John Singer Sargent

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Selbstbildnis, Öl auf Leinwand, 1906
John Singer Sargent in seinem Pariser Atelier, fotografiert von A. Giraudon, um 1883-4

John Singer Sargent (* 12. Januar 1856 in Florenz; † 15. April 1925 in London) galt als der bedeutendste US-amerikanische Porträt-Maler seiner Zeit.

Leben[Bearbeiten]

Sargent, ein entfernter Cousin des Botanikers Charles Sprague Sargent, wurde als Sohn US-amerikanischer Eltern geboren und verbrachte seine Kindheit hauptsächlich auf Reisen. Die Ausbildung des jungen John bestand vor allem aus Museumsbesuchen, da jede Form von Schulbesuch an der nomadischen Lebensweise der Eltern scheiterte.[1] Als er 13 Jahre alt war, wurde er in Rom ein Schüler des deutschamerikanischen Malers Carl Welsch. 1871 zog er nach Dresden und von dort reiste er nach Venedig weiter. 1874 begann er in Paris eine Lehre beim französischen Porträtisten Carolus-Durant. Seine frühen Porträts zeugen von außergewöhnlich sicherer Pinselführung.[1]

Sein Leben war von ausgiebigen Reisen geprägt, 1874 bis 1880 bereiste der damals in Paris ansässige Sargent Europa und frönte seiner Leidenschaft für das Meer.[2] Auf seinen Landschaftsbildern finden sich unter anderem Szenen aus Tirol, Italien, Tanger, Algier, Palästina, Ägypten, Frankreich, Spanien, Portugal, England, Schottland und Norwegen. Er fügte in seine Landschaften nahsichtige Figurenstudien ein, was sie besonders charakterisiert.

In Paris nahm er 1884 am Salon de Paris teil, wo seine Bilder Madame X und Die Töchter Boit (mit einer Maltechnik deutlich unter dem Einfluss Velázquez) entstanden, die damals Skandale auslösten. Bei dem Gemälde Madame X hatte er mehr nackte Schulter gezeigt, als es die Pariser Salons der Belle Epoque für zuträglich erachteten.[1] Sargent beteiligte sich auch am Widerstand gegen das konservative Kunstverständnis der Royal Academy of Arts und gründete 1885 zusammen mit Thomas Cooper Gotch, Stanhope Forbes, Frank Bramley und anderen Künstlern den New English Art Club. 1886 zog er nach London und übernahm das Atelier von James McNeill Whistler, wo er 1890 La Carmencita und 1897 Henry Marquand malte.

Um die Jahrhundertwende nahm er an den frühen Ausstellungen der Pastel Society teil. Seine technische Brillanz machte ihn zum gefragtesten Society-Porträtisten Europas.[1] Der Londoner Kunsthändler Asher Wertheimer orderte insgesamt zwölf Bildnisse seiner Familie bei Sargent. Er schuf lebensgroße Bildnisse der amerikanischen und englischen Aristokratie in einem von Whistler und der spanischen Tonmalerei beeinflussten impressionistischen Stil.

John Singer Sargent liegt auf dem Friedhof Brookwood nahe Woking, Surrey begraben.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John Esten: John Singer Sargent. The Male Nudes. Universe Publ., New York 1999, ISBN 0-7893-0261-6.
  • Trevor Fairbrother: John Singer Sargent. The Sensualist. Yale University Press, New Haven, Conn. 2000, ISBN 0-300-08744-6 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung 14. Dezember 2000 bis 18. März 2001, Seattle).
  • Trevor J. Fairbrother: John Singer Sargent and America. Garland, New York 1986, ISBN 0-8240-6886-6 (zugl. Dissertation, Universität Boston, Mass. 1981).
  • Elaine Kilmurray u.a. (Hrsg.): John Singer Sargent. TG Publ., London 1998, ISBN 1-85437-245-9 (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung 15. Oktober 1998 bis 17. Januar 1999, Tate Gallery, London).
  • Richard Ormond und Elaine Kilmurray: John Singer Sargent. Complete Paintings. Yale University Press, New Haven, Conn. 1998 ff.
  1. The early Portraits. 1998, ISBN 0-300-07245-7.
  2. Portraits of zthe 1890s. 2002, ISBN 0-300-09067-6.
  3. The later Portraits. 2003, ISBN 0-300-09806-5.
  4. Figures and landscapes. 1874–1882. 2006, ISBN 0-300-11716-7.
  5. Figures and landscapes. 1883–1899. 2010, ISBN 978-0-300-16111-3.
  6. Venetian figures and landscapes. 1899–1913. 2003, ISBN 978-0-300-14140-5.
  • Carter Ratcliff: John Singer Sargent. Abbeville Press, New York 1982, ISBN 0-7892-0748-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Alexander Menden: Der Gesellschaftsmaler, in Süddeutsche Zeitung vom 20. August 2010
  2. Hans Pietsch: Sommer, Sonne, Strand; Meeresansichten des großen US-Malers Sargent in: art Das Kunstmagazin vom 16. August 2010