John William Heslop-Harrison

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John William Heslop-Harrison (* 1881 in Birtley, County Tyne and Wear; † 23. Januar 1967 in Birtley) war ein britischer Botaniker und Zoologe. Er beschäftigte sich vor allem mit dem Melanismus bei Motten. Sein botanisches Kürzel ist Hesl.-Harr.

Sein Vater George Heslop Harrison war Lehrling, später Vorarbeiter in den Birtley Ironworks. Seine Mutter, eine geborene Hull war eine begeisterte Gärtnerin. Er besuchte die Bede College Model School in Durham, dann konnte er mit einer County Scholarship das Rutherford College in Newcastle upon Tyne besuchen. Danach wurde er Referendar in Newcastle. Ab 1900 absolvierte er am Durham College of Science eine Lehrerausbildung.[1] Heslop-Harrison arbeitete als Lehrer in zuerst in Gateshead und ab 1905 in Middlesbrough. 1906 heiratete er Christian Watson Henderson. Bereits in seiner Zeit als Lehrer publizierte er in Fachzeitschriften, besonders zum Thema Genetik. 1916 erhielt er den Titel M.Sc. der University of Durham, 1917 wurde er zum D.Sc promoviert. 1917-1923 war er Dozent am Armstrong College der University of Durham in Newcastle. 1920 wurde er Dozent in Zoologie, 1926 Reader für Genetik und 1927 Professor für Botanik. Von 1940-1950 war er Schriftführer der Prüfungskommission der University of Durham. 1921 wurde er zum Fellow of the Royal Society of Edinburgh, 1928 der Royal Society gewählt. Nach seiner Emeritierung war er von 1946-1949 Senior Research Fellow in Durham.

Heslop-Harrison war ein angesehener Botaniker und in fortgeschrittenem Alter, als er sich mit Funden von bisher dort nicht bekannten Pflanzenarten auf einigen Inseln der Hebriden (besonders Rum) verdächtig machte (sie fanden sich nur an wenigen Stellen). Wenn sie authentisch waren, hätte dies die Frage berührt, ob die Inseln in der letzten Eiszeit vergletschert waren. Heslop-Harrison nahm unter anderem den Fund der Segge Carex bicolor auf Rum als Beweis, dass die Insel nicht vereist war (ein Nunatak)[2]. Der Amateur-Botaniker, Cambridge-Professor und Altphilologe John Earle Raven begann dem 1948 nachzugehen und erstellte einen Bericht,[3] in dem er dies als Betrug darstellte. Nach Raven hatte Heslop-Harrison sie bei früheren Aufenthalten gepflanzt (angesalbt). Der Bericht blieb auf Wunsch von Raven geheim, war aber unter der Hand vielen Botanikern in Großbritannien bekannt. Die Funde von Carex bicolor und Polycarpon tetraphyllum wurden aus der British Flora[4] getilgt.

Der Journalist Karl Sabbagh schrieb über die Affäre ein Buch.[5] Seit der Veröffentlichung seines Buches konnte Sabbagh weitere Beweise finden, die den Verdacht auf Fälschungen erhärteten. So fand er in den Archiven des Natural History Museum, dass deren Kustos für Botanik George Taylor über die Affäre so beunruhigt war, dass er von R. B. Cooke, einem ehemaligen Kollegen und Freund von Heslop-Harrison, der ihn auf viele Exkursionen begleitete (insbesondere auf die Hebriden), 1981 einen Bericht anforderte. Aus diesem ging hervor, dass Cooke selbst an Fälschungen glaubte. In der Umgebung der Pflanzenfunde fanden sich Hinweise, dass der Boden nicht unberührt war.[6][7] Auch einige Insektenfunde von Heslop-Harrison auf Rum sind bezweifelt worden.[8]

Heslop-Harrisons Sohn Jack Heslop-Harrison war ebenfalls Botaniker und wurde 1970 Direktor des Royal Botanic Gardens (Kew). Sein Kürzel ist Hesl.-Harr.f.

Literatur[Bearbeiten]

  • A. D. Peacock, John William Heslop Harrison. 1881-1967. Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society 14, 1968, 243-270. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/769446.
  • C. D. Preston (Hrsg.) 2004, John Raven’s visit to the Hebrides 1948. Watsonia 25, 17–44.
  • Karl Sabbagh A Rum Affair. How Botany’s Piltdown Man was unmasked. Hammondsworth, Penguin Books 1999.
  • Eberhard Schnepf Fälschungen - nicht nur in unserer Zeit, Biologie in unserer Zeit, Band 32, 2002, Nr. 4, S. 245f

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. D. Peacock, John William Heslop Harrison. 1881-1967. Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society 14, 1968, 244-245
  2. Carex bicolor und Epilobium lactiflorum waren zwei alpin-arktische Pflanzen, die sonst nicht in Großbritannien vorkamen. Andere vorgebliche Entdeckungen von Heslop-Harrison auf der Insel (die in Privatbesitz war und auf der Heslop-Harrison exklusiv für Studien Zugang hatte) wie Juncus capitatus und Polycarpon tetraphyllum kamen sonst nur im Südwesten Englands vor
  3. King’s College library, MISC 18/1–2
  4. A. R. Clapham, Thomas Gaskell Tutin, D. M. Warburg 1952, Flora of the British Isles. Cambridge, Cambridge University Press
  5. Sabbagh in der New York Times 1999
  6. http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/3120761/Botanist-John-Heslop-Harrison-faked-rare-plant-discoveries.html
  7. Magnus Linklater The botanist, the Ice Age flora and seeds of doub, The Times, 2. Oktober 2008
  8. Mágnus Mágnusson, Rum: Nature's Island, Luath Press, Scottish National Heritage, 1997, ISBN 0 946487 32 4, nach Teague, Besprechung des Buches von Sabbagh