John Bodkin Adams

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Kent Lodge, das Haus von Dr. Adams

John Bodkin Adams (* 21. Januar 1899 in Randalstown; † 4. Juli 1983 in Eastbourne) war ein britischer Mediziner und Betrüger, der auch als Serienmörder angeklagt, aber freigesprochen wurde.[1]

Leben[Bearbeiten]

Zwischen 1946 und 1956 starben mehr als 160 seiner Patienten unter mysteriösen Umständen.[2] 132 dieser Patienten hinterließen ihm in ihren Testamenten Geld oder Gegenstände. Am 19. Dezember 1956 wurde der Arzt von der Polizei unter Mordverdacht festgenommen.[3] 1957 wurde er wegen des Mordes an einer Patientin angeklagt und freigesprochen. Eine weitere Mordanklage wurde später seitens der Anklage zurückgezogen, was seitens des Vorsitzenden Richters als Prozessmissbrauch gerügt wurde. Diese Vorgehensweise des Staatsanwalts führte sogar zu Diskussionen im britischen Parlament.[4] Weltweit wurde über den Prozess berichtet,[5] und er wurde damals als „größter Mordprozess aller Zeiten“, bzw. „Mordprozess des Jahrhunderts“ bezeichnet.[6][7]

Der Prozess hatte mehrere wichtige juristische Auswirkungen. Erstens führte er das Prinzip der Doppelwirkung in das englische Recht ein, wonach ein Arzt, der im Willen, Schmerzen seines Patienten zu stillen, unbeabsichtigt den Tod des Patienten herbeiführt, nicht des Mordes angeklagt werden darf.[8] Zweitens wurde aufgrund des enormen öffentlichen Andrangs bei Adams Anhörung dem Angeklagten zugestanden, den Ausschluss der Öffentlichkeit zu beantragen.[9] Schließlich wurde noch einmal klargestellt, dass es niemandem als Nachteil angerechnet werden darf, wenn er von seinem Recht Gebrauch macht, sich vor Gericht nicht zu verteidigen.

Adams wurde in einem abgetrennten Verfahren des Rezeptbetrugs in 13 Fällen schuldig gesprochen. Weitere Anklagepunkte waren Manipulation von Krematoriumspapieren, Fehlen eines Drogenverzeichnisses und Behinderung einer polizeilichen Durchsuchung. Dadurch verlor er für vier Jahre seine Zulassung als Arzt und konnte erst 1961 wieder praktizieren.

Nachdem er seine Zulassung zurückerhalten hatte, praktizierte er wieder als Hausarzt in Eastbourne. Als er 1962 ein Visum für die USA beantragte, wurde ihm dies verwehrt, weil er wegen seines Umgangs mit gefährlichen Drogen verurteilt worden war.

In späteren Jahren war er Präsident der britischen Tontaubenschützenvereinigung.

Am 30. Juni 1983 brach er sich beim Schießtraining in Battle die Hüfte und wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo er am 4. Juli 1983 an einer Lungenentzündung starb.

Er hinterließ ein Haus im Wert von 402.970 £ und ein Vermögen von 1.000 £. Dies hinterließ er Percy Hoskins, dem einzigen Reporter, der ihn während seines Mordprozesses unterstützt hatte. Dieser spendete das Geld karitativen Zwecken. Bis zuletzt wurde Adams in Testamenten seiner Patienten bedacht. 1986 behandelte der englische Spielfilm Der gute Doktor Bodkin seinen Fall. Die Hauptrolle spielte Timothy West.

Die Akten des Falles sollten zunächst bis 2033 unter Verschluss gehalten werden, wurden aber aufgrund einer Ausnahmegenehmigung bereits 2003 wieder veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sybille Bedford: The Best We Can Do.
  • Pamela V. Cullen: Stranger in Blood: The Case Files on Dr John Bodkin Adams. Elliott & Thompson, London 2006, ISBN 1-904027-19-9
  • Patrick Devlin: Easing the passing: The trial of Doctor John Bodkin Adams. The Bodley Head, London 1985
  • Percy Hoskins: Two men were acquitted: The trial and acquittal of Doctor John Bodkin Adams. 1983
  • Rodney Hallworth, Mark Williams: Where there’s a will… The sensational life of Dr John Bodkin Adams. Capstan Press, Jersey 1983, ISBN 0-946797-00-5
  • John Surtees: The Strange Case of Dr. Bodkin Adams: The Life and Murder Trial of Eastbourne’s Infamous Doctor and the Views of Those Who Knew Him. 2000

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Case of Dr John Bodkin Adams. strangerinblood.co.uk. Abgerufen am 18. Februar 2010.
  2. Cullen, S. 636
  3.  Der Triumph des Advokaten. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1957 (online).
  4. Cullen, S. 537
  5. Not Guilty. In: Time, 22. April 1957.
  6. Brook Thomas: Law and Literature, S. 149 – quoting Rupert Furneaux
  7. Times, 11. Juni 1985, S. 10
  8. Devlin, 1985
  9. Surtees, S. 132