John Wayne Gacy

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John Wayne Gacy (* 17. März 1942 in Chicago, Illinois; † 10. Mai 1994 in Joliet, Illinois) war ein US-amerikanischer Serienmörder, der für die Vergewaltigung und Tötung von 33 Jungen und jungen Männern in den Jahren 1972 bis 1978 verurteilt wurde. Bekannt wurde er als Killer-Clown, weil er in einem selbstgenähten Clownkostüm Straßenfeste zu besuchen pflegte, um als Pogo der Clown Kinder zu unterhalten. Er erhielt einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für die längste Strafe, die über einen Serienmörder verhängt wurde: Er erhielt 21 mal lebenslänglich und 12 mal die Todesstrafe und wurde 1994 im Stateville Correctional Center hingerichtet.

Biografische Daten[Bearbeiten]

Gacy wurde in Chicago geboren und verbrachte dort seine Kindheit, die von dem schwierigen Verhältnis zu seinem strengen, gewalttätigen und alkoholabhängigen Vater überschattet war. Nach vier Abbrüchen örtlicher Highschools zog er 1959 nach Las Vegas, um dort zu arbeiten, kehrte jedoch im Frühjahr 1960 aufgrund mangelnder Verdienstmöglichkeiten wieder nach Chicago zurück. Er besuchte eine Berufsschule und bekam 1964 eine Stelle bei der Nunn-Bush Shoe Company in Springfield. Während dieser Zeit trat er auch den Jaycees bei, einer Organisation, die jungen Arbeitern hilft. Im Februar desselben Jahres freundete er sich mit einer zurückhaltenden Buchhalterin dieser Firma an, die er im September heiratete. Nachdem er als Manager-Anwärter ausstieg, wurde er Manager eines Outlets einer Bekleidungsfirma in Springfield. Während dieser Zeit trat er auch diversen örtlichen Organisationen bei und wurde Vize-Präsident und „Man of the Year“ bei den Jaycees. Allerdings begannen das aktive Gesellschaftsleben und eine starke Gewichtszunahme seinen Gesundheitszustand so zu beeinträchtigen, dass mehrere Krankenhausaufenthalte erforderlich wurden.

Im Jahr 1966 zog er mit seiner Frau und seinem Sohn Michael nach Waterloo (Iowa), wo sein Schwiegervater drei Kentucky-Fried-Chicken-Restaurants führte. Im Alter von 24 begann Gacy in einem der Restaurants als Manager zu arbeiten. Nach sexuellen Übergriffen auf den 15-jährigen Sohn eines seiner Jaycee-Freunde wurde er im Mai 1968 von einem Gericht des Kindesmissbrauches für schuldig befunden und zu 10 Jahren Haft verurteilt. Seine Frau ließ sich daraufhin von ihm scheiden. Gacy wurde am 18. Juni 1970 vorzeitig nach nur 18 Monaten Haft wegen guter Führung entlassen und kehrte nach Chicago zurück, wo er als Koch in einem Schnellrestaurant arbeitete. Im Juni 1971 verließ er die Firma, um sein eigenes Heimwerkerunternehmen zu gründen: PDM Contracting (Painting, Decorating and Maintenance). Bereits zu jener Zeit sagte erneut ein 19-jähriger Junge aus, Gacy hätte ihn auf der Straße aufgegriffen und bei ihm zuhause sexuell genötigt. Aufgrund mangelnder Beweise und weil Gacy die Tat bestritt, wurde die Klage fallen gelassen.

Mit seiner neuen Freundin Carol Hofgren und deren zwei Töchtern siedelte Gacy in den Chicagoer Vorort Norwood Park über. Er war ein bekannter lokaler Geschäftsmann, ein Mitglied der Jaycees und ein Bezirksleiter der Demokraten. Allerdings konnte er seine ephebophile Neigung zu Jungen nicht verbergen und war aus diesem Grund immer wieder auf der Suche nach Opfern. Zu dieser Zeit begann Gacy mit dem Missbrauch und der Ermordung seiner Opfer. Am 1. Juli 1972 heiratete er Carol Hofgren.

Gacy mit Rosalynn Carter, 1978

Aufgrund seines gesellschaftlichen Engagements und seiner Unterstützung der Demokratischen Partei lernte Gacy im Mai 1978 Rosalynn Carter, die Frau des US-Präsidenten kennen. Sie war zu einer großen Parade in Chicago eingeladen, die ebenfalls von Gacy organisiert worden war.[1] Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits den Großteil seiner Taten verübt.

