John Sedgwick

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General John Sedgwick Signatur

John Sedgwick (* 13. September 1813 in Cornwall Hollow, Connecticut; † 9. Mai 1864 in Spotsylvania, Virginia) war General des US-Heeres und Kommandierender General während des Amerikanischen Bürgerkrieges.

John Sedgwick wurde in den Berkshires, einem Bereich der Appalachen in Connecticut, in einer Familie mit Militärtradition geboren. Er wurde nach seinem Großvater benannt, der während der Amerikanischen Revolution mit Ethan Allen bei Ticonderoga gekämpft und mit George Washington in Valley Forge überwintert hatte. Die ersten zwei Jahre seines Berufslebens war er Lehrer und wurde dann an die Militärakademie in West Point, New York berufen.

Die Militärakademie schloss er 1837 als 24. in einer Klasse von 50 Absolventen ab. Seine Soldaten nannten ihn wegen seines jovialen, vertraulichen Umgangstones stets Uncle John. Er war der vierte und auch der letzte Kommandierende General der Potomac-Armee (nach Joseph K. F. Mansfield, Jesse L. Reno und John F. Reynolds), der während einer Schlacht fiel.

Militärische Karriere vor dem Sezessionskrieg[Bearbeiten]

Nach Verlassen der Militärakademie wurde Sedgwick zum Leutnant befördert und der Artillerie zugeteilt. Er kämpfte zunächst in Florida gegen die Seminolen und verdiente sich später im Krieg gegen Mexiko zwei Brevet-Beförderungen zum Hauptmann. 1855 wechselte er die Truppengattung und ließ sich zur Kavallerie versetzen, um auf einem Dienstposten als Major verwendet zu werden. Als Angehöriger des 1. (US) Kavallerieregiments wurde er bei der Niederschlagung der bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Kansas, dem sogenannten Bleeding Kansas, während des Mormonen-Aufstandes im Utah-Territorium und der Indianer-Kriege eingesetzt.

Im Zuge der eigentlichen Sezessionskrise am Vorabend des Bürgerkrieges wurde Sedgwick zweimal Nachfolger seines Freundes Robert E. Lee - am 16. März 1861 als stellvertretender Kommandeur des 2. (US) Kavallerieregiments und nur neun Tage später am 25. März als Kommandeur des 1. (US) Kavallerieregiments. Gleichzeitig wurde er zum Oberstleutnant und danach sofort zum Oberst befördert.

Während des Krieges[Bearbeiten]

Während der ersten großen Schlacht auf dem östlichen Kriegsschauplatz, der ersten Schlacht am Bull Run, war Sedgwick an Cholera erkrankt und konnte nicht an ihr teilnehmen. Kaum genesen wurde er am 3. August 1861 zum Generalinspekteur des Wehrbereichs Washington ernannt.[1] Am 5. September 1861 erfolgte die Beförderung zum Brigadegeneral der Freiwilligen, rückwirkend zum 31. August 1861. Sedgwicks Berichte über die Zustände in den Lagern der Armee waren ungeschönt und bescherten ihm wenig Freunde. Trotzdem oder vielleicht deshalb erhielt er am 3. Oktober 1861 das Kommando über eine Brigade der Potomac-Armee. Er war bis zu seinem Tod Angehöriger dieser Armee.

Am 19. Februar 1862 übernahm er die Division Brigadegeneral Charles P. Stones. Mit der Division nahm er am Halbinsel-Feldzug zur Einnahme Richmonds, Virginia teil und kämpfte bei der Belagerung von Yorktown und in der Schlacht von Seven Pines. Während der Sieben-Tage-Schlacht wurde er in der Schlacht von Glendale verwundet. Am 4. Juli wurde er zum Generalmajor befördert.

Sedgwick nahm mit seiner Division am Maryland-Feldzug teil. In der Schlacht am Antietam befahl der Kommandierende General des II. Korps Sedgwick, einen Frontalangriff durchzuführen. Ohne die Stellungen des Gegners vorher aufgeklärt zu haben, sah sich Sedgwick plötzlich von drei Seiten von Generalmajor Jacksons Korps angegriffen und musste unter schweren Verlusten auf seine Ausgangsstellungen ausweichen. Dabei wurde Sedgwick dreimal verwundet; nahm jedoch bereits nach drei Monaten seinen Dienst wieder auf.

