John McLaughlin (Musiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
John McLaughlin (2008)

John McLaughlin [dʒɒn məkˈlɒklɪn] (* 4. Januar 1942 in Kirk Sandall in Yorkshire, England) ist ein britischer Musiker. Er betätigt sich als Jazz- und Rockgitarrist sowie als Komponist.

Leben[Bearbeiten]

John McLaughlin (1986)
John McLaughlin, Remember Shakti-Konzert, 2001
McLaughlin mit Kenny Garrett und Vinnie Colaiuta (Five Peace Band, 2008)

John McLaughlin arbeitete zunächst im Bluesrockbereich mit Brian Auger und Georgie Fame. Mit Ginger Baker und Jack Bruce spielte er Mitte der 1960er in der Graham Bond Organization, begleitete aber auch die Four Tops und Wilson Pickett auf ihren Tourneen. Zur gleichen Zeit machte er erste Jazzerfahrungen; er spielte mit Ian Carr, John Stevens und Jeff Clyne bzw. dem Kontrabassisten Danny Thompson und dem Saxophonisten Tony Roberts. Nachdem McLaughlin u. a. Mitglied in der Gruppe des deutschen Vibraphonisten Gunter Hampel geworden war und eine erste Solo-LP („Extrapolation“) eingespielt hatte, ging er auf Einladung des damaligen Miles-Davis-Bassisten Dave Holland in die USA. Dort wirkte er zunächst auf den wichtigen Alben In A Silent Way und Bitches Brew von Miles Davis mit, der ihn als "the one, the killer" bezeichnete.[1] Schon vor den Aufnahmen für Bitches Brew gründete er mit dem ehemaligen Davis-Schlagzeuger Tony Williams und dem Organisten Larry Young (Khalid Yasin) das Trio Lifetime, dessen erstes Album „Emergency!“ im Mai 1969 aufgenommen wurde.[2] Anfang 1970 wurde Lifetimes zweites Album „Turn It Over“ (mit Jack Bruce) aufgenommen, einen Monat später das Miles Davis-Album A Tribute to Jack Johnson. McLaughlin wirkte auch - wie Bruce - an Carla Bleys richtungweisendem Werk Escalator over the Hill (aufgenommen 1968-71) mit. Mit Larry Coryell war er auf dessen Album Spaces (1969) zu hören, mit Miroslav Vitouš auf dessen Infinite Search (1969). Jeff Beck, selbst ein Ausnahmegitarrist, bezeichnet ihn als größten, lebenden Gitarristen.

Der Erfolg kam für John McLaughlin mit seinem 1971 gegründeten eigenen Mahavishnu Orchestra, in dem er mit Jerry Goodman, Jan Hammer, Billy Cobham & Rick Laird zusammen spielte. Die Fusion aus Jazz und Rock war wegweisend für die (u. a. von Miles Davis eingeleitete) Fusion-Musik Anfang der 1970er. Im Mahavishnu Orchestra[3] konnte McLaughlin (der inzwischen unter dem Einfluss seines hinduistischen Gurus Sri Chinmoy Drogen und Alkohol entsagt hatte) seine Gitarrentechnik[4] sowie sein musikalisches Potential erstmals voll entfalten. Nach der Auflösung des ersten Mahavishnu Orchestra folgte ein zweites Mahavishnu Orchestra mit dem französischen Geiger Jean-Luc Ponty, dem Drummer Narada Michael Walden, der Keyboarderin Gayle Moran (heute Ehefrau von Chick Corea) und vielen anderen. Außerdem machte er Aufnahmen mit Carlos Santana.

Das anschließende - lediglich aus akustischen Instrumenten bestehende und stark an klassischer indischer Musik orientierte - Projekt Shakti mit dem Geiger L. Shankar und dem Tabla-Spieler Zakir Hussain war ein Schub für die Popularität indischer Musik im Westen. Sie hatten 1976 und 1977 Auftritte auf dem Montreux-Jazz-Festival und formierten sich 1999 unter dem Namen Remember Shakti erneut, woraus einige Alben und ein weiterer Auftritt in Montreux hervorgingen.

1981 nahm er zusammen mit den Gitarristen Al Di Meola und Paco de Lucía das berühmte Live-Album Friday Night in San Francisco auf, welches über zwei Millionen Mal verkauft wurde. 1982 folgte das Studio-Album Passion, Grace & Fire, das man zu den Klassikern der Akustik-Gitarren-Aufnahmen zählen darf. 1996 folgte das Studio-Album The Guitar Trio und eine Reunion-Tour, mit der sie an frühere Erfolge anknüpfen wollten.

