Johnny Dyani

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Johnny „Mbizo“ Dyani (* 30. November 1945[1] in East London, Südafrika; † 24. Oktober 1986[2] in West-Berlin) war ein südafrikanischer Jazzmusiker (Bassist, Pianist, Komponist, Sänger).

Leben[Bearbeiten]

Dyani war zunächst der Leadsänger von Tete Mbambisas Gesangsgruppe Junior Four Yanks. Mit 15 Jahren wurde er Bassist der „Blue Notes“; mit ihm, Louis Moholo, Mongezi Feza, Nick Moyake, Dudu Pukwana und Chris McGregor erspielte sich das Ensemble aus fünf schwarzen und einem weißen Südafrikaner schnell internationalen Ruf. Aber das Apartheidregime duldete diese Zusammenarbeit nicht. Eine umjubelte Tournee 1964 nach Europa wurde zum Schlüsselerlebnis und konfrontierte die fünf Südafrikaner mit der Entscheidung zum Exil.

Ein triumphaler Erfolg der „Blue Notes“ auf dem Jazzfestival in Antibes und ein längerer Auftritt im Cafe „Africana“ in Zürich waren die ersten Stationen Dyanis im Exil. Die Gruppe ging nach London, versetzte die englische Jazz-Szene in Turbulenzen und erfuhr selbst die Kraft des Aufbruchs im Jazz dieser Jahre. Johnny Dyani spielte in den folgenden Jahren mit vielen wichtigen Vertretern des freien Jazz wie Steve Lacy, Charles Mingus, Roland Kirk, Don Cherry, Roswell Rudd und Archie Shepp. In Europa arbeitete er auch erstmals mit seinen Landsleuten Makaya Ntshoko und Dollar Brand. In dieser Londoner Zeit begann auch die Zusammenarbeit mit Derek Bailey, Irène Schweizer, Han Bennink, Rüdiger Carl, Evan Parker als Protagonisten der freien improvisierten Musik.

Zu Beginn der 1970er Jahre siedelte Dyani nach Kopenhagen über. Seine drei Kinder wurden dort geboren und sind dort aufgewachsen. Die Jahre in Skandinavien brachten neue musikalische Begegnungen und eine Vielzahl von Projekten und Gruppen hervor. Die Langfristigkeit der Zusammenarbeit mit John Tchicai, Don Cherry, Okay Temiz und Pierre Dørge wurde noch bereichert durch Projekte mit seinen Freunden aus den „Blue Notes“ und Kollegen aus den Jahren in London und Zürich wie Harry Beckett. Sein Umzug nach Stockholm Anfang der 1980er Jahre bewirkte keinen Bruch dieser Aktivität: Johnny Dyani war Motor und Inspirator und Ankläger des Apartheidregimes in Südafrika zugleich.

Sein letztes Projekt plante er zu Beginn des Jahres 1986. Dyani wollte eine südafrikanische Band, in der Flüchtlinge und Musiker von daheim zusammentreffen sollen. Der erneute Ausnahmezustand, zehn Jahre nach dem Schüleraufstand von Soweto wiederum brutal praktiziert, ließ diesen Plan scheitern.

So wurde auch sein letztes Projekt wieder ein Bündnis von Flüchtlingen und Sympathisanten: eine Tournee durch Deutschland mit Konzerten eigener thematischer Ausprägung, unterstützt durch Ausstellungen, begleitet von Vortrag, Gespräch, Diskussion. Der Name „Jazz gegen Apartheid“ entstand. Die Tour begann mit einem Konzert in Berliner „Quartier Latin“. Es war das letzte Konzert von Johnny „Mbizo“ Dyani.

Johnny Dyanis große musikalische Bandbreite reichte von den traditionellen Klängen der Xhosa-Volksmusik (Dyani entstammte dem Volk der Xhosa) bis tief in den Bereich des Free Jazz. Ausgestattet mit einem mächtigen Sound auf dem Bass prägte und bestimmte er mit seiner liedhaften Melodik, einer obertongeprägten Spielweise und einer fulminanten rhythmischen Energie die Spielweise unzähliger Formationen.

Auswahl-Diskografie[Bearbeiten]

  • Legacy - Life in South Africa 1964, Blue Notes, Ogun
  • Music for Xaba, Vol. 1 & 2, Johnny Dyani/Okay Temiz/Mongezi Feza , 1972, Sonet
  • Blue Note's for Mongesi, 1975, Ogun
  • Yonka (Turkey), Okay Temiz/Johnny Dyani, 1976
  • Blue Notes in Concert, Vol. 1, Blue Notes, 1977, Ogun
  • Spirit Rejoice, Louis Moholo Octet, 1978, Ogun
  • Witchdoctors Son, J. Dyani Sextet, 1978, SteepleChase
  • Song for Biko, J. Dyani Quartet, 1978, SteepleChase
  • 3D Family, David Murray, 1978, HatHut
  • Echos from Africa, Abdullah Ibrahim, 1979, Enja
  • Black Paladins, Joseph Jarman/Don Moye, 1979
  • Mbizo, 1981
  • Grand Mother's Teaching, 1982
  • Africa, Johnny Dyani. 1983, SteepleChase
  • Brikama, Pierre Dørge & New Jungle Orchestra, 1984
  • Even the Moon Is Dancing, Pierre Dørge & New Jungle Orchestra, 1985, SteepleChase
  • South African Exile's Thunderbolt, Chris McGregor, 1986, Pam
  • Let the Music Take You, David Murray Quartet, 1987

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. nach New Grove Dictionary of Jazz, Kunzler Jazzlexikon 2002 und Jazz Rough Guide. Max Annas zufolge hat Dyani bei unterschiedlichen Gelegenheiten nicht nur 1945, sondern auch 1947 als sein Geburtsjahr angegeben. Vgl. Max Annas: To France or Wherever – The Blue Notes and Their Exile in Europe. In: Marie-Hélène Gutberlet, Cara Snyman: Shoe Shop. Jacana Media 2012, S. 147–153, hier S. 149.
  2. Nach New Grove Dictionary of Jazz. Jazz Rough Guide gibt den 26. Oktober an. Kunzler Jazzlexikon gibt den 25. Oktober 1986 an