John Woo

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John Woo 2005 in Cannes

John Woo (chinesisch 吳宇森 / 吴宇森Pinyin Wú Yǔsēn; * 1. Mai 1946 in Guangzhou) ist ein chinesischer Filmregisseur. Aufgewachsen in Hongkong ist er unter anderem auch als Filmproduzent tätig und gilt als einer der wichtigsten Protagonisten des Hongkong-Kinos.

Leben und Werk[Bearbeiten]

John Woo wurde 1946 als Wú Yǔsēn in China geboren. Die wohlhabende Familie gehörte dem christlichen Glauben an, sein Vater war Philosoph. 1951 floh Woos Familie vor dem Kommunismus nach Hongkong. Bedingt durch eine Tuberkulose-Erkrankung des Vaters, der keine Anstellung fand, verarmte die Familie. Woo lebte zwischenzeitlich auf der Straße, wo er mit Gewalt und Kriminalität konfrontiert wurde. Bis zum 16. Lebensjahr besuchte er die Schule, die ihm von einer amerikanischen Familie über eine hiesige Lutherische Kirche finanziert wurde.[1]

Ursprünglich hatte Woo damit geliebäugelt Priester zu werden, wurde aber vom Seminar abgelehnt. Ende der 1960er Jahre kam er zum Film, für den er sich unter anderem durch gemeinsame Kinobesuche mit seiner Mutter begeistert hatte. Woo wurde 1969 Produktionsassistent bei den Cathay Studios und lernte als Regieassistent bei so bekannten Filmemachern wie Chang Che. 1973 folgte mit der Low-Budget-Produktion The Young Dragons sein Spielfilmdebüt als Regisseur, bei dem der junge Jackie Chan die Kampfszenen choreographierte. Nach dem Ricky-Huy-Vehikel Money Crazy war Woo lange Zeit auf Komödien festgelegt, bis er mit City Wolf (1986) mit Leslie Cheung und Chow Yun-Fat einen preisgekrönten modernen Gangsterfilm vorlegte. In diesen liefert ein skrupelloser Gangster einen Kollegen ans Messer, der sich nach seiner verbüßten Gefängnisstrafe auf einen Rachefeldzug begibt. Mit der Fortsetzung City Wolf II – Abrechnung auf Raten (1987), The Killer (1989), Bullet in the Head (1990) oder Hard Boiled (1992) legte er weitere Filme gleicher Machart vor, in denen er durch ästhetisierte Gewaltdarstellungen auffiel.[1] Dabei verschmolz er in seinen melancholischen Gangsterballaden westliche Vorbilder wie Stanley Kubrick, Jean-Pierre Melville, Sam Peckinpah oder Martin Scorsese mit der Eleganz der chinesischen Schwertkampffilme.[2]

Anfang der 1990er Jahre übersiedelte Woo mit seiner Familie in die USA, wo er als erster asiatischer Filmemacher mit der Regie an einer großen Hollywood-Produktion betraut wurde.[3] Sein US-Debüt gab er 1993 mit dem Actionfilm Harte Ziele, in dem Jean-Claude Van Damme in die Rolle eines arbeitslosen Matrosen schlüpft, der einer Millionärsclique auf die Spur kommt, die Treibjagden auf Obdachlose veranstaltet. Woo missfällt die Kontrolle in Hollywood, die sich auf das Drehbuch, das Casting oder den Schnitt auswirkt, kehrte aber aufgrund der großen Budgets nicht nach Hongkong zurück. „In Hongkong mussten wir unsere Filme mit sehr wenig Geld machen. Wir waren wie ein Fisch ohne Wasser, der irgendwie überleben muss. Wenn du das gelernt hast, kannst du auch teure Hollywood-filme drehen. Ich überziehe nie mein Budget, denn wer das zu oft tut, bekommt irgendwann keinen Auftrag mehr“, so Woo im Jahr 2000 in einem Interview mit dem Stern.[4] Während seiner Hongkonger-Zeit hatte sich der Filmemacher neben der Regie mitunter auch als Produzent, Drehbuchautor, Cutter und Schauspieler an seinen Filmen beteiligt.

Mit weiteren Actionfilmen wie Operation – Broken Arrow (1996) oder Im Körper des Feindes (1997) gelang es Woo an zurückliegende Erfolge anzuknüpfen. Im letztgenannten Film konkurrierten John Travolta und Nicolas Cage als FBI-Mitarbeiter und internationaler Terrorist, was Woo den Saturn Award als bester Regisseur einbrachte. Sein kommerziell bisher erfolgreichster Film war Mission: Impossible II (2000) mit Tom Cruise, der 215 Mio. US-Dollar an den Kinokassen einspielte. Hier bewies Woo laut Meinung des film-dienstes „einmal mehr, dass er der derzeit innovativste und interessanteste Action-Regisseur ist“.[5] Der folgende Kriegsfilm Windtalkers (2002), erneut mit Nicolas Cage in der Hauptrolle sowie der Science-Fiction-Thriller Paycheck – Die Abrechnung (2003) mit Ben Affleck und Uma Thurman reichte nicht an den großen Erfolg von Mission: Impossible II heran.

