Jomsburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Wikingersiedlung. Zu der Zeitschrift siehe Jomsburg (Zeitschrift).

Die Jomsburg war eine alte Wikingerfeste im Bereich der Mündung der Oder, die im 12. Jahrhundert zerstört wurde.

Geschichte und Besonderheiten[Bearbeiten]

Die Jomsburg wurde anscheinend in den Jahren zwischen 940 und 970 von dem dänischen Wikingerhäuptling und einflussreichen Gefolgsmann König Harald Blauzahns, Palnatoki von Fünen, entweder auf der Ostseeinsel Wollin oder an der Peenemündung auf der Insel Usedom gegründet. Diese Küstenburg war nach nordischen Quellen im Gau Jom errichtet worden, den der damalige Polenherrscher, Herzog Mieszko I., nach der Unterwerfung der Pomoranen Palnatoki und seinen Wikingern zur Ansiedlung übergab. Palnatokis Mannen nannten sich nun Jomswikinger. Die Feste diente zunächst sowohl zum Schutz der Seegrenze des polnischen Herzogtums in der Pommerschen Bucht als auch zur Sicherung der reichen slawischen Handels- und Hafenstadt Jumne, dem Vineta der Sage, am Oderhaff. Angeblich fanden im Hafen der Jomsburg 300 Wikingerlangschiffe Platz. Die Burg hatte Ähnlichkeit mit Haithabu. Nach jüngsten Recherchen kann die Jomsburg und ihr großer Hafen beim heutigen vorpommerschen Küstenort Spandowerhagen, der heute zur Gemeinde Kröslin gehört, an der Spandowerhagener Wiek bestanden haben. Entsprechend der Größe und Tiefe der Wiek, die die linke Ausbuchtung der Peene bei ihrer Mündung in den Greifswalder Bodden darstellt, könnte heute wie damals eine große Anzahl von Wikingerschiffen Liegeplätze finden. Die Jomsburg soll analog Haithabu von einem großen Erdwall geschützt worden sein, der mehrere zusammengestellte Langhäuser umfasste.

Von den Jomswikingern, die auf dieser Festung in männerbündischer Gemeinschaft gelebt haben sollen, erