John Horton Conway

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

John Horton Conway (* 26. Dezember 1937 in Liverpool) ist ein englischer Mathematiker.

John Horton Conway 2005

Leben und Wirken[Bearbeiten]

John Horton Conway studierte an der Universität Cambridge unter Harold Davenport Zahlentheorie und wurde dort 1964 Professor (Fellow) für Mathematik.

Conway ist bekannt für seine Arbeiten zur kombinatorischen Spieltheorie, wozu er unter anderem die Bücher „Über Zahlen und Spiele“ (Original: „On Numbers and Games“), „Zahlenzauber“ („The Book of Numbers“) und „Gewinnen: Strategien für mathematische Spiele“ („Winning Ways for Your Mathematical Plays“, zusammen mit Elwyn Berlekamp und Richard Kenneth Guy) veröffentlicht hat. Er kreierte zahlreiche mathematische Spiele, darunter das berühmte Game of Life und das Spiel Sprouts. Er entdeckte die surrealen Zahlen (so der Titel eines Buches, in dem Donald Knuth diese Arbeiten popularisierte), eine Zahldefinition in Analogie zum Dedekind-Schnitt, die auch Spiele und Kardinalzahlen umfasst.

Conway hat die „Unterhaltungsmathematik“ im weitesten Sinn um zahlreiche weitere originelle Beiträge bereichert. Beispielsweise hat er die Doomsday-Methode zur einfachen Berechnung des Wochentages, die nach ihm benannte Conway-Folge und eine „Primzahlmaschine“ (Formel, die alle Primzahlen und nur diese als Lösung hat) erfunden.

Conway auf der Jahrestagung der DMV 1987 in Berlin

Conway entdeckte Ende der 1960er Jahre drei neue sporadische endliche einfache Gruppen, die nach ihm benannten Conwaygruppen, als er sich mit dem Leech-Gitter beschäftigte. Er vereinfachte auch die Konstruktion der letzten und größten gefundenen sporadischen Gruppe, des „Monsters“ (vom Entdecker aber lieber „friendly giant“ genannt). In einer berühmten Arbeit mit Simon Norton vom Ende der 1970er-Jahre[1] wies er auf Zusammenhänge der (Dimensionen der irreduziblen) Darstellungen des Monsters mit den Entwicklungskoeffizienten der elliptischen Modulfunktion hin, nach dem Titel ihres Aufsatzes „monstrous moonshine“ genannt (sie folgten dabei einer Beobachtung von John McKay). Viele der vermuteten Zusammenhänge wurden später von Conways Doktorand Richard Borcherds bewiesen, der dafür die Fields-Medaille erhielt.

Mit Neil Sloane veröffentlichte er 1988 das monumentale Werk „Sphere packings, lattices and groups“ in der Springer-Reihe „Grundlehren der mathematischen Wissenschaften“ (3. Auflage, 1999), in der auch viele originäre eigene Forschungsbeiträge zur Theorie der Gitter und Kugelpackungen zusammengefasst sind.

Conway (rechts) führt einen Kartentrick vor, Banff Research Station 2005, mit von links Erik Demaine, Martin Demaine, Bill Spight

Er beschäftigte sich auch mit Knotentheorie, kristallographischen Raumgruppen und Parkettierungen.

Mit Richard Kenneth Guy veröffentlichte Conway das „Book of numbers“, in dem halb-populär viele Ergebnisse der Zahlentheorie (und auch viele Spiele) diskutiert werden. Er schrieb auch Bücher über quadratische Formen („The sensual (quadratic) form“) und Algebren („Quaternions and octonions“).

Nach seinen bedeutendsten Leistungen gefragt, hob er 2013[2] seine Entdeckung surrealer Zahlen hervor und seinen Beweis eines Free Will Theorems in der Quantenmechanik mit Simon Kochen, und weniger seine Arbeiten in Gruppentheorie, für die er vor allem bekannt ist. Das Free Will Theorem wurde von Conway und Kochen 2004 bewiesen und besagt, dass falls beim Experimentator Entscheidungsfreiheit (freier Wille, Möglichkeit nicht vorherbestimmten Verhaltens) vorhanden ist, dies auch für alle Elementarteilchen gilt.[3][4]