Woo ist verheiratet und lebt in Los Angeles. Er ist Vater von drei Kindern. Bei den 67. Filmfestspielen von Venedig 2010 erhielt Woo den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Die Jury hob in ihrer Erklärung unter anderem die in seinen Kriegs- und Gangsterfilmen auftauchende erbitterte Gewalt, den originellen poetischen und romantischen Einfluss sowie die sehr persönliche und energetische figurative Spannung hervor, die ähnlich einer „surrealen Halluzination“ sei.[6]

Filmografie (Regie)[Bearbeiten]

  • 1973: Fists of the Double K – Hong Kong Face-Off
  • 1974: Belles of Taekwondo (Nu zi tai quan qun ying hui)
  • 1975: Hand of Death (Shao Lin men)
  • 1975: Princess Chang Ping (Din?hua, als Yusen Wu)
  • 1977: Money Crazy (Fa qian han)
  • 1977: Follow the Star (Da sha xing yu xiao mei tou)
  • 1978: Last Hurrah for Chivalry (Hao xia)
  • 1979: Hello, Late Homecomers (Ha luo, ye gui ren)
  • 1980: From Riches to Rags (Qian zuo guai)
  • 1981: Laughing Times (Hua ji shi dai)
  • 1982: To Hell with the Devil (Mo deng tian shi)
  • 1982: Plain Jane to the Rescue (Ba cai Lin Ya Zhen)
  • 1983: Heroes Shed No Tears (Ying xiong wei lei) (Blast Heroes) (VÖ 1986)
  • 1984: The Time you need a Friend (Xiao jiang)
  • 1985: Run Tiger Run (Liang zhi lao hu)
  • 1986: Blast Heroes
  • 1986: A Better Tomorrow (Ying huang boon sik) (City Wolf)
  • 1987: A Better Tomorrow 2 (Yinghung bunsik II) (City Wolf II – Abrechnung auf Raten)
  • 1988: The Killer (Die xue shuang xiong)
  • 1989: Just Heroes (Hard Boiled II)
  • 1989: Bullet in the Head (Die xue jie tou)
  • 1991: Killer Target (Once a Thief)
  • 1992: Hard Boiled (Lashou shentan)
  • 1993: Harte Ziele (Hard Target)
  • 1995: Operation – Broken Arrow (Broken Arrow)
  • 1996: Once a Thief: Brother Against Brother (Fernsehfilm)
  • 1997: Im Körper des Feindes (Face/Off)
  • 1998: Blackjack (Fernsehfilm)
  • 2000: Mission: Impossible II
  • 2001: Windtalkers
  • 2003: Paycheck – Die Abrechnung (Paycheck)
  • 2005: Alle Kinder dieser Welt
  • 2007: Stranglehold (Videospiel mit Chow Yun-Fat als 3D-Charakter)
  • 2007: Appleseed: Ex Machina
  • 2008: Red Cliff 1 (Chi bi)
  • 2009: Red Cliff 2 (Chi bi xia: Jue zhan tian xia)

Filmografie (Darsteller)[Bearbeiten]

  • 1982: Plain Jane to the Rescue
  • 1986: A Better Tomorrow
  • 1991: The Banquet
  • 1992: Hard Boiled
  • 1997: Task Force
  • 2011: Beginning of the Great Revival (Founding of a Party)

Produzent (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1983: Ghost Bustin´
  • 1995: Never die
  • 1998: The Big Hit
  • 2002: Red Skies
  • 2003: Bulletproof Monk
  • 2004: The Robinsons: Lost in Space
  • 2010: Reign of Assassins
  • 2012: Warriors of the Rainbow: Seediq Bale

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Michael Bliss: Between the bullets: the spiritual cinema of John Woo. Scarecrow Press, Lanham, Md. 2002, ISBN 978-0-8108-4110-9.
  •  Thomas Gaschler & Ralph Umard: Woo. Verlag Belleville, München 2005, ISBN 3933510481.
  •  Thomas Gaschler & Eckhard Vollmar: Dark Stars. Belleville, München 1992, ISBN 3-923646-50-X.
  •  Kenneth E Hall: John Woo: the films. McFarland, Jefferson, N.C. 1999, ISBN 978-0-7864-0619-7.
  • Karl Matthias Schmidt: Jesus im Kreis von Freunden und Waffenhändlern: Religiöse Motive im Filmwerk John Woos. In: Thomas Bohrmann, Werner Veith, Stephan Zöller (Hrsg.): Handbuch Theologie und Populärer Film. Band 1. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-72963-7, S. 213-230.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Woo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b vgl. John Woo. In: Internationales Biographisches Archiv 01/2007 vom 6. Januar 2007 (aufgerufen am 18. August 2009 via Munzinger Online)
  2. vgl. Primo Ballerino. In: Focus, 22. September 1997, Nr. 39, S. 162–163
  3. vgl. Biografie im All Movie Guide (englisch; aufgerufen am 18. August 2009)
  4. vgl. Auf Knall und Fall. In: Stern, 29. Juni 2000, Nr. 27, S. 180
  5. vgl. Filmkritik von Thomas Binotto im film-dienst 14/2000 (aufgerufen am 18. August 2009 via Munzinger Online)
  6. vgl. Pressemitteilung bei labiennale.org, 21. Dezember 2009 (aufgerufen am 22. Dezember 2009)