John Norman

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Kajira-Symbol „Kef“ nach den Beschreibungen des Gor-Zyklus

John Norman, eigentlich John Frederick Lange Jr., (* 3. Juni 1931 in Chicago, Illinois) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in den Genres Fantasy und Science-Fiction.

Leben[Bearbeiten]

Norman erwarb 1953 den Bachelor an der University of Nebraska und den M.A. 1957 an der University of Southern California. 1963 erwarb er an der Princeton University einen Doktorgrad und unterrichtete lange Philosophie am Queens College in New York. Der Titel seiner Dissertation lautet „In defence of ethical naturalism: an examination of certain aspects of naturalistic fallacy, with particular attention to the logic of an open question argument“. Neben seiner akademischen Laufbahn war er bereits in der Highschoolzeit als Sprecher und Redakteur für den Sender KOLN in Lincoln tätig, später auch als Filmautor für die University of Nebraska und Stoff-Analytiker für Warner Bros. sowie Lektor für Rocketdyne. Seine Romane erreichen international Auflagen in Höhe von mehreren Millionen Exemplaren. Er ist seit 1956 verheiratet und hat drei Kinder.

Werk[Bearbeiten]

Das gesamte Werk des Schriftstellers reflektiert seine Sicht auf das Verhältnis männlicher Dominanz und weiblicher Unterwerfung. Hierbei verwendet Norman überwiegend Fantasy- und Science-Fiction-Szenarien, um seine individuelle Sicht auf BDSM darzustellen.

Romane[Bearbeiten]

Sehr vereinfachte Karte von Gor

Der Gor-Zyklus[Bearbeiten]

Norman widmet sich in seiner schriftstellerischen Tätigkeit fast ausschließlich dem Gor-Zyklus, in dem Ereignisse auf dem Planeten Gor, der Gegenerde, beschrieben werden, einem Planeten, der sich mit der Erde auf einer Umlaufbahn befindet, dieser jedoch genau gegenübersteht und dadurch wegen der dazwischenliegenden Sonne von dort nicht gesehen werden kann. Die auf Gor herrschende Gesellschaft ist durch kulturelle Elemente hier vergangener Welten geprägt. Hervorstechendes Merkmal von Normans Gor-Romanen ist neben der antiken Prägung der Kultur die detaillierte Beschreibung von Sklaverei. Norman beschreibt in einigen Bänden als Ich-Erzähler männliches Sklaventum, häufiger geht es jedoch um die Unterwerfung von Frauen, die oft zur Einleitung eines Romans von der Erde entführt und mittels eines Raumschiffes nach Gor verbracht werden und deren dortige Erlebnisse dann beschrieben werden, wobei die Welt auf Gor archaischen Prinzipien gehorcht und Raumfahrt oder ähnliches dort keine Rolle spielt.

Normans schriftstellerischer Stil, der teilweise auch von seinen Anhängern als zu einfach kritisiert wird, tritt gegenüber seiner Beschreibung einer Welt mit deutlich anderen als den hier gewohnten Regeln bei einem Großteil der Leserschaft als zweitrangig zurück. Die von ihm beschriebene Fantasy-Welt mit einfachen, autoritären Strukturen ist simpel gestrickt. Die von ihm beschriebenen Machtstrukturen, die sich dort zwischen freien und unfreien Personen abspielen, finden starke Beachtung in der BDSM-Szene, und seine Werke werden dort oft entsprechend interpretiert und als Grundlage für ein „virtuelles Zusammensein“ im Internet genommen. Im Jahre 1966 wurde der erste Band Tarnsman of Gor veröffentlicht (auf deutsch erschienen unter den Titeln „Gor – Die Gegenerde“ bzw. „Der Krieger“).

Der Gor-Zyklus umfasst derzeit folgende Bände:

Band Deutscher Titel (Erscheinungsjahr) ISBN (deutschsprachige Erst- bzw. Neuausgabe) Englischer Titel (Erscheinungsjahr) Anmerkung
1 Gor – die Gegenerde (1973) bzw. Der Krieger (2007) ISBN 3-453-30762-3, ISBN 3-935706-30-8 Tarnsman of Gor (1966)
2 Der Geächtete von Gor (1973) bzw. Der Geächtete (2008) ISBN 3-453-30834-4, ISBN 3-935706-31-6 Outlaw of Gor (1967)
3 Die Priesterkönige von Gor (1974) bzw. Die Priesterkönige (2008) ISBN 3-453-30869-7, ISBN 3-935706-36-7 Priest Kings of Gor (1969)
4 Die Nomaden von Gor (1974) bzw. Die Nomaden (2009) ISBN 3-453-30876-X, ISBN 3-935706-44-8 Nomads of Gor (1969)
5 Meuchelmörder von Gor (1974) bzw. Der Meuchelmörder (2010) ISBN 3-453-30884-0, ISBN 3-935706-47-2 Assassins of Gor (1970)
6 Die Piratenstadt von Gor (1975) bzw. Die Piraten (2011) ISBN 3-453-30951-0, ISBN 3-935706-50-2 Raiders of Gor (1971)
7 Sklavin auf Gor (1975) bzw. Die Sklavin (2011) ISBN 3-453-31043-8, ISBN 3-935706-52-9 Captive of Gor (1972)
8 Die Jäger von Gor (1975) bzw. Die Jäger (2012) ISBN 3-453-31071-3 Hunters of Gor (1974)
9 Die Marodeure von Gor (1976/85) bzw. Die Marodeure (2012) ISBN 3-453-31126-4 Marauders of Gor (1975)
10 Die Stammeskrieger von Gor (1977/85) bzw. Die Tahari (2013) ISBN 3-453-30453-5 Tribesmen of Gor (1976)
11 In Sklavenketten auf Gor (1978) ISBN 3-453-11936-3 Slave Girl of Gor (1977)
12 Die Bestien von Gor (1982) ISBN 3-453-30761-5 Beasts of Gor (1978)
13 Die Erforscher von Gor (1984) ISBN 3-453-30987-1 Explorers of Gor (1979)
14 Kampfsklave auf Gor (1984) ISBN 3-453-31061-6 Fighting Slave of Gor (1980)
15 Der Schurke von Gor (1984) ISBN 3-453-31110-8 Rogue of Gor (1981)
16 Der Leibwächter von Gor (1985) ISBN 3-453-31145-0 Guardsman of Gor (1981)
17 Die Wilden von Gor (1985) ISBN 3-453-31168-X Savages of Gor (1982)
18 Die Blutsbrüder von Gor (1985) ISBN 3-453-31203-1 Blood Brothers of Gor (1982)
19 Kajira von Gor (1985) ISBN 3-453-31258-9 Kajira of Gor (1983)
20 Die Spieler von Gor (1995) ISBN 3-453-08714-3 Players of Gor (1984)
21 Die Söldner von Gor (1998) ISBN 3-453-09488-3 Mercenaries of Gor (1985)
22 Die Tänzerin (2009) ISBN 3-935-70640-5 Dancer of Gor (1985)
23 Die Verräter von Gor (1997) ISBN 3-453-11953-3 Renegades of Gor (1986)
24 Die Vagabunden von Gor (1997) ISBN 3-453-13346-3 Vagabonds of Gor (1987)
25 Die Zauberer von Gor (1998) ISBN 3-453-14927-0 Magicians of Gor (1988)
26 Die Zeugin von Gor (bisher keine deutschsprachige Ausgabe) Witness of Gor (2001)
27 Der Preis von Gor (bisher keine deutschsprachige Ausgabe) Prize of Gor (2008)
28 Kur von Gor (bisher keine deutschsprachige Ausgabe) Kur of Gor (Nov. 2009)
29 Schwertkämpfer von Gor (bisher keine deutschsprachige Ausgabe) Swordsmen of Gor (Dez. 2010)
30 Seefahrer von Gor (bisher keine deutschsprachige Ausgabe) Mariners of Gor (Sept. 2011)
31 Verschwörer von Gor (bisher keine deutschsprachige Ausgabe) Conspirators of Gor (Juli 2012)
32 Schmuggler von Gor (bisher keine deutschsprachige Ausgabe) Smugglers of Gor (November 2012)
33 Rebellen von Gor (bisher keine deutschsprachige Ausgabe) Rebels of Gor (Oktober 2013)

Die ersten beiden Bände wurden verfilmt. Der Inhalt der beiden Billigproduktionen wich allerdings sehr stark von dem der Buchvorlagen ab.

Normans Stil zielt vor allem darauf, amerikanische Tabus zu brechen und so außer der Unfreiheit einer Person auch andere Zwangssituationen wie Fesselungen, eine erzwungene Nacktheit und körperliche Züchtigungen zu beschreiben. Hierbei lösen sich die Zweierbeziehungen in seinen Romanen meistens in einem Happy End auf, in dem die unterwürfige mit der dominanten Hauptperson glücklich ein gemeinsames Leben startet.

Die US-amerikanische Neuauflage der Gor-Serie Ende der 1960er/Anfang der 1970er-Jahre durch Ballantine Books wurde durch Boris Vallejo illustriert.

Da in den Büchern immer wieder Unterwerfung mit sexuellen Motiven beschrieben wurde, hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wiederholt Bände aus dem Zyklus auf den Index gesetzt, beispielsweise Die Wilden von Gor[1] und Kajira von Gor[2]. In den deutschen Ausgaben der Bände wurde bereits vom Heyne-Verlag ca. 45 % des ursprünglichen Textes gekürzt, darunter alle härteren Passagen. Eine authentische Darstellung des goreanischen Verständnisses von D/s in deutscher Sprache gibt es bis heute nicht. Trotzdem wurden auch diese „entschärften“ Werke häufig kurz nach der Veröffentlichung indiziert. Interessierte deutsche Leser weichen daher häufig auf die englischsprachigen Originalausgaben aus.

Seit 1989 lehnten viele Verlage eine Fortsetzung der Serie ab. Deshalb gründeten einige amerikanische Fans der Gor-Bücher 2001 den Verlag „World of Gor“, über den John Norman „Witness of Gor“ herausbringen konnte. Der Verlag musste 2004 Konkurs anmelden.

Einige wenige Bände sind noch neu im Buchhandel erhältlich. Zum größten Teil sind die Romane nur noch antiquarisch zu beziehen. Von einigen Bänden sind sehr wenige Exemplare erhalten, da die Auflagen teilweise vernichtet wurden, diese erzielen Sammlerpreise bis zu über € 100,–.

Seit 2007 gibt der Basilisk Verlag eine vollständige deutsche Neuauflage des Gor-Zyklus in ungekürzter Neuübersetzung heraus, die auch die in Deutschland bisher nicht veröffentlichten Bände 22, 26, 27 und 28 umfassen soll. Bis August 2014 sind bislang elf Bände dieser Neuausgabe erschienen (Bände 1 bis 10 sowie 22). Für den dritten Band dieser Neuausgabe verfasste John Norman ein exklusives Vorwort für die deutschen Leser.

Telnarian Histories[Bearbeiten]

Die 1991–1993 veröffentlichten Telnarian Histories sind eine Serie in der Tradition der Hard Science-Fiction, angereichert mit der Philosophie des Autors. Die Serie wurde wiederholt kritisiert, da sie inhaltlich von der bekannten Grundlinie des Schriftstellers abweicht. Die Serie wird seit Frühjahr 2012 vom Basilisk Verlag veröffentlicht.

Sie besteht aus drei Bänden:

  • The Chieftain, (1991)
  • The Captain, (1992)
  • The King, (1993)

Historische Fiktion[Bearbeiten]

  • Time Slave, (1975)
  • Ghost Dance, (1979)

Sachbücher[Bearbeiten]

  • Imaginative Sex, (1974)

Das 1974 erstmals erschienene Handbuch schildert die Bedeutung des mentalen und spirituellen Aspektes des Geschlechtsverkehrs. Norman schildert diesen Zusammenhang anhand der für ihn typischen Szenarien männlicher Dominanz. Das Handbuch besteht in weiten Teilen aus ausführlichen Rollenspielszenarios zwischen einem einzelnen Mann und einer einzelnen Frau. Im Gegensatz zu der Gor-Serie betont er wiederholt und nachdrücklich die Notwendigkeit, dass BDSM stets auf Safe, Sane, Consensual basieren müsse. Obwohl das Sexhandbuch zum Zeitpunkt seines Erscheinens als bahnbrechend galt, wurde Norman in Folge wiederholt für seine einseitige Sichtweise männlicher Dominanz und weiblicher Unterwerfung in Bezug auf die Entwicklung der sexuellen Spiritualität kritisiert.

1997 veröffentlichte Masquerade Press eine Neuauflage mit einem Vorwort von Pat Califia.

  • Dissertation: In Defense of Ethical Naturalism: An Examination of Certain Aspects of the Naturalistic Fallacy, With Particular Attention to the Logic of an Open Question Argument. (1963)
  • The Cognitivity Paradox: An Inquiry Concerning the Claims of Philosophy, (1970), Princeton University Press, ISBN 0-691-07159-4.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jeffrey M. Elliot: Größe ist mein Ziel. Ein Interview mit John Norman, alias John Lange, den Autor der GOR-Romane. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 1986. Heyne, ISBN 3-453-31233-3, S. 326–347.

Bemerkungen[Bearbeiten]

  • Im Bereich BDSM entwickelte sich aus der GOR-Serie eine Subkultur, in der das geschilderte Szenario in Rahmen von Rollenspielen Verwendung findet.
  • Im Jahr 2006 entdeckten Polizeibeamte in Darlington, Großbritannien eine BDSM-Gruppe, die ihr Leben in Grundzügen an den Gor-Romanen ausrichtete und sich Kaotians nannte.[3] Die Gruppe grenzte sich zuvor in den Medien Großbritanniens von den wesentlich weiter verbreiteten Goreanern (engl. Goreans) ab, die sich direkt auf das Werk Normans beziehen.
  • Für das Rollenspiel Ultima Online existierte ein Freeshard namens UOPortKar, der das virtuelle Agieren in einem auf Gor basierenden Umfeld ermöglichte.
  • Zahlreiche virtuelle Umgebungen zum Rollenspiel für GOR-Interessierte finden sich auch in Second Life, wo auch entsprechendes Zubehör (Kleidung, Sklavinnenpositionen etc.) für die Avatare zum Kauf angeboten wird.
  • Nachdem Norman bereits an mehreren World Science Fiction Conventions teilgenommen hatte, erhielt er eine unbegründete Absage für die 59. Convention 2001 in Philadelphia. Norman reagierte mit einem offenen Brief an den Organisationsausschuss, in dem er die offene Diskriminierung seines Werkes anklagte.[4]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Norman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Indizierungsentscheidung Nr. 2681 (V) vom 16. September 1986
  2. Indizierungsentscheidung Nr. 3585 vom 20. Februar 1986
  3. vgl. BBC News, 19. Mai 2006, Officers discover sex-slave cult
  4. vgl. 14. Oktober 2001, Open Letter