Conways Arbeit wurde mit zahlreichen mathematischen Auszeichnungen gewürdigt. 1987 erhielt er den Pólya-Preis der London Mathematical Society, 1998 den Nemmers-Preis für Mathematik und 2000 den Leroy P. Steele Prize der American Mathematical Society. Zurzeit ist er John-von-Neumann-Professor an der Universität Princeton. 1994 hielt er einen Plenarvortrag auf dem ICM in Zürich (Sphere Packings, Lattices, Codes and Greed) und er war Invited Speaker auf dem ICM 1978 in Helsinki (Arithmetical operations on transfinite numbers) und 1970 in Nizza (The subgroup structure of the exceptional simple groups).

Er war dreimal verheiratet und hat sieben Kinder. Die Coxeter-Biographin Siobhan Roberts arbeitet an seiner Biographie.

Conway (links) mit Larissa Queen

Literatur[Bearbeiten]

Bücher von John Conway:

  • On regular algebra and finite machines, London, Chapman and Hall 1971
  • Über Zahlen und Spiele, vieweg Verlag 1983 (Original On numbers and games, Academic Press 1976)
  • mit Elwyn Berlekamp, Richard Guy: Gewinnen – Strategien für mathematische Spiele, Vieweg Verlag 1985/1986 in mehreren Bänden (engl.Original Winning ways for your mathematical plays, 4 Bde., 2001, zuerst 1982, Academic Press),
  • mit Richard Guy: Zahlenzauber – von natürlichen, imaginären und sonstigen Zahlen, Birkhäuser Verlag 1997 (engl. Original The book of numbers, New York 1996)
  • mit Derek Smith On quaternions and octonions–their geometry, arithmetic and symmetry, Peters Verlag 2003
  • mit Berlekamp, Guy u.a.: Sphere packings, lattices and groups, Springer Verlag (Grundlehren der mathematischen Wissenschaften), 3.Auflage 1999, ISBN 0-387-98585-9.
  • The (sensual) quadratic form, Carus mathematical monographs, Mathematical association of America, 1997
  • mit R.T.Curtis, S.Norton, R.Parker, R.Wilson: Atlas of Finite Groups, Maximal Subgroups and Ordinary Characters for Simple Groups, Oxford University Press, 1985, ISBN 0-19-853199-0.
  • mit Heidi Burgiel, Chaim Goodman-Strauss: The Symmetries of Things, Peters Verlag 2008, ISBN 1-56881-220-5.

Bücher über Conway und seine Arbeiten:

  • T M Thompson: From error-correcting codes through sphere packings to simple groups, Washington, 1983 (historische Darstellung, die aber auch mathematisch ausführlich ist).
  • Albers und G L Alexanderson (Hrsg.): Mathematical People: Profiles and Interviews, Cambridge/MA, 1985, S.43-50.
  • Ebbinghaus, Hermes, Hirzebruch (Hrsg): Zahlen, Springer Verlag 1993 (mit einem Kapitel über surreale Zahlen)
  • Donald Knuth: Insel der Zahlen – eine zahlentheoretische Genesis im Dialog, vieweg 1979, (Original: Surreal numbers, 1974)
  • Marcus du Sautoy Die Mondscheinsucher. Mathematiker entschlüsseln das Geheimnis der Symmetrie. C. H. Beck 2008. ISBN 978-3406576706 (du Sautoy gehörte als Doktorand zu Conways Arbeitsgruppe in Cambridge)

Sonstiges:

  • John Conway- mathematician of symmetry and everything else, Mathematical Intelligencer, Bd.23, 2001, Nr.2 (Interview mit István Hargittai)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Horton Conway – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. H. Conway und S. P. Norton: Monstrous Moonshine. Bull. London Math. Soc. 1979 11: 308-339; doi:10.1112/blms/11.3.308
  2. Interview mit Dierk Schleicher, Sommerschule Jacobs Universität Bremen 2012, Notices AMS, Band 60, 2013, S. 568
  3. Conway, Kochen The strong free will theorem, Notices AMS, Band 56, 2009 ,Nr.2, S. 226-232, pdf
  4. Conway, Kochen The free will theorem, Foundations of Physics, Band 36, 2006, S. 1441-1473, Arxiv, pdf