Verbrechen[Bearbeiten]

Am Abend des 2. Januar 1972 war Carol, mit der er bereits zusammenlebte, mit den Töchtern bei Verwandten auf Besuch. Diese Zeit nutzte Gacy und fuhr mit dem Auto durch die Vororte. Er traf auf den 16-jährigen Timothy McCoy, der ihm freiwillig nach Hause folgte und sich Gacys Lust fügte. Danach erstach Gacy den Jungen mit einem Küchenmesser und verscharrte die Leiche unter dem Kriechkeller.

Am 29. Juli 1975 griff Gacy den 17-Jährigen John Butkovich in einer Kneipe, in der dieser zusammengeschlagen worden war, auf und nahm ihn mit zu sich nach Hause. Zunächst versorgte Gacy seine Wunden, dann aber fesselte er den Jungen mit Handschellen und vergewaltigte ihn. Am Ende legte er eine Schlinge um seinen Hals und zog diese mit einem Stock enger, bis Butkovich erstickt war. Gacy verscharrte die Leiche in seiner Garage.

Seine Ehe wurde im März 1976 geschieden. Im darauffolgenden Monat begann die Mordserie. Im April 1976 verschwand der 18-Jährige Darren Samson und tauchte nicht mehr auf. Es ist unbekannt, was Gacy mit ihm anstellte, bevor er ihn umbrachte. Am 14. Mai desselben Jahres verschwanden der 14-Jährige Samuel Stapelton und der 15-jährige Randall Raffett. Ebenfalls 1976 am 3. Juni verschwand ein weiterer Jugendlicher: Der 17-Jährige Michael Bonnin und eine Woche später der 16-jährige William Carroll. Beide wurden ebenfalls unter dem Kriechkeller vergraben. Anfang August wurde der 17-Jährige Richard Johnston als vermisst gemeldet. Am 11. Dezember 1976 verschwand auch Gregory J. Godzik.

Im folgenden Januar verschleppte John Wayne Gacy den 17-Jährigen John Szyc, vergewaltigte ihn und brachte ihn mit einem Seil und einem Stock um. Am 15. März 1977 ermordete er den 20-Jährigen Jon Prestidge. Im Juli verschwanden zwei weitere Opfer: Der 19-Jährige Matthew H. Bowman und der 18-Jährige Robert Gilroy. Beide wurden nicht mehr lebend gesehen. David Cram, ebenfalls ein Teenager, der für Gacy arbeitete, wurde sein Opfer. Er konnte sich allerdings retten und verließ die Stadt. Jedoch ging er, wie auch viele andere Überlebende, nicht zur Polizei. Am 17. Oktober 1977 verschwand der 20-Jährige Russell O. Nelson und am 10. November wurde der 16-Jährige Robert Winch zum letzten Mal lebend gesehen. Der 19-Jährige Marinesoldat David Paul Talsma wurde am 9. Dezember 1977 umgebracht. Am 30. Dezember verschwand der 19-Jährige Robert Donnelly. Er wurde gefoltert und vergewaltigt, jedoch von Gacy freigelassen mit der Drohung, wenn er zur Polizei ginge, würde er ihn finden. Trotzdem erstattete Donnelly Anzeige gegen seinen Peiniger, allerdings stritt Gacy die Beschuldigungen ab und die Klage wurde zum Entsetzen Donnellys fallen gelassen. Am 16. Februar 1978 verschwand William Kindred und wurde nicht mehr gesehen. Am 25. März 1978 erschien der Student Jeffrey D. Rignall bei der Polizei und beschuldigte John Wayne Gacy der Vergewaltigung und Folter. Rignall wies Verbrennungen im Gesicht und Blutungen auf. Gegen Gacy wurde aber wieder aufgrund mangelnder Beweise nicht ermittelt.

Das letzte Opfer von Gacy war der 15-Jährige Robert J. Piest, der am 11. Dezember 1978 verschwand. Gacy brachte sein Opfer vorerst auf den Dachboden, bevor er es verscharren wollte. Aufgrund dieses vermissten Jugendlichen wurde eine Hausdurchsuchung angeordnet, bei der belastende Beweismaterialen sichergestellt wurden. Erst spät gestand er seine Taten: 33 Morde, von denen 28 Leichen unterhalb seines Hauses in Des Plaines, einem Vorort von Chicago, vergraben sein sollten. Die anderen fünf Leichen seien von ihm in den Fluss Des Plaines River geworfen worden. Die meisten Opfer waren junge, männliche Prostituierte. Einige Opfer waren Jugendliche, die Gacy in seiner Firma angestellt hatte. Die Opfer waren zwischen 14 und 21 Jahren alt.

