John Doe

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter John Doe (Begriffsklärung) aufgeführt.

John Doe, weibliche Form: Jane Doe, ist ein englischer Platzhaltername für fiktive oder nicht identifizierte Personen. John war lange Zeit der häufigste englische Männername. „Doe“ bezeichnet eine Hirschkuh. Der Begriff ist vor allem in den Vereinigten Staaten gebräuchlich.

Bedeutung[Bearbeiten]

Im gesamten anglo-amerikanischen Rechtsraum bezeichnet John Doe eine fiktive Prozesspartei oder einen sonstigen fiktiven Beteiligten des Prozesses,[1] ebenso den fiktiven Namen einer existenten, aber nicht identifizierten Prozesspartei. Zu diesem Zweck werden auch andere Bezeichnungen verwendet, z. B. Richard Roe, John Stiles, Richard Miles, etc. Der bekannteste Fall der Verwendung der weiblichen Form ist wohl das Abtreibungsurteil Roe v. Wade, in dem die Klägerin Norma McCorvey unter dem Pseudonym Jane Roe auftrat.

Der Begriff hat darüber hinaus als Bezeichnung für eine fiktive oder nicht identifizierte Person Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Insofern bezeichnet er:

  • in den USA eine Person (auch eine Leiche) mit ungeklärter bzw. unbekannter oder geheimer Identität, beispielsweise in Akten und auf Formularen. In der deutschen Sprache fehlt ein Platzhaltername mit ähnlicher Bedeutungsvielfalt. Gebräuchlich sind etwa N.N. oder Max Mustermann
  • im informellen amerikanischen Englisch den Durchschnittsbürger. Synonyme sind John Smith, Joe Public, Joe Average oder Joe Sixpack; die deutschsprachigen Entsprechungen sind etwa Otto Normalverbraucher, Max Mustermann oder Lieschen Müller.
  • Ein anderes Feld, in dem es gilt, Anonymität zu wahren, findet sich in der (US-amerikanischen) Erotikbranche im weitesten Sinne. So stellen sich Männer in Bars, Bordellen, Clubs oder am Telefon oft als John oder John Doe vor, um ihrerseits ein Interesse an einem diskreten Geschäft zu signalisieren. Umgekehrt deutet die offensive Ansprache eines fremden Mannes durch eine Frau als John oder Johnny auf ein gewerbliches oder wenigstens diskretes Interesse an diesem Mann hin; in jedem Falle ist es jedoch eine mehrdeutige Provokation, besonders wenn die Frau weiß, dass sein Name nicht John ist. Oft bezeichnen beispielsweise Prostituierte oder Tänzerinnen ihre Kunden auch indirekt als John: „Ich hatte heute abend zwei Johns.“ John Doe ist ein häufiges Pseudonym von Pornodarstellern, gelegentlich auch in phonetischen Varianten oder mit dem bloßen Anfang John Do… als John Don(son), John Dow, John Dodge oder John Douglas (siehe Jon Dough, der auch als John Doe, Jo(h)n Doc oder John Dunn auftrat.[2]) Ebenso verfahren geistesgegenwärtige Männer, die überraschend oder unfreiwillig in der Öffentlichkeit nach ihrem Namen gefragt werden. Der Fragende und ggf. ein Publikum versteht dies in der Regel so, dass weitere Informationen zur Person nicht gegeben werden.

Herleitung[Bearbeiten]

Der Begriff John Doe wurde spätestens seit dem 17. Jahrhundert von englischen Gerichten zur Bezeichnung fiktiver Parteien im Rahmen der sogenannten action of ejectment verwendet. Es finden sich auch andere Namen, wie z. B. Richard Roe (englisch Roe: Reh), John Stiles, Richard Miles etc. Warum gerade diese Namen verwendet wurden, ist nicht bekannt. Aber es kann davon ausgegangen werden, dass die Häufigkeit des Namens John eine Rolle gespielt hat.

Mit der action of ejectment konnten in England bis zum Common Law Procedure Act 1852 Eigentumsrechte an Grundstücken durchgesetzt werden.