Zu erwähnen ist auch der Zusammenschluss von John McLaughlin mit dem Schlagzeuger Dennis Chambers, den er in einem Interview als seinen „Waffenbruder“ bezeichnete und mit dem er seit Mitte der Neunziger intensiv zusammenarbeitete. So entstand das Trio The Free Spirits mit dem Hammond-Orgel-Virtuosen Joey DeFrancesco. Sie waren in dieser Formation 1993 und 1995 zu Gast auf dem Jazz Festival Montreux, außerdem auf dem Festival Jazz à Vienne, und spielten das Album The Free Spirits - Tokyo Live ein. Außerdem entstand 1998 das Studio-Album The Heart Of Things, diesmal durfte Dennis Chambers John McLaughlins Duette mit dem Saxophonisten Gary Thomas unterstützen, im selben Jahr auch auf dem Montreux-Jazz-Festival.

2008 ging er mit seinem alten Freund Chick Corea und der Five Peace Band auf Tournee und spielte ein vielbeachtetes Live-Album ein, das im Jahre 2009 erschien. Zu diesem Projekt gehörten Kenny Garrett (Saxofon), Christian McBride (Bass) und Vinnie Colaiuta (Schlagzeug).

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

John McLaughlin wurde von den Lesern des weltweit auflagenstärksten Jazzmagazins Down Beat sieben Mal (1972, 1973, 1974, 1992, 1993, 1994, 1995), sowie zweimal von den Musikkritikern (1992, 1995) zum Jazzgitarristen des Jahres gewählt.[5]

Am 20. März 2012 wurde er mit dem Frankfurter Musikpreis geehrt; ausgezeichnet wurde er für ein Werk, das sich nach Ansicht der Jury „immer durch Respekt und Offenheit gegenüber vielen anderen Richtungen, Ausdrucksformen und Kulturen ausgezeichnet hat, und nicht durch Genregrenzen und Dogmatismus“.[6]

Soloalben[Bearbeiten]

  • Extrapolation, 1969, Polydor (mit Tony Oxley und John Surman)
  • Where Fortune Smiles, 1970, Douglas/One Way (mit Surman, Karl Berger, Dave Holland und Stu Martin)
  • My Goal's Beyond, 1970, Rykodisc
  • Devotion, 1970, Douglas
  • Electric Guitarist' (mit Carlos Santana, Chick Corea, Stanley Clarke, Billy Cobham, Jack Bruce), 1978, Columbia
  • Electric Dreams, 1979, Columbia mit One Truth Band
  • Belo Horizonte, 1981, Warner Bros. (Reissue von Wounded Bird Records)
  • Music Spoken Here, 1982, Warner Bros. (Reissue von Wounded Bird Records)
  • Mediterranean Concerto (For Guitar and Orchestra, Live), 1988, Columbia (Klassik mit dem London Symphony Orchestra)
  • Live At The Royal Festival Hall, 1989, JMT
  • Que Alegria, 1991, Verve
  • Time Remembered: John McLaughlin Plays Bill Evans, 1993, Verve
  • The Free Spirits - Tokyo Live, 1993, Polygram (mit Joey DeFrancesco & Dennis Chambers)
  • After The Rain, 1994, Verve (mit Joey DeFrancesco & Elvin Jones)
  • The Promise, 1995, Verve (mit Sting, Jeff Beck, Al Di Meola, Paco De Lucia, David Sanborn, Dennis Chambers, Vinnie Colaiuta, Michael Brecker, Trilok Gurtu)
  • The Heart of Things, 1997, Verve (u.a. Gary Thomas, Dennis Chambers)
  • The Heart of Things: Live In Paris, 2000, Polygram
  • Thieves And Poets, 2003, Verve
  • The Montreux Concerts, 2003, Warner Music (17-CD Live compilation featuring concert recordings made between 1974-1996)
  • Industrial Zen, 2006, Abstract Logix (u.a. mit Hadrien Feraud, Gary Husband, Bill Evans, Vinnie Colaiuta, Mark Mondesir)
  • Floating Point, 2008, Abstract Logix (u.a. mit Hadrien Feraud)
  • To the One, 2010, Abstract Logix (mit Gary Husband, Étienne M'Bappé & Ranjit_Barot)
  • Now Here This, 2012 (mit Gary Husband, Étienne M'Bappé & Ranjit Barot)
  • The Boston Record, 2014 Live - JM & The 4th Dimension (Gary Husband, Étienne M'Bappé & Ranjit Barot)

Mit Mahavishnu Orchestra[Bearbeiten]

  • Inner Mounting Flame (Mahavishnu Orchestra I - Billy Cobham, Rick Laird, Jerry Goodman & Jan Hammer)(1971)
  • Birds of Fire (MO I) (1973)
  • Between Nothingness & Eternity (MO I) (1973, live)
  • Apocalypse (MO II - with Jean-Luc Ponty, Gayle Moran, Ralph Armstrong, Narada Michael Walden...)(1974)
  • Visions of the Emerald Beyond (MO II) (1975)
  • Inner Worlds (MO II)(1976)
  • Mahavishnu (MO III - with Billy Cobham, Bill Evans, Jonas Hellborg, Mitchel Forman)(1984)
  • Adventures in Radioland (MO III - Danny Gottlieb, Bill Evans, Jonas Hellborg, Mitchel Forman) (1986)
  • The Lost Trident Sessions (MO I)(1999, unveröffentlichte Studioaufnahmen von 1973)

Alben mit Shakti[Bearbeiten]

  • Shakti with John McLaughlin, Live-Album, 1976, CBS
  • Natural Elements, 1977, CBS
  • A Handful Of Beauty, 1976, Columbia
  • Remember Shakti, 1999, Live-Album, Universal
  • Saturday Night in Bombay, Live-Album, 2001, Universal

Gemeinschaftsarbeiten[Bearbeiten]

Als Sideman[Bearbeiten]

  • Experiments With Pops, Gordon Beck, 1968
  • Infinite Search (Mountain in the clouds), Miroslav Vitous, 1969
  • Things We Like, Jack Bruce, 1970 (aufgenommen 1968)
  • In a Silent Way, Miles Davis, 1969, Columbia
  • Super Nova, Wayne Shorter, 1969, Blue Note
  • Emergency!, Tony Williams Lifetime, 1969, Polydor
  • Bitches Brew, Miles Davis, 1970, Columbia
  • Turn It Over, Tony Williams Lifetime, 1970, Polydor
  • Follow Your Heart, Joe Farrell, 1970, CTI
  • One Man Dog , James Taylor, (Song: "Someone"), 1972, Warner Bros. Records Inc.
  • Moto Grosso Feio, Wayne Shorter, 1974, Blue Note (aufgenommen 1970)
  • Spaces, Larry Coryell, 1970, Vanguard
  • A Tribute to Jack Johnson, Miles Davis, 1971, Columbia
  • Escalator over the Hill, Carla Bley and Paul Haines, 1971, JCOA/WATT/ECM
  • School Days, Stanley Clarke, 1976, Epic
  • The Alternative Man, Bill Evans, 1985, Blue Note
  • Round Midnight (Soundtrack),1986, Columbia
  • Other Side of Round Midnight, Dexter Gordon, 1986, Blue Note
  • Gladrags, Katia und Marielle Labèque, 1986, Angel
  • Making Music, Zakir Hussain, 1986, ECM
  • Aura, Miles Davis, 1989, Columbia
  • Love of Colours, Katia und Marielle Labèque, 1990, Columbia
  • Finally the Rain Has Come, Leni Stern, 2002, Leni Stern
  • Universal Syncopations, Miroslav Vitous, 2003, ECM

Gitarren (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Artikel über die von 1971 - 1975 von John McLaughlin gespielte elektrische Doppelhals-Gitarre „Double Rainbow“ von Rex Bogue.
  • Die von Abe Wechter gebaute erste (akustische) „Shakti“-Gitarre mit sieben zusätzlichen Resonanzsaiten („Drohnen“).
  • „Marielle“, Nylonsaiten-Gitarre mit Cutaway.
  • „Our Lady“, die bislang letzte Gitarre, die Abe Wechter für John McLaughlin gebaut hat.
  • Liste aller Gitarren die John McLaughlin spielt(e) (bis Februar 2004).

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. musikexpress.de: "the one, the killer"
  2. Emergency! auf Allmusic, abgerufen am 20. Mai 2010
  3. Power, Passion and Beauty, The Story Of The Legendary Mahavishnu-Orchestra
  4. Der Spiegel behauptete 1972, seine schnellen Läufe könnten den Tonarm aus der Rille katapultieren
  5. Down Beat Critics and Reader Polls (english), abgerufen am 21. Mai 2012
  6. Jazz-Gitarrist John McLaughlin bekommt Frankfurter Musikpreis, Der Standard, 21. Januar 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John McLaughlin (Musiker) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien