John George Lambton, 1. Earl of Durham

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John George Lambton, 1. Earl of Durham, gen. „Radical Jack“, (* 12. April 1792 in London; † 28. Juli 1840 in Cowes), war ein britischer Staatsmann der Whig-Partei, der das Vereinigte Königreich auf dem Wiener Kongress von 1814/1815 vertrat.

John George Lambton

Leben[Bearbeiten]

John George Lambton Durham wurde am 12. April 1792 in London geboren und besuchte das Eton College in Eton. 1813 wurde Durham Mitglied des Unterhauses, wo er ein großer Befürworter der Reform des Wahlverfahrens der Parlamentsmitglieder wurde. 1828 zog er ins britische Oberhaus ein. Als Staatsrat und Lordsiegelbewahrer, die Tätigkeit führte er von 1830–1833 aus, arbeitete er unter seinem Schwiegervater, Premierminister Charles Grey, 2. Earl Grey, und wurde von diesem mit anderen Parlamentsmitgliedern beauftragt, den Entwurf der Reform Bill von 1832 zu bearbeiten und durchzubringen. Die Reform Bills sollten unter anderem das Wahlrecht in Großbritannien erweitern. Weil Durham sich in besonderem Maße dafür engagierte, erhielt er dafür vom König 1833 den Titel eines Grafen. Im gleichen Jahr legte er allerdings aus Protest gegen das Vorgehen seiner Regierung in Irland sein Amt nieder. Von 1835–1837 war er britischer Botschafter in Russland.

Doch bereits 1838 wurde er zum Generalgouverneur von Britisch-Nordamerika ernannt. Da Kanada damals zum Teil von Großbritannien und zum anderen Teil von Frankreich beherrscht wurde, herrschten Spannungen zwischen beiden Kolonien. Bereits nach fünf Monate legte er sein Amt wegen der scharfen Kritik aus Großbritannien an seinem Verhalten nieder. Dennoch verfasste Durham seinen „Report on the affairs of British North America“ (1839), in dem er vorschlug, die gesamte Kolonie Kanada zu vereinen und unter eine autonome Regierung zu stellen. Diese lokalen Regierungen sollten auf alle kleineren Provinzen verteilt werden, die Oberherrschaft blieb aber bei den Briten und Franzosen. Die Vereinigung Kanadas nach Durhams Plänen fand 1867 mit dem Britisch-Nordamerika-Vertrag statt, als dieser schon mehr als 20 Jahre tot war. Dieses von ihm entwickelte Konzept einer kolonialen Selbstverwaltung unter britischer Oberhoheit wurde später in leicht abgewandelter Form zur Grundlage des britischen Commonwealth.

Nach Jürgen Osterhammel ist der Durham Report[1] „eines der wichtigsten Dokumente der globalen Verfassungsgeschichte. Er etablierte das Prinzip des Interessenausgleichs zwischen Siedlern und der imperialen Metropole im Gehäuse wandlungsfähiger demokratischer Institutionen.“[2]

John George Lambton Durham starb am 28. Juli 1840 in Cowes auf der Isle of Wight.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stuart Johnson Reid: Life and letters of the first earl of Durham, 1792–1840, 2 vols. – London: Longmans, Green, and Co., 1906
  • Chester W. New: Lord Durham: a biography of John George Lambton, first earl of Durham – Oxford: Clarendon Press, 1929
  • Leonard Cooper: Radical Jack: the life of John George Lambton, first earl of Durham, 1792–1840 – London: Cresset Press, 1959
  • Eintrag in der Classic Encyclopedia (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Lambton, 1st Earl of Durham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. en:Report on the Affairs of British North America
  2. Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. München 2009, S. 595
Vorgänger Amt Nachfolger
Titel neu geschaffen Earl of Durham
1833–1840
George Frederick d'Arcy Lambton