Johnny Otis

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Johnny Otis (* 28. Dezember 1921[1] in Vallejo, Kalifornien; † 17. Januar 2012 in Los Angeles, eigentlich John Veliotes[2]) war ein US-amerikanischer Bandleader, Multiinstrumentalist, Musikproduzent und Talentsucher, der vor allem in den 1950er Jahren populär war. 1994 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und erhielt den Pioneer Award der R&B Foundation. 2000 wurde er außerdem Mitglied der Blues Hall of Fame.

Leben[Bearbeiten]

Schon als Teenager lernte der Sohn griechischer Einwanderer Schlagzeug spielen und trat zunächst mit der Schülerband Count Matthews & his West Coast House Rockers auf. Später spielte er unter anderem in den Orchestern von Count Basie und Harlan Leonard, bevor er 1945 sein eigenes Jazz-Orchester gründete. Schon bald kam dabei sogar ein rein instrumentaler Mini-Hit zustande: Harlem Nocturne. Ansonsten begleitete er mit seinem Orchester vor allem damalige Stars wie Lester Young oder Charles Brown.[3]

1947 gründete er dann eine Rhythm-and-Blues-Band, die er California Rhythm And Blues Caravan nannte. Die Musiker pickte er sich dabei meistens aus Talent-Wettbewerben heraus, darunter 1949 auch die 13-jährige Esther Phillips. Mit seiner Caravan-Band zog er durch die USA; neben ihm traten dabei neben „Little Esther (Phillips)“ unter anderem auch Little Miss Cornshucks, Mel Walker, Red Lythe, Pete Lewis, Devonia „Lady Dee“ Williams, Sallie Blair und The Robins auf.

In den 1950er Jahren hatte er einigen Erfolg. Inzwischen beherrschte er auch das Klavier und konnte zwischen 1950 und 1952 acht Songs hoch in den R&B-Charts platzieren, darunter den Klassiker Double Crossing Blues. Mit seinem Far Away Christmas Blues kam Otis erstmals in die Pop-Charts und das gleich auf Platz 4. In den 50ern und 60ern gab er mit seiner California Rhythm And Blues Caravan vielen damals noch unbekannten Musikern eine Startchance und betätigte sich auch als Produzent. Zu den Künstlern, mit denen er damals zusammenarbeitete, gehören Johnny Ace, Hank Ballard, Big Mama Thornton, mit der er den Leiber/Stoller-Song Hound Dog produzierte, Jackie Wilson, Big Joe Turner, T-Bone Walker, Marie Adams und Don Cherry. 1954 löste er seine Band auf, um als DJ bei einem Radiosender in Los Angeles zu arbeiten, doch schon kurze Zeit später gründete er eine neue Band, die Johnny Otis Show. 1957 und 1958 gelangen ihm mit der Band einige Hits wie Ma, He’s Making Eyes At Me. Sein damaliger Charts-Erfolg Willie and the Hand Jive feierte Jahre später als Cover-Version von Eric Clapton ein Revival.[4] Bis 1969 brachte Otis noch insgesamt vier Songs in die US-Pop-Charts; mit ihm spielten Musiker wie Johnny Guitar Watson oder Don Sugarcane Harris.

1965 kam seine Autobiografie Listen To The Lambs auf den Markt. 1971 erschien dann nach einem Auftritt auf dem Monterey Jazz Festival mit Eddie „Cleanhead“ Vinson, Gene Mighty Flea Conners, Esther Phillips, Big Joe Turner, Roy Milton, Pee Wee Crayton, Ivory Joe Hunter, Roy Brown, Margie und Delmar Evans sowie Otis' Sohn Shuggie Otis sein erstes Live-Album Live At Monterey, das ausgezeichnete Kritiken erntete. Im Laufe der 1970er Jahre zog sich Otis jedoch mehr und mehr aus der Musik-Szene zurück. Er begann zu malen und modellieren und wurde 1978 Priester seiner Landmark Community Church.

1981 meldete er sich dann mit der 31-köpfigen New Johnny Otis Show zurück, die eine Mischung aus Blues, Soul und Rock ’n’ Roll spielte. Diese Band löste er gelegentlich wieder auf und reformierte sie dann wieder, sodass er zwischendurch weiter seinen geistlichen Beruf ausüben konnte. Außerdem brachte er eine eigene Orangensaft-Marke auf den Markt und moderierte eine Radio-Sendung. 1990 eröffnete der Johnny Otis Market & Deli, in dem sich ein Café, ein Nachtclub und ein Drugstore vereinigten. In dem Nachtclub trat Otis weiterhin regelmäßig auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • George Lipsitz: Midnight at the Barrelhouse. The Johnny Otis Story . Minneapolis: The University Of Minnesota Press, 2010, ISBN 978-0-8166-6678-2.
  • Irwin Stambler: The Encyclopedia of Pop, Rock and Soul. New York City, New York: St. Martin’s Press, 1989, ISBN 0-312-02573-4, S. 505–507. (3. überarbeitete Auflage)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carlo Bohländer u.a. Reclams Jazzführer 1989
  2. Nachruf in der Los Angeles Times
  3. Nachruf in The Guardian
  4. Eric Clapton: Willie And The Hand Jive