John Charles Cutler

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John Charles Cutler (* 29. Juni 1915, Cleveland; † 9. Februar 2003, Pittsburgh) war ein US-amerikanischer Mediziner und Hochschullehrer. Er führte Syphilis-Menschenversuche in Guatemala und die Tuskegee-Syphilis-Studie in Alabama durch.[1][2]

Leben[Bearbeiten]

Cutler wurde als Sohn von Grace Amanda Allen und Glenn Allen Cutler geboren. Er machte seinen Abschluss an der Western Reserve University Medical School im Jahre 1941 und trat dem Public Health Service 1942 bei. 1943 arbeitete er als Sanitätsoffizier im U.S. Public Health Venereal Disease Research Laboratory auf Staten Island.

In den 1940er Jahren führte er die Syphilis-Menschenversuche in Guatemala durch, bei dem 1.500 Guatemalteken vorsätzlich infiziert wurden. Zu den Guatemalteken gehörten auch Waisenkinder, von denen die jüngsten neun Jahre alt waren.[3] Diese Studie verstieß nicht nur gegen den Hippokratischen Eid, sondern reflektierte auch Menschenversuche, die von den Nazis durchgeführt worden waren und die Anklagepunkt bei den Nürnberger Prozessen waren.[3]

1954 war Cutler verantwortlich für Experimente, die an Gefangenen von Sing Sing durchgeführt wurden. An ihnen wurde die Wirkung von Penicillin bei Syphilis-Erkrankungen getestet.[4]

Cutler wurde 1958 Assistant Surgeon General of the United States. In den 1960er-Jahren nahm er an der Tuskegee-Syphilis-Studie ausführend teil, bei dem mehrere hundert Afro-Amerikaner ohne deren Wissen mit Syphilis infiziert und ohne medizinische Behandlung gelassen wurden.[5][6]

1993 sagte Cutler in der Fernsehdokumentation „The Deadly Deception“:

““It was important that they were supposedly untreated, and it would be undesirable to go ahead and use large amounts of penicillin to treat the disease, because you’d interfere with the study.””

„Es war wichtig, dass sie nicht (medizinisch) behandelt wurden. Es war nicht erwünscht, dass sie mit großen Mengen Penicillin behandelt worden wären, weil das die Studien beeinträchtigt hätte.[7]

John Charles Cutler

1967 wurde Cutler Professor für International health an der University of Pittsburgh, wo er zwischen 1968–1969 als Dekan tätig war.[8]

Er starb 2003 im Western Pennsylvania Hospital in Pittsburgh.[8] Nach seinem Tod gab es eine Vorlesungsreihe an der University of Pittsburgh, die ihm zu Ehren nach Cutler benannt war. 2008 wurde diese Reihe abgebrochen, nachdem seine Verantwortung für die Menschenversuche in Guatemala entdeckt worden war.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Opfer amerikanischer Syphilis-Experimente scheitern vor Gericht. (online)
  2. Syphilis-Experimente kosteten mehr als 80 Leben. In: Spiegel online, 30. August 2011 (online)
  3. a b Rory Carroll: Guatemala victims of US syphilis study still haunted by the “devil’s experiment”, The Guardian, 8. Juni 2011.
  4. Syphilis Preventive Seen by Scientists. In: Associated Press, 8. Dezember 1954. Abgerufen am 3. Oktober 2010. 
  5. Artikel im Guardian
  6. Artikel im Boston Globe
  7. Syphilis Preventive Seen by Scientists. in Associated Press
  8. a b John Charles Cutler. Pioneer in preventing sexual diseases. In: Pittsburgh Post-Gazette, 12. Februar 2003. Abgerufen am 2. Oktober 2010. 
  9. Torsten Ove: Presidential panel excoriates former Pitt dean, Pittsburgh Post-Gazette, 29. August 2011