John Ogbu

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John Uzo Ogbu (* 9. Mai 1939 in Ebonyi; † 20. August 2003) war ein Anthropologe und Intelligenzforscher. Sein spezielles Interesse galt dem Thema Rasse und Intelligenz. Seine Theorien wurden kontrovers diskutiert. Schwarze Bürgerrechtler warfen ihm Rassismus vor, während Konservative ihm vorwarfen, alle Schuld für Probleme der Afroamerikaner in den USA bei den Weißen zu sehen.

John Ogbu war der Meinung, dass zu einer „kastenähnlichen“ Minorität zu gehören den IQ und die Schulleistungen senkt. Er vertrat die These, dass gute Leistungen zu erbringen unter Afroamerikanern als „acting white“ gelten würde.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

John Ogbu wurde im Dorf Umudomi in der Onicha Government Area in Nigeria geboren. Seine Eltern gehörten der örtlichen Oberschicht an. Ogbu studierte und war mehrere Jahre lang als Lehrer tätig. Er wanderte in die USA aus und fing 1961 an, in Princeton zu studieren. Danach ging er an University of California um Anthropologie zu studieren. 1965 erhielt er seinen Bachelor, 1960 seinen Mastergrad und 1971 seinen Doktorgrad. Von 1970 bis zu seinem Tode lehrte er an der University of California, Berkeley.

Wissenschaftliches Wirken[Bearbeiten]

Ogbu war als Wissenschaftler umstritten; die von ihm vertretenen Thesen lösten heftige Reaktionen aus allen politischen Lagern aus.

Kastenähnliche und freiwillige Minderheiten[Bearbeiten]

In seinem Buch Minority Education and Caste (1978) unterschied Ogbu zwischen kastenähnlichen und freiwilligen Minderheiten: Freiwillige Minderheiten kommen in ein Land um dort ihr Glück zu machen; in der Regel seien sie leistungsbewusst und erfolgreich. Kastenähnliche Minderheiten hingegen würden oft unfreiwillig in ein Land verschleppt (etwa durch Sklaverei), könnten aber auch aus anderen Gründen von der Gesellschaft ausgeschlossen sind (etwa Angehörige der unteren Unterschicht). Angehörige kastenähnlicher Minderheiten lehnten oft die Werte der Gesellschaft ab. Sie seien im Schulsystem wenig erfolgreich und glaubten nicht durch eigene Anstrengungen Erfolg haben zu können. Daraus resultiere ein niedriger IQ.

Acting White[Bearbeiten]

1986 führte Ogbu zusammen mit Signithia Fordham eine Studie über afroamerikanische Schüler an einer Schule in einem (größtenteils von Weißen bewohnten) Mittelklasse-Vorort durch (Black American Students in an Affluent Suburb: A Study of Academic Disengagement). Er kam zu der Überzeugung, dass Schwarze schlechte Leistungen in der Schule erbringen, um nicht beschuldigt zu werden, sich wie Weiße zu verhalten.

Seine Thesen wurden unter anderem von Karolyn Tyson und William Darity jr. von der University of North Carolina at Chapel Hill kritisiert, die in einer Studie aufzeigten, dass sich die Einstellungen von schwarzen und weißen Schülern nicht unterscheiden.[1]

Roland G. Fryer von der Harvard University hingegen stimmte Ogbu zu. Er stellte fest, dass an öffentlichen Schulen Schwarze schlechte Leistungen erbringen, um nicht verdächtigt zu werden, sich wie Weiße zu verhalten. Dieses Phänomen zeigte sich jedoch nicht an Privatschulen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Berube MR (2000). Eminent Educators: Studies in Intellectual Influence. Greenwood Press, ISBN 0-313-31060-2.
  • Beuchling, O. (2012). Bildung als Adaptation? John U. Ogbu und der kulturökologische Ansatz der Minderheiten- und Sozialisationsforschung. Wissenschaftlicher Verlag Berlin, ISBN 978-3-86573-664-2.
  • Freedberg L (23. August 2003). John Ogbu – Expert on Ethnic Success. San Francisco Chronicle.

Werke[Bearbeiten]

  • Gibson MA, Ogbu JU (Hg.). Minority Status and Schooling: A Comparative Study of Immigrant and Involuntary Minorities. New York: Garland, 1991.
  • Goleman D (10. April 1988). An Emerging Theory on Blacks' I.Q. Scores. New York Times Education Life, p. 23.
  • Maclay K (26. August 2003). Anthropology Professor John Ogbu Dies At Age 64. UC Berkeley News.
  • Ogbu's Theory (Dezember 1996). Special issue of Anthropology and Education Quarterly, Vol. 27, No. 4.
  • Ogbu JU (1978). Minority Education and Caste: The American System in Cross-Cultural Perspective. San Diego, CA: Academic Press.
  • Ogbu JU (1981). Origins of Human Competence: A Cultural-Ecological Perspective. Child Development.
  • Ogbu JU (1986). Black students' school success: Coping with the „burden of 'acting white'.“ The Urban Review.
  • Ogbu JU (1992). Understanding Cultural Diversity and Learning. Educational Researcher.
  • Ogbu JU (1987). Variability in Minority School Performance: A Problem in Search of an Explanation. Anthropology & Education Quarterly.
  • Ogbu JU (2002). Cultural Amplifiers of Intelligence: IQ and Minority Status in Crosscultural Perspective, J. M. Fish Race and Intelligence: Separating Science from Myth. Mahwah, NJ: Erlbaum.
  • Ogbu JU, Davis A (2003). Black American Students in an Affluent Suburb: A Study of Academic Disengagement. Lawrence Erlbaum Publishers, ISBN 0-8058-4515-1.
  • Ogbu JU, Simons HD (1998). Voluntary and Involuntary Minorities: A Cultural-Ecological Theory of School Performance with Some Implications for Education. Anthropology & Education Quarterly.
  • Staff report (21. November 1997). „What 15 Top Anthropologists Are Working On Now.“ The Chronicle of Higher Education, S. B7-B8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  PAUL TOUGH: 'Acting White' Myth, The. In: NYT. 12. Dezember 2004