Common law erlaubte eine Klage ursprünglich nur, wenn sie einer bestimmten Klageform, einem writ, zugeordnet werden konnte. Die richtige Klageform für die Durchsetzung des Eigentumsrechts an einem Grundstück war eigentlich der writ of right, der die Frage des Eigentumsrechts für ein und alle Mal klärte. Die Klage durch writ of right war jedoch so aufwändig, dass nach einem Ersatz gesucht wurde. Dies war die action of ejectment.

Grundlage der action of ejectment war der writ of trespass de ejectione firmae. Ursprünglich diente die action of ejectment nur dem Schutz von Pächtern (lessees). Ihr Zweck war es, eine Person, die gegenüber dem Pächter kein Recht zum Besitz besaß, von dem Grundstück zu verweisen.

Die Klage musste freilich abgewiesen werden, wenn der Beklagte beweisen konnte, dass er selber Pächter des Grundstücks war und dass sein Verpächter an dem Grundstück ein besseres Recht besaß als der Verpächter des Klägers. So hing der Erfolg der Klage also letztlich von der Frage ab, welcher Verpächter der wahre Eigentümer des Grundstücks war.

Dies machte man sich im 16. und 17. Jahrhundert zunutze, um die Schwierigkeiten des writ of right zu umgehen. Wer die Eigentumsverhältnisse geklärt haben wollte (A), verpachtete das Grundstück an einen Freund (D). Dieser nahm das Grundstück in Besitz und ließ sich von jenem vertreiben – entweder durch denjenigen, der das Eigentum für sich reklamierte (B), oder durch einen anderen Freund des A, den casual ejector oder ouster, der als vermeintlicher Pächter des B eigens dazu beauftragt wurde (R).

Der vermeintliche Pächter des A (D) erhob nun die action of ejectment gegen denjenigen, der ihn vertrieben hatte. War dies der casual ejector (R) gewesen, unterrichtete dieser nun den B und riet ihm, dem Verfahren beizutreten, um sein vermeintliches Eigentum zu verteidigen, wobei die Nachricht oft ironisch mit „your loving friend“ unterzeichnet wurde.

1656 soll Rolle C. J. dazu übergegangen sein, von B zu verlangen, alle Voraussetzungen der Klage, Verpachtung (lease), Inbesitznahme (entry) und Vertreibung (ouster), außer dem Eigentumsrecht des A (title) zuzugestehen, bevor diesem der Beitritt zum Verfahren gestattet wurde. Diese Voraussetzungen wurden in der Folge zur reinen Fiktion. Weder die Verpachtungen, noch Inbesitznahme, noch Vertreibung fanden tatsächlich statt. Der fiktive klagende Pächter wurde als John Doe, der fiktive beklagte Pächter (casual ejector) als Richard Roe bezeichnet.

Die Klage lautete daher „Doe upon a demise [lease] from A v Roe upon a demise from B“, kurz „Doe d. A v. Roe d. B“ (siehe Beispiele).

Aus England und Wales ist die Verwendung fiktiver, also tatsächlich nicht existenter Parteien nach 1852 nicht bekannt. In einigen wenigen Fällen ist der Begriff John Doe verwendet worden, um eine existente, aber nicht identifizierte Partei (vor allem Beklagte) zu bezeichnen (Barnett v French [1981] 1 WLR 848 (DC) m.w.N.).

Im Justizsystem der Vereinigten Staaten ist die Verwendung der Parteibezeichnung John Doe und Richard Roe auch heute noch gebräuchlich.

Verwendungen[Bearbeiten]

Film & Fernsehen:

