßigen König, da seine Abdankung unter Zwang erfolgt und damit ungültig war. Mit der Zeit jedoch erschien dieser Anspruch immer fragwürdiger zu werden, da Balliol spätestens seit 1302 keine Anstrengungen zur Unterstützung der Rebellen mehr unternahm. Effektiv hatte Schottland 10 Jahre lang keinen König, bis Robert the Bruce 1306 den Thron bestieg.

Tod[Bearbeiten]

Balliol starb um den 25. November 1314 auf seinem Familiensitz in Hélicourt in Frankreich.[4] Sein Grab ist nicht sicher bekannt. Ein John de Bailleul wurde in der Kirche von St. Waast at Bailleul-sur-Eaune beigesetzt.[5] Dies könnte der schottische König gewesen sein. Am 4. Januar 1315 schrieb König Eduard II. von England an König Ludwig X. von Frankreich, dass er von dem Tode „Sir John de Balliols“ gehört habe und forderte die Treue und Huldigung von dessen Sohn Eduard Balliol durch Vollmacht. John Balliol wurde von seinem Sohn Eduard Balliol überlebt, der später den Anspruch seiner Familie auf den schottischen Thron geltend machte und darin von England unterstützt wurde. Dieser hatte zeitweiligen Erfolg, gelangte 1332 auf den schottischen Thron, wurde aber 4 Jahre später abgesetzt.

Nachkommen[Bearbeiten]

Balliols Stammbaum

John Balliols Enkel, Ritter Jean de Baillou, trat 1350 in die Dienste des Königs Johann II. von Frankreich und hernach in jene seines Nachfolgers Karl V. Er diente in der Reiterei und bewies sich als so tapfer, dass er von Karl V. vielfach ausgezeichnet wurde. Die Familie der Reichsfreiherren von Baillou in Hustopeče nad Bečvou (Hustopetsch) in Mähren besaßen noch 1868 (1945 von Familienangehörigen in den Westen gebracht) einen seit jener Zeit von Vater auf Sohn vererbten Ring des John Balliol und nach einem alten Familiengesetze hat immer ein Glied der Familie Baillou zur Erinnerung an König John Balliol den Vornamen Johann zu führen. Zu den bedeutendsten späteren Nachkommen von König John Balliol gehörte der Begründer des heutigen Naturhistorischen Museums in Wien, Ritter Johann von Baillou (1684–1758).

Fiktionale Darstellungen[Bearbeiten]

John Balliol wurde in folgenden Dramen dargestellt:

  • John Balliol, Ein historisches Drama in fünf Akten basierend auf seinem Leben, geschrieben von William Tennant.
  • Eine Gestalt namens Balliol, dargestellt von dem britischen Schauspieler Bernard Horsfall, trat in Mel Gibsons Oscar-prämierten, 1995 erschienenen Film Braveheart auf, der eine heroische Geschichte des schottischen Nationalhelden William Wallace zum Inhalt hat. Balliol wird hier lediglich als Anwärter auf die schottische Krone dargestellt, ohne aber näher auf seine Bedeutung einzugehen. Er basiert vermutlich ziemlich frei auf dem historischen John Balliol, obwohl dieser damals in Wirklichkeit ein Gefangener in Frankreich war.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. P. Stell: John [John de Balliol]. In: Oxford Dictionary of National Biography. (ODNB), Oxford University Press, 2004.
  2. Archibald Dunbar: Scottish Kings – A Revised Chronology of Scottish History 1005—1625. Edinburgh 1899, S. 115.
  3. Dieser Beiname ist gewöhnlich verstanden als „leerer Anzug“, aber dies ist umstritten.
  4. Archibald Dunbar: Scottish Kings – A Revised Chronology of Scottish History 1005—1625. Edinburgh 1899, S. 117.
  5. John Fordun: Annalen. S. 95.
Vorgänger Amt Nachfolger
Margarete König von Schottland
1292–1296
Robert I.