John Newton

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John Henry Newton, Jr.

John Henry Newton, Jr. (* 24. Juli 1725 in London; † 21. Dezember 1807 ebenda) war ein englischer Komponist, der unter anderem Amazing Grace schrieb. Vorher war er Sklavenhändler gewesen, hatte aber 1748 ein Bekehrungserlebnis und sprach sich danach gegen die Sklaverei aus.

Leben[Bearbeiten]

Newton fuhr bis 1742 mit seinem Vater zur See. Im Februar 1744 wurde er durch eine Presspatrouille der Admiralität für die Marine zwangsrekrutiert. Auf dem Kriegsschiff Harwich erlebte er im September 1744 die Kaperung des französischen Schiffes Solide.[t 1] Nachher diente er u. a. auf dem Sklavenschiff Levant als Steward.[t 2] Nach einer schweren Erkrankung (sehr wahrscheinlich Malaria) hatte er sich 1745 im späteren Sierra Leone eingerichtet und führte dort ein sündhaftes Leben. Danach war er als Passagier auf der Greyhound vor der Küste Afrikas.[t 3]

Nach einer bedrohlichen Überfahrt im Jahre 1748 bekehrte er sich am 10. Mai desselben Jahres zum Christentum. Dies führte jedoch nicht sogleich zu einem Verzicht, auf Sklaverei-Schiffen zu arbeiten. Er stieg auf folgenden Sklavenfahrten vom Ersten Maat bis zum Kapitän auf und unternahm als solcher drei Fahrten, bevor er, vor allem durch einen Schlaganfall bedingt, auf ärztlichen Rat die Seefahrt und somit den Sklavenhandel aufgab und sich erst über 30 Jahre später erstmals für die Abschaffung der Sklaverei einsetzte.[s 1]

Ab August 1755 nahm er eine Stelle als Tidensachverständiger beim Zollhaus Liverpool an.[t 4] 1762 berichtete er in Briefen an den Baptisten-Pastor John Fawcett von seiner Hinwendung zum christlichen Glauben. Am 29. April 1764 wurde er zum Diakon vereidigt und im Juni zum anglikanischen Priester (Church of England) ordiniert. Seine weit beachtete Biographie erschien erstmals im August 1764.[t 5]

Zusammen mit dem Dichter William Cowper schrieb Newton mehrere geistliche Lieder. Sein bekanntestes Lied ist Amazing Grace (dt.: erstaunliche Gnade), entstand im Dezember 1772, als Newton Vortragsreihen über die Pilgerreise zur seligen Ewigkeit von John Bunyan hielt und die Neujahrspredigt 1773 über (1 Chr 17,16 ELB) vorbereitete.[t 6] Darin beschreibt er u. a. seine Errettung als eine von Gott erwiesene Gnade. Im Juli 1779 wurde Amazing Grace in den 428 Seiten umfassenden Olney-Hymnen veröffentlicht, deren Lieder alle von Newton und Cowper stammen.[t 7]

1763 schrieb Newton das Buch A Review of Ecclesiastical History, in dem er sich kritisch zum Kolonialismus äußert:

„Uns wird von Kindesbeinen an beigebracht, jene zu bewundern, die in der Sprache der Welt grosse Kapitäne und Eroberer genannt werden, weil sie darauf brannten, Mord und Schrecken in jeden Teil des Globus zu tragen und durch die Entvölkerung von Ländern ihre eigenen Namen zu verherrlichen, während der Geist der Grossherzigkeit des heiligen Paulus fast überhaupt keine Beachtung findet.“

John Newton 1763: A Review of Ecclesiastical History[t 8]

Newtons Biographie wird zum wichtigen Anstoß für William Wilberforce, dessen Leben im Film Amazing Grace von 2006 dargestellt ist. William Wilberforces große Errungenschaft ist sein wesentlicher Beitrag zur Abschaffung der Sklaverei im englischen Empire.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Christine Schaub: Zeit der Sehnsucht. Verlag der Francke-Buchhandlung, Marburg an der Lahn 2007 (Originaltitel: The Longing Season, übersetzt von Andrea Wegener), ISBN 978-3-86122-942-1.
  •  John Newton: The Life of John Newton: Once a Sailor, Afterwards Captain of a Slave Ship, and Subsequently Rector of St. Mary Woolnoth, London. "An Authentic Narrative,". American Tract Society, New York 1854 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

 Steve Turner: Amazing Grace. Brunnen-Verlag, Giessen 2007, ISBN 978-3-7655-1950-5.

  1. S. 29.
  2. S. 40.
  3. S. 54.
  4. S. 92.
  5. S. 94 f.
  6. S. 103.
  7. S. 29.
  8. zitiert aus S. 115.

Weitere

  1.  Marcus Rediker: The Slave Ship: A Human History. Penguin Books, 2007, ISBN 978-0143114253.

Weblinks[Bearbeiten]