Anfangs konnten neun seiner Opfer nicht identifiziert werden. Erst 2007 wurde eines von ihnen als Timothy McCoy aus Nebraska identifiziert. Man nimmt an, dass er Gacys erstes Opfer war (s.o.). Die Identität der übrigen acht Opfer ist nach wie vor ungeklärt. Es wird vermutet, dass die tatsächliche Opferzahl höher gelegen haben könnte.

Am 21. Dezember 1978 wurde Gacy wegen Mordverdachts verhaftet. Obwohl Gacy die Morde freiwillig gestanden hatte, bezichtigte er gleichzeitig auch einige seiner Angestellten, Mittäter gewesen zu sein. Zur Zeit von Gacys Verhaftung wurden die Anschuldigungen nicht weiter untersucht, allerdings verhaftete man 1982 Robin Gecht, einen ehemaligen Angestellten Gacys, als Anführer einer Gruppe von Männern, die in den vergangenen Jahren mehrere Frauen vergewaltigt und ermordet hatten.

Prozess, Urteil und Hinrichtung[Bearbeiten]

Am 6. Februar 1980 begann Gacys Verhandlung in Chicago. Während des Prozesses wurde das Gesuch der Verteidigung auf „unschuldig aufgrund von Geisteskrankheit“ (sog. insanity defense) abgewiesen. Auch wurde die Argumentation der Verteidigung, die Morde seien „Unfälle während sexueller Asphyxie“ gewesen, vom Gericht sofort abgewiesen. Während der Verhandlung scherzte Gacy makaber, sein einziges Verbrechen sei, „einen Friedhof ohne Lizenz“ geführt zu haben.

Im Verfahren wurde das schlechte Verhältnis zu seinem alkoholkranken Vater berücksichtigt sowie eine Kopfverletzung mit mehrmaligem Bewusstseinsverlust aus seiner Jugendzeit.

Gacy wurde am 13. März schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Er verbrachte noch 14 Jahre bis zu seiner Hinrichtung in der Todeszelle. Im Oktober 1993 wurde sein letztes Gnadengesuch durch den Obersten Amerikanischen Gerichtshof abgelehnt. Der Exekutionstermin wurde auf den 10. Mai 1994 festgesetzt.[2]

Am 10. Mai 1994 wurde er vom Menard Correctional Center in Chester, Illinois ins Stateville Correctional Center gebracht und durch eine tödliche Injektion hingerichtet. Vorher hatte er noch die Gelegenheit bekommen, mit seiner Familie ein Picknick einzunehmen und sich mit einem katholischen Priester zu treffen[3]. Seine letzten Worte sollen „Kiss my ass!“ (gleichbedeutend mit „Leckt mich am Arsch!“) gewesen sein. Die bevorstehende Hinrichtung hatte in den Medien für einige Aufregung gesorgt und große Mengen (ca. 1.000) Schaulustiger zum Gelände der Strafanstalt gelockt, in der das Urteil vollstreckt wurde. Die Mehrheit sei Befürworter der Exekution gewesen, eine Minderheit hätte mit einer Lichterkette gegen die Hinrichtung protestiert. Händler verkauften Gacy-T-Shirts und andere Gacy-Artikel in einem Ausmaß, das man später als abgrundtief schlechten Geschmack bezeichnete[4]. Während der Exekution gab es Probleme mit der Injektion, so dass abgebrochen werden musste. Beim zweiten Mal gab es keine Probleme und nach 18 Minuten war die Hinrichtung vorbei.[5] Dies führte dazu, dass in Illinois ein neues Verfahren zur Tötung per Injektion installiert wurde. Der oberste Ankläger im Gacy-Prozess, William Kunkle, sagte, er habe „immer noch einen sehr viel leichteren Tod gehabt als irgendeines seiner Opfer“. Der Großteil der auf dem Gelände wartenden Menge jubelte in dem Moment, als man Gacy offiziell für tot erklärte.

Nach der Hinrichtung wurde sein Gehirn dem Schädel entnommen und untersucht. Es wies aber keine Besonderheiten auf.[6]

Medien[Bearbeiten]

  • Jagt den Killer (To Catch a Killer), (CDN/USA 1992), Fernseh-Zweiteiler, 188 Min., mit Brian Dennehy als Gacy (Odyssey Video).
  • Das erste Lied des Albums Ten Songs von Hubert Kah, Pogo the Clown beschreibt einen der Sexualmorde Gacys aus der Täterperspektive, wobei zunächst in der Sprache des Täters das Anlocken und Verführen des Opfers zitiert wird.
  • Das vierte Stück auf dem 2005 erschienenen Album Illinoise von Singer/Songwriter Sufjan Stevens ist „John Wayne Gacy, Jr.“ betitelt und beschreibt sein Leben.
  • In dem Sidescroll-Horror-Jump'n Run Deadlight von Tequila Works für den PC und die XBOX 360 gibt es eine Leiche, die untersucht werden kann, woraufhin man den Ausweis eines "J.W. Gacy" erhält.
  • Die Musikgruppe Acid Bath veröffentlichten 1994 ihr Album When the Kite String Pops. Auf ihrem Cover war ein selbstgemaltes Portrait von John Wayne Gacy als „Pogo der Clown“.
  • Die Band Church of Misery veröffentliche 2001 auf ihrem Album Master of Brutality ein Lied namens Master of Brutality (John Wayne Gacy), welches sich auf dessen Taten bezieht.
  • 2003 erschien der Spielfilm Gacy, DVD, 84 min., e-m-s new media
  • In der Folge S10E11 – Hell on Earth 2006 der Fernsehserie South Park verkörpert Wayne Gacy zusammen mit den weiteren Mördern Jeffrey Dahmer und Ted Bundy satirisch die Komikertruppe The Three Stooges.
  • Die amerikanische Metal-Band Macabre veröffentlichte das Lied Gacy’s Lot auf ihrem Sinister Slaughter Album.
  • Das Lied 33 Something auf dem Octagon-Album der schwedischen Metal-Band Bathory thematisiert das Leben Gacys.
  • Die Band Combichrist erwähnt Gacy in ihrem Lied God Bless.
  • Ein ehemaliges Mitglied der Band Marilyn Manson trug das Pseudonym Madonna Wayne Gacy.
  • Die Band Gorerotted widmete John Wayne Gacy die erste Strophe ihres Liedes To Catch a Killer auf ihrem Album Only Tools and Corpses.
  • Die Band Devourment verwendet auf ihrem Album Butcher the Weak als Intro ein Interview mit John Wayne Gacy.
  • Die Band Dog Fashion Disco veröffentlichte auf ihrem Album Experiments in Alchemy ein Lied namens Pogo the Clown welches sich detailliert mit den Taten Gacys auseinandersetzt.
  • Die Psychobilly-Band The Meteors behandelte Gacy in dem Lied Daddy’s Hammer.
  • Die Band Radio Werewolf veröffentlichte den Titel Koko the Clown als Tribut an Gacy.
  • John Wayne Gacy wurde im Joliet Correctional Center inhaftiert. Dieses diente als Drehort der US-amerikanischen Fernsehserie Prison Break (Szenen im Fox River State Penitentiary). In der Zelle, in der Lincoln vor seiner Verlegung in den Bunker inhaftiert ist, war vor seinem Tod 1994 der Serienmörder John Wayne Gacy inhaftiert.
  • In dem Buch Ich bin kein Serienkiller von Dan Wells kommt John Wayne Gacy namentlich vor. Die Hauptperson John Wayne Cleaver wurde nach ihm benannt und hält sich in Folge für einen Soziopathen.
  • Garland Greene (Steve Buscemi) spricht von Bundy, Dahmer und Gacy in dem Film Con Air.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/6324/massenmoerder_hinter_der_clownsmaske.html
  2. Long-delayed Execution Set For John Wayne Gacy. Orlando Sentinel. 18. Dezember 1993. Abgerufen am 7. Dezember 2011.
  3. Kuczka, Susan and Rob Karwath. "All Appeals Fail: Gacy is Executed. Serial Killer Dies of Lethal Injection", Chicago Tribune, 10. Mai 1994.
  4. Poster Child. In: Economist. 331, Nr. 7863, 14. Mai 1994.
  5. David Seideman: A Twist Before Dying. In: Time, 23. Mai 1994. Abgerufen am 14. Januar 2010. 
  6. Georgie Ann Weatherby, Danielle M. Buller, Katelyn McGinnis: The Buller-McGinnis Model of Serial Homicidal Behavior: An Integrated Approach. (PDF) In: Criminology and Criminal Justice Research & Education. 3, Nr. 1, 2009.