John Cockerill
John Cockerill (* 3. August 1790 in Haslingden, Lancashire; † 19. Juni 1840 in Warschau) war ein englischgebürtiger belgischer Industrieller.
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Leben [Bearbeiten]
John Cockerill trat bereits als Knabe von zwölf Jahren in die von seinem Vater William Cockerill 1797 in Verviers gegründete Maschinenfabrik ein, die er 1807 gemeinsam mit seinem älteren Bruder James Cockerill übernahm. 1816 errichteten die Brüder in Seraing ein Werk der Montanindustrie, das den Grundstein für die Entwicklung eines weitverzweigten Unternehmens bildete. 1813 heiratete Cockerill Johanna Friederike Pastor. Ihre Schwester wurde am selben Tag die Frau seines Bruders.
In der Rezessionsphase 1825 verließ der Bruder das Unternehmen. Seine Besitzanteile verkaufte er dem König des Vereinigten Königreichs der Niederlande. Nach Überwindung der politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten erwarb John Cockerill die Anteile zurück. Mit ihm als alleinigem Eigentümer begann die Blütezeit des Unternehmens. Cockerill gilt als ein Wegbereiter der Industrialisierung Belgiens. Er starb 1840 überraschend auf einer Geschäftsreise nach Russland.
Wirken [Bearbeiten]
Der Stammsitz in Seraing wurde mit einem Anfangskapital von 17 Millionen Französischer Francs gegründet. Neben Bergwerken (Kohle und Erz) und einem Hüttenwerk wurden ein Stahl- und Walzwerk, eine Kesselschmiede und eine Maschinenfabrik betrieben. 22 Dampfmaschinen waren im Einsatz. Das Werk beschäftigte 2500 Menschen. 1829 ernannte Cockerill den Cousin seiner Frau Konrad Gustav Pastor zum Generaldirektor. Das 1831 erfolgte Ausscheren Belgiens aus dem Verbund mit Holland hatte auch für das Cockerillsche Unternehmen weitreichende Bedeutung.
In Aachen richtete John Cockerill eine Wollspinnerei und eine Spinnmaschinenfabrik ein. 1832 kaufte er die Blei- und Zinkerzgrube Herrenberg zwischen Verlautenheide und Haaren. In unmittelbarer Nähe zur James-Grube, die seinem Bruder gehörte, gründete er 1837 die St. Heinrich-Zinkhütte in Münsterbusch. Ein Jahr später brachte John Cockerill seine Anteile an der St. Heinrichhütte, das Bergwerk Herrenberg und anderen Grubenbesitz in die neu entstandene Metallurgische Gesellschaft zu Stolberg ein. Zu den weiteren Gründungen gehörten Schwermaschinenfabriken, sowie Papier- und Glasfabriken. Insgesamt umfasste das Cockerillsche Unternehmen etwa 60 verschiedene Betriebe in Belgien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Polen und Russland. In der Eisenbahnindustrie gilt Cockerill als einer der Pioniere auf dem europäischen Festland. Er lieferte sowohl die Schienen für die erste kontinentaleuropäische Bahnlinie von Brüssel nach Mecheln, als auch die erste nach dem Vorbild von George Stephensons Lokomotive Rocket in Kontinentaleuropa gefertigte Dampflokomotive (genannt Le Belge, montiert von Johann Heinrich Ehrhardt), die auf der Strecke verkehrte.
Cockerill war einer der Hauptgründer der Belgischen Bank. Seine englische Herkunft und seine ausgedehnten europaweiten Aktivitäten erregten jedoch Argwohn, als 1838 der außenpolitische Konflikt mit Holland zu eskalieren drohte und die Interventionsmächte England und Frankreich zum Handeln aufrief. Die Bank litt wirtschaftlich unter dem Vertrauensverlust und musste 1839 ihre Zahlungen einstellen, was Cockerill selbst in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Über sein Vermögen wurde das Liquidationsverfahren eröffnet. Als Bevollmächtigten konnte Cockerill den Cousin seiner Frau, den Aachener Tuchfabrikanten und Präsidenten der Handelskammer Aachen, Philipp Heinrich Pastor einsetzen.
Cockerill erlebte die Liquidation und den anschließenden Neuanfang nicht mehr. Dem Generaldirektor Konrad Gustav Pastor gelang es, den Kern des Unternehmens zu retten und auf der Grundlage der Serainger Anlagen die "Societe Anonyme des Etablissements John Cockerill" zu bilden, kurz S. A. Cockerill, welches in den Folgejahren erneut zu einem Unternehmen mit Weltruf aufstieg. Pastor führte zahlreiche technische Neuerungen, wie beispielsweise die Kokshochöfen ein. Er war auf dem Festland einer der Ersten, der das Bessemer-Verfahren anwendet.
Der bedeutendste Zweig wurde das belgische Montanunternehmen S.A. Cockerill-Ougrée, das später unter Cockerill-Sambre firmierte. Dieses Unternehmen wurde 1998 in die französische Usinor integriert, die 2002 im Arcelor-Konzern aufging. Bis heute wird die Tradition des Namens Cockerill vom Unternehmen Cockerill Maintenance & Ingénierie weitergeführt.
Literatur [Bearbeiten]
- Meyers Konversations-Lexikon. Bibliographisches Institut, Leipzig/ Wien 1894, Bd. 2, S. 728.
- Meyers Konversations-Lexikon. Bd. 4, S. 240.
- Meyers Konversations-Lexikon. Bd. 16, S. 404.
Weblinks [Bearbeiten]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cockerill, John |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Industrieller |
| GEBURTSDATUM | 3. August 1790 |
| GEBURTSORT | Haslingden, Lancashire |
| STERBEDATUM | 19. Juni 1840 |
| STERBEORT | Warschau |