Johnny Appleseed

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Johnny Appleseed, Harper’s Magazine, 1871

Johnny Appleseed (* 26. September 1774 in Leominster, Massachusetts; † 11. März 1847 in Fort Wayne, Indiana; eigentlich John Chapman) war ein Anhänger Emanuel Swedenborgs und ökologischer Pionier, der zu einer bekannten Figur der US-amerikanischen Folklore wurde. In einigen Teilen der USA wird am Geburtstag, häufiger jedoch am Todestag des Mannes der Johnny Appleseed Day gefeiert. Im deutschsprachigen Raum ist er als Johnny Apfelkern, Hänschen Apfelkern oder Hans Apfelkern bekannt.

Sein Spitzname „Appleseed“ stammt daher, dass er im ganzen Mittleren Westen Apfelbäume anzog, die aus den bei der Kelterung anfallenden Kernen ausgesät wurden. Er legte also keine Obstgärten an, sondern reine Anzuchtgärten voll mit Zufallssämlingen, deren Früchte immerhin recht gut für die Herstellung von Apfelwein geeignet waren. Diese Anzuchtgärten wurden von ihm anschließend lokalen Partnern zur Betreuung überlassen, während er weiterzog.[1] Der Legende nach zog er nach dem Tod seiner Verlobten sein restliches Leben lang als Missionar der Neuen Kirche durchs Land, trug einen Kochtopf auf dem Kopf und hatte die Hosentaschen voller Apfelsamen. Er lehrte die Bibel und schloss Freundschaft mit Indianern, wilden Tieren und Siedlern.

Die besondere Bedeutung der Apfelbäume bestand darin, dass Apfelwein der für Pioniere am einfachsten zu produzierende Alkohol war.[2] Es brauchte keine Destillation wie beim Kornbrand, keine aufwändig zu kultivierenden Weinreben oder Hopfen für das Brauen von Bier. Appleseed wurde so zum „Amerikanischen Dionysos“; er war der Mann, der den Stoff an die Frontier brachte.[2]

Walt Disney verfilmte die sagenumwobene Lebensgeschichte des Pioniers als Segment des Zeichentrickfilms Musik, Tanz und Rhythmus (Melody Time, 1948), worin Dennis Day dem Johnny Appleseed seine Stimme lieh.

Literatur[Bearbeiten]

  • Aliki: Die Geschichte von Hans Apfelkern. (Originaltitel: Johnny Appleseed). Deutsch von James Krüss. Betz, München 1963.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Pollan: Botanik der Begierde. Claassen Verlag, 2002, ISBN 3-546-00309-8.
  2. a b Interview mit Michael Pollan, National Public Radio, 5. Juni 2001.