John Mortimer

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Sir John Clifford Mortimer, CBE, QC (* 21. April 1923 in London; † 16. Januar 2009 in Turville Heath, nahe Henley-on-Thames[1]) war ein englischer Anwalt (Barrister) und Schriftsteller.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Mortimer besuchte die Eliteschule in Harrow und das Brasenose College der Universität Oxford. Im Zweiten Weltkrieg schrieb er Drehbücher für Propagandafilme der Crown Film Unit.

1948 begann er als Anwalt zu praktizieren. Ungefähr zur selben Zeit begann auch seine Karriere als Schriftsteller. Er schrieb zahlreiche Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Hörspiele (The Dock Brief, 1957), Drehbücher sowie 1982 und 2001 seine Memoiren.

Mortimer war von 1949 bis 1971 mit der Schriftstellerin Penelope Fletcher (1918–1999) verheiratet; 1972 heiratete er Penelope Gollop. Er wurde Vater von fünf Kindern, darunter der Schauspielerin Emily Mortimer; beiden Ehen entstammen je zwei Kinder, ein weiterer Sohn einer Beziehung mit der Schauspielerin Wendy Craig.

Rumpole[Bearbeiten]

Mortimers bekannteste Schöpfung ist die Figur des exzentrischen Anwalts Horace Rumpole, der 1975 zum ersten Mal in Rumpole of the Bailey (deutsch: Rumpole von Old Bailey) auftrat. Rumpoles Abenteuer wurden meist ungefähr gleichzeitig als Kurzgeschichten und als Episoden einer Fernsehserie von Thames Television veröffentlicht, in denen der australische Schauspieler Leo McKern die Titelrolle spielte. Nach McKerns Tod im Jahr 2002 erschienen einige Folgen mit Timothy West.

Rumpole ist fortgeschrittenen Alters – in der ersten Episode wird sein Alter mit 68 Jahren angegeben –, raucht ständig Zigarillos, trinkt billigen Rotwein, zitiert Wordsworth und andere Dichter aus dem Oxford Book of English Verse. Seine Gesetzeskenntnisse sind etwas lückenhaft, dafür ist er unübertroffener Experte für Blutflecken. Sein respektloses Verhalten gegenüber Richtern und anderen Autoritäten sowie sein unbeirrbares Festhalten an Idealen wie der Unschuldsvermutung haben dazu geführt, dass er – anders als sein Schöpfer – nie zum Queen's Counsel ernannt wurde.

In einer typischen Rumpole-Episode wird einerseits ein Kriminalfall geschildert – häufig mit einem Mitglied der Familie Timson, eines weitverzweigten Clans von Kleinkriminellen, als Angeklagten –, andererseits werden Szenen aus dem Alltag der Anwälte und Richter am Old Bailey, dem Londoner Strafgerichtshof, beschrieben, und drittens geht es um Rumpoles Privatleben, vor allem seine nicht sehr harmonische Ehe mit Hilda, die Rumpole nur She Who Must Be Obeyed nennt, in Anspielung an Rider Haggards She. Zwischen diesen drei Handlungssträngen gibt es häufig Parallelen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Rumpole of the Bailey (1978)
  • The Trials of Rumpole (1979)
  • Rumpole for the Defence (1982)
  • Rumpole's Return (1982)
  • Rumpole and the Golden Thread (1983)
  • Paradise Postponed (1985)
  • Rumpole's Last Case (1987)
  • Rumpole and the Age of Miracles (1988)
  • Summer's Lease (1988)
  • Rumpole and the Age for Retirement (1989)
  • Rumpole à la Carte (1990)
  • Rumpole on Trial (1992)
  • Dunster (1992)
  • Rumpole and the Angel of Death (1995)
  • Rumpole Rests His Case (2001)
  • Rumpole and the Primrose Path (2002)
  • Rumpole and the Penge Bungalow Murders (2004)
  • Rumpole and the Reign of Terror (2006)
  • The Antisocial Behaviour of Horace Rumpole (2007)

Filmographie[Bearbeiten]

Literarische Vorlage

  • 1962: Der große Knüller (The Dock Brief)

Drehbuch

Literatur[Bearbeiten]

  •  John Mortimer: Clinging to the Wreckage. Weidenfeld & Nicholson, London 1982, ISBN 0297780107 (Autobiographie, englisch).
  •  John Mortimer: Murderers and Other Friends: Another Part of Life. Viking, 1994, ISBN 0670849022 (Autobiographie, englisch).
  •  Graham Lord: John Mortimer: The Devil's Advocate. The Unauthorised Biography. Orion, 2006, ISBN 0752877801 (englisch).
  •  Valerie Grove: A Voyage Round John Mortimer. Viking, 2007, ISBN 0670915505 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. timesonline.co.uk: John Mortimer, creator of Rumpole, dies aged 85 (16. Januar 2009, englisch)