John H. Noble

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John H. Noble im Juli 2007 bei einem Vortrag in Nossen

John H. Noble (* 4. September 1923 in Detroit; † 10. November 2007 in Dresden) war amerikanischer Unternehmer und Mitentwickler der SpiegelreflexkameraPraktiflex“ und „Praktica“ in Dresden sowie Überlebender des GULAG.

Leben [Bearbeiten]

Als Sohn des deutschstämmigen Unternehmers Charles A. Noble aus Detroit kam John Noble im Januar 1938 mit seiner Familie nach Dresden, dem Zentrum der deutschen Fotoindustrie. Charles Noble erwarb die Kamera-Werkstätten Guthe & Thorsch und entwickelte und produzierte in der Folge unter dem Namen NOBLE (Kamera-Werkstätten Charles A. Noble) Kameras.

1939 brachte Vater Charles A. Noble die Kleinbild-Spiegelreflexkamera „Praktiflex“ auf den Markt. Die Kamerafabrik von Charles Noble in Dresden erlangte Weltruf. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 waren die Nobles als Amerikaner Repressalien ausgesetzt, konnten aber bis 1945 weiterproduzieren. Die Kameras wurden ausschliesslich für den Zivilbedarf produziert, wurden unter anderem in die USA geliefert und brachten Devisen.

Die Luftangriffe auf Dresden überlebte John H. Noble in der Villa San Remo im Stadtteil Weißer Hirsch als 21-jähriger junger Mann. Nach Kriegsende wurden sein Vater Charles und er von der Sowjetischen Besatzungsmacht zunächst ohne jede Erklärung im Sommer 1945 inhaftiert. Der Enteignung der Kamerawerke stand nichts mehr im Weg.

John Noble durchlief mit seinem Vater das Gefängnis Münchner Platz und mehrere Gefängnisse und Lager des NKWD, unter anderem das Speziallager Nr. 2 in Buchenwald bis 1950. Dort wurden Vater und Sohn getrennt. Charles Noble wurde in Waldheim inhaftiert, John wurde über weitere Gefängnisse in den sowjetischen Gulag nach Workuta gebracht, als im Frühjahr 1950 die Speziallager in der DDR geschlossen wurden.

Im sibirischen Arbeitslager Workuta war es ein täglicher Kampf ums Überleben, bis es ihm 1954 gelang, ein Lebenszeichen hinauszuschmuggeln, welches auf einer Postkarte eines Mitgefangenen verschlüsselt war. Auf diese Weise konnte seine Familie, die mittlerweile in die USA zurückgekehrt war, vom westdeutschen Adressaten benachrichtigt werden, woraufhin das Außenministerium der Vereinigten Staaten in der Sowjetunion die Entlassung Nobles forderte. Durch persönliche Intervention Präsident Eisenhowers wurde er schließlich mit anderen amerikanischen Gefangenen freigelassen. Noble berichtet auch vom niedergeschlagenen Aufstand von Workuta, der nach Stalins Tod 1953 stattfand.[1]

Im Januar 1955 kam John Noble nach fast zehn Jahren Haft frei, gab in Westberlin eine Pressekonferenz und ging zurück in die USA. Sein dort verlegtes Buch „Ich war Sklave in Russland“ wurde 1,3 Millionen Mal verkauft. Er sah seine Mission in der Aufklärung der Folgen von Diktatur und Menschenverachtung und hielt zahlreiche Vorträge.

Am 19. Januar 1955, drei Tage nach der Pressekonferenz, erschienen erstmalig in DDR-Tageszeitungen Veröffentlichungen des vormaligen sächsischen Ministerpräsidenten Max Seydewitz (SED) und seiner Frau Ruth, worin behauptet wurde, dass sein Vater Charles Noble vom Balkon seiner Villa „San Remo“ aus im Februar 1945 den Luftangriff auf Dresden gesteuert habe. Diese Diffamierung gilt als Reaktion auf die ersten Berichte John Nobles über die Zustände in russischen Lagern. In seinem Buch „Die unbesiegbare Stadt“ wiederholte Seydewitz diese Behauptung, die Eingang in die DDR-Propaganda fand. Bis zur Wende befand sich am Tor der Villa „San Remo“ eine Messingtafel, die von der angeblichen Greueltat der Nobles berichtete.

Aufgrund einer selbstlosen, lebensgefährlichen Rettungsaktion in Potma (Mordwinien) kurz vor seiner Entlassung aus der russischen Gefangenschaft wurde er am 2. November 1979 durch einen Prinz de Boure in den Souveränen Orden des Hl. Johannes von Jerusalem (entspricht dem Namen des Malteserordens) zu einem Knight Commander of Justice erhoben.[2]

Nach einer Karriere als Politikberater und Wirtschaftswissenschaftler in den USA kehrte John H. Noble 1990 nach Dresden zurück, um Dresden wieder zum Standort Nr. 1 in der Fotoindustrie zu machen. Die Treuhandanstalt schlug die Warenzeichen dem Pentacon-Betriebsteil zu, Noble bekam lediglich die Immobilie zurück. Trotzdem konnte er mit der Entwicklung der PanoramakameraNoblex“ internationale Erfolge feiern. Eine weitere Entwicklung ist eine Sicherheitskamera, die „Loglux“. Nach Abschluss der Entwicklung musste er das Unternehmen wegen einer fehlenden Finanzierungsgrundlage verkaufen.

Mit seiner 2001 kennengelernten Lebensgefährtin gründete er einen Verlag, 2004 erscheint sein Buch Verbannt und verleugnet (Bestseller in Dresden), 2006 der Dokumentarfilm Der Internationale Gulag. Er war gefragter Gast in Talkshows und Filmbeiträgen, und er hielt wieder Vorträge, an Schulen, Gymnasien, in Kirchen. Eindrucksvoll war seine Rede zum Tag der Deutschen Einheit 1995 vor dem Stadtrat Dresden.

Am Morgen des 10. Novembers 2007, wenige Stunden nach einem Vortrag, starb er in Dresden an einem Herzinfarkt, ein herbeigerufener Notarzt konnte ihm nicht mehr helfen. Er wurde auf dem Waldfriedhof Weißer Hirsch bestattet.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. w:en:John H. Noble
  2. Urkunde und Foto