  • In zahlreichen US-amerikanischen Krimi- und Krankenhausserien werden unidentifizierte Verdächtige bzw. Mord- oder Unfallopfer mit „Jane Doe“ oder „John Doe“ bezeichnet. Dies entspricht auch der in der Realität bei Polizei und Kliniken üblichen Praxis.
  • Der Film Hier ist John Doe (1941) von Frank Capra erzählt von einem erfundenen Durchschnittsmenschen, der sich gegen soziale Ungerechtigkeiten auflehnt.
  • Die US-Fernsehserie Der Fall John Doe! aus dem Jahre 2002.
  • Im Film Jane Doe (deutscher Titel Runaway Jane – Allein gegen alle) aus dem Jahr 2001 spielt Teri Hatcher eine Informatikerin mit dem Namen Jane Doe.
  • Die Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert-Episode Transfigurations handelt von einem an Amnesie leidenden Alien, der den Namen John Doe erhält.
  • Im Film Dogma des Regisseurs Kevin Smith, aus dem Jahre 1999, wird ein unbekannter Obdachloser ins Koma geprügelt. Dieser wird von den Medien als „John Doe“ bezeichnet. Im Verlauf des Films klärt sich seine Identität auf.
  • Im Film Galaxy Quest wird die Außerirdische Laliara am Ende in einem fiktiven Filmvorspann als Jane Doe aufgeführt, da ihr „echter“ Name mit der Filmrolle übereinstimmt, sie als Außerirdische aber keinen menschlichen Namen hat.
  • In der Serie Supernatural heißt die Frau, in deren komatösen Körper Ruby schlüpft, Jane Doe.
  • In der Serie Once Upon a Time – Es war einmal … wird der namenlose Komapatient, der in Wirklichkeit Prinz James „Charming“/David Nolan ist, gespielt von Josh Dallas, John Doe genannt.
  • Der Film Sieben ist ein 1995 erschienener US-amerikanischer Thriller des Regisseurs David Fincher. Der Mörder – gespielt von Kevin Spacey – nutzt den Namen John Doe.
  • Im Film Machete (2010) wird Danny Trejo verletzt unter dem Namen John Doe eingeliefert.

Kultur:

Personen:

  • das Pseudonym des Schauspielers, Autors und Musikers John Nommensen Duchac, Bassist der US-amerikanischen Punkband X, siehe John Doe (Musiker)

Musik:

  • ein Song des US-Rappers Rick Ross aus dem Mixtape Ashes to Ashes heißt John Doe
  • ein Song der österreichischen Metalband Artas aus ihrem Album Riotology trägt den Titel The Suffering of John Doe
  • ein Album der US-Hardcoreband Converge heißt Jane Doe
  • ein Song des Akustik-Pop-Musikers Never Shout Never trägt ebenfalls den Namen Jane Doe
  • ein Song der Band Testament trägt den Titel Jon Doe
  • ein Lied des Debutalbums Songs in A Minor der Sängerin Alicia Keys trägt den Titel Jane Doe
  • ein Song der niederländischen Band Within Temptation heißt Jane Doe. Dieser Song wurde als B-Seite von zwei Singles der Band veröffentlicht.
  • ein Song von Charlotte Gainsbourg auf dem Album IRM trägt den Titel Me and Jane Doe
  • ein Song von Nik Kershaw auf dem Album To Be Frank trägt den Titel Jane Doe
  • ein Song der Band Mr. Big auf dem Album Hey Man trägt den Titel Jane Doe
  • ein Song der Band Blitzkid trägt den Titel Jane Doe #9
  • ein Song von B.o.B und Priscilla heißt John Doe

Sonstige:

  • Ende 2008 verschickte die US Army versehentlich an einige Familien der im Irakkrieg gefallenen Soldaten Briefe, die mit „Dear John Doe“ begannen. Als Grund nannte die Army einen Software-Fehler bei dem Unternehmen, das die Schreiben anfertigte.[3]
  • Stephen Kings Erzähler im Roman 11/22/63 – A Novel (dt. Der Anschlag) nutzt den Namen John Doe gegenüber einer Frau, von der er Informationen kauft, und signalisiert damit erfolgreich, dass er keine weiteren Fragen nach seiner Identität zulässt.
  • Douglas Coupland nutzt den Namen im Roman jPod, um einen fiktiven Mann darzustellen, der versucht, so normal wie möglich zu sein.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Romain, Alfred: Wörterbuch der Rechts- und Wirtschaftssprache, 4. Auflage 1989.
  2. Pseudonymliste von Jon Dough bei IAFD http://www.iafd.com/person.rme/perfid=JDough/gender=m
  3. US-Army verschickt Max-Mustermann-Kondolenzen, heise online vom 8. Januar 2009

Literatur[Bearbeiten]

  • A. K. R. Kiralfy: Potter’s Historical Introduction to English Law and its Institutions, London, Sweet & Maxwell, 4. Auflage 1958.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • ACME, englischer Name für fiktive Firmen