Jolande Jacobi

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Jolande Jacobi (* 25. März 1890 in Budapest; † 1. April 1973 in Zürich) war eine ungarische Psychologin und langjährige Mitarbeiterin von Carl Gustav Jung.

Leben[Bearbeiten]

Jolande Jacobi, geb. Székács, war die Tochter jüdischer Eltern (beide † 1944 durch Suizid); ihr Vater war Geschäftsmann. Erst gegen Widerstand erlangte sie 1904 als Frau die Zulassung zum Studium. Während ihres Studiums heiratete sie 1909 den Budapester Rechtsanwalt Andor Jacobi (1876–1944).

Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Familie Jacobi mit ihren zwei Söhnen nach Wien. 1924 erkrankte Andor Jacobi an einer Depression, wodurch seine Frau erstmals mit psychischen Erkrankungen in Kontakt kam. 1926 befreundete sich Jolande Jacobi mit dem Schriftsteller Albert von Trentini, der sie religiös beeinflusste: 1934 konvertierte sie zum katholischen Glauben.

Während ihrer Wiener Zeit übernahm Jolande Jacobi von 1928 bis 1938[1] die geschäftsführende Vizepräsidentschaft für den Österreichischen Kulturbund, wodurch sie viele Kontakte zu Künstlern und Wissenschaftlern knüpfen konnte, die sie auch privat pflegte. Hierzu zählten Hermann Broch und Ernst Polak. Sie hatte Polak auch den für sein Studium entscheidenden Hinweis auf Moritz Schlick gegeben.[2]

Im Rahmen ihrer Tätigkeit für den Kulturbund begegnete Jolande Jacobi in Wien im Jahr 1927 erstmals C.G. Jung. Seit dieser Zeit setzte sie sich für sein Werk ein. Jung hatte jedoch für eine Schülerschaft eine Promotion in Psychologie zur Bedingung gemacht. Aus diesem Grund begann sie 1933, dem Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland, ein Psychologiestudium an der Universität Wien bei Charlotte Bühler und Karl Bühler.[3] 1938 wurde sie mit einer Dissertation über die Psychologie des Alters promoviert.[4] Seitdem war sie Schülerin und später Mitarbeiterin von C.G. Jung in der Schweiz.

An ihrem Manuskript zur Einführung in das Gesamtwerk von C.G. Jung hatte Ernst Polak aus seinem englischen Exil im ersten Halbjahr 1939 mitgewirkt.[5] Durch das Geleitwort von C.G. Jung war die Einführung, die erstmals 1940 im Zürcher Rascher Verlag erschien und zahlreiche Auflagen auch in anderen Verlagen erzielen konnte, besonders autorisiert.[3]

Sie erhielt 1957 die österreichische Staatsbürgerschaft.

Werke[Bearbeiten]

Als Autorin[Bearbeiten]

  • Die Psychologie von C. G. Jung. Eine Einführung in das Gesamtwerk. Rascher, Zürich 1940; 5. erg. A. ebd. 1967
  • Komplex, Archetypus, Symbol in der Psychologie C. G. Jungs. Rascher, Zürich 1957
  • Der Weg zur Individuation. Rascher, Zürich 1965
  • Frauenprobleme, Eheprobleme. Rascher, Zürich 1968
  • Vom Bilderreich der Seele. Wege und Umwege zu sich selbst. Walter, Olten 1969
  • Die Seelenmaske. Einblicke in die Psychologie des Alltags. Walter, Olten 1971

Als Herausgeberin[Bearbeiten]

  • Paracelsus: Lebendiges Erbe. Eine Auslese aus seinen sämtlichen Schriften mit 150 zeitgenössischen Illustrationen. Rascher, Zürich 1942
  • Psychologische Betrachtungen. Eine Auswahl aus den Schriften von C.G. Jung. Rascher, Zürich 1945
    • Umgearbeitete Neuausgabe als: Mensch und Seele. Walter, Olten 1971
  • Symbole der Wandlung. Analyse des Vorspiels zu einer Schizophrenie (mit C.G. Jung). Rascher, Zürich 1952 (= umgearbeite Neuauflage von Wandlungen und Symbole der Libido)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Michael Lützeler: Freundschaft im Exil: Thomas Mann und Hermann Broch. Klostermann, Frankfurt am Main 2004, S. 49.
  2. Dieter Sulzer: Der Nachlass von Ernst Polak im Deutschen Literaturarchiv. Bericht, Verzeichnis und Edition von Briefen Polaks, Werfel und Brochs. In: Fritz Martini, Walter Müller-Seidel, Bernhard Zeller (Hrsg.): Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft. 23. Jg., Kröner, Stuttgart 1979, S. 527.
  3. a b Dieter Sulzer: Der Nachlass von Ernst Polak im Deutschen Literaturarchiv. Bericht, Verzeichnis und Edition von Briefen Polaks, Werfel und Brochs. In: Fritz Martini, Walter Müller-Seidel, Bernhard Zeller (Hrsg.): Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft. 23. Jg., Kröner, Stuttgart 1979, S. 528.
  4. Dieter Sulzer: Der Nachlass von Ernst Polak im Deutschen Literaturarchiv. Bericht, Verzeichnis und Edition von Briefen Polaks, Werfel und Brochs. In: Fritz Martini, Walter Müller-Seidel, Bernhard Zeller (Hrsg.): Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft. 23. Jg., Kröner, Stuttgart 1979, S. 530.
  5. Hartmut Binder: Ernst Polak – Literat ohne Werk. In: Fritz Martini, Walter Müller-Seidel, Bernhard Zeller (Hrsg.): Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft. 23. Jg., Kröner, Stuttgart 1979, S. 414.