Am 26. Dezember nach der Schlacht von Fredericksburg übernahm er kurzzeitig das II., dann das IX. und schließlich bis zu seinem Tod das VI. Korps der Potomac-Armee. Während der Schlacht bei Chancellorsville sollte er mit seinem Korps die rechte Flanke der Nord-Virginia-Armee bei Fredericksburg binden. Bedächtig angreifend gelang ihm die Erstürmung der Marye's Heights. Von dort griff er langsam nach Westen an, um die Konföderierten zwischen sich und den anderen Korps der Potomac-Armee einzuschließen und zu vernichten. Das gelang aber nicht (wegen des wagemutigen Entschlusses von General Lee, die Nordstaatler nacheinander zu schlagen). Am 3. Mai 1863 wurde Sedgwicks Angriff von McLaws Division in der Schlacht bei Salem Church gestoppt. Am 4. Mai griff ihn Lee mit drei Divisionen an und zwang ihn, über den Rappahannock auszuweichen.

Während der Schlacht von Gettysburg bildete sein Korps die Reserve. Erst an der Rappahannock Bridge im Herbst kämpfte das VI. Korps erneut gegen die Nachhut General Lees und bereinigte den konföderierten Brückenkopf bei einem Nachtangriff.

Als die fünf Korps der Potomac-Armee auch wegen der schweren Verluste auf drei reduziert wurden, behielt er als einer der prominentesten Kommandeure der Union sein Kommando. John Sedgwick führte sein Korps anschließend in den blutigen Kämpfen der Schlacht in der Wilderness und in der Schlacht bei Spotsylvania Court House.

Tod[Bearbeiten]

Gerade als Sedgwick seiner Artillerie Stellungen zuweisen wollte, schossen Scharfschützen der Konföderierten auf ihn und die ihn begleitenden Soldaten. Letztere duckten sich und Uncle John sagte ihnen, dass die Konföderierten auf diese Entfernung selbst einen Elefanten nicht treffen könnten. Kurz darauf traf ihn eine Kugel in den Kopf. Der massige General, den die Scharfschützen aufgrund seiner untersetzten Statur leicht identifizieren konnten, war auf der Stelle tot. Als Generalleutnant Ulysses S. Grant von Sedgwicks Tod erfuhr, sagte er:

"His loss to this army is greater than the loss of a whole division."[2] („Dieser Verlust wiegt für die Armee schwerer als der Verlust einer gesamten Division.“)

Würdigung[Bearbeiten]

John Sedgwick wurde an seinem Geburtsort beerdigt. Ausgerechnet seine Burschikosität gegenüber seinen Soldaten und sein Bestreben, sie zu beruhigen, führte zu seinem Tod. Sedgwick strebte nie nach einem höheren Kommando als das seines geliebten VI. Korps. Sedgwick war durch und durch Soldat. Die militärischen Tugenden hatte er verinnerlicht. Von seinen Soldaten wurde er geachtet, weil er sich denselben Strapazen aussetzte, die auch sie erdulden mussten; von seinen Vorgesetzten wurde er respektiert, weil er bei der Vorbereitung von Entscheidungen aktiv mitarbeitete, gefasste Entschlüsse ohne Murren durchführte und seine Befehle umsichtig gab, aber nachdrücklich durchsetzte. Grant charakterisierte sein Wesen einmal so: "Sedgwick und Meade hatten einen so guten Charakter, dass sie, wenn ihnen befohlen worden wäre, ihren Generalsrang gegen die Dienste eines Feldwebels zu tauschen, das ohne Murren getan hätten."[3] Eine Reiterstatue ehrt Generalmajor John Sedgwick und das VI. Korps auf dem Gelände des Gettysburg National Military Parks. Eine weitere Statue befindet sich in West Point.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eicher, John H., & Eicher, David J.: Civil War High Commands, Stanford University Press, 2001, ISBN 0-8047-3641-3
  • Robert J. Jurgen/Allan Keller, Major General John Sedgwick, U.S. Volunteers, 1813-1864, published by the Connecticut Civil War Centennial Committee, Hartford 1963, 35 S.
  • Stewart Sifakis, Who Was Who In The Civil War, New York 1988/1989, 2. Bde, ISBN 081602202X
  • Richard Elliott Winslow, General John Sedgwick: The Story of a Union Corps Commander, Presidio Press 1982 (ursprünglich Diss. d. University of Pennsylvania, 1970)
  • United States. War Dept.: The War of the Rebellion: a Compilation of the Official Records of the Union and Confederate Armies, Govt. Print. Off., Washington 1880–1901, hier online.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The War of the Rebellion, Series I, Band LI, Teil I, S. 434: Inspekteur des Wehrbereichs
  2. sedgwick.org: Grant zu Sedgwicks Tod (Seite 31)
  3. Major General John Sedgwick, U.S. Volunteers, 1813-1864 Guter Charakter (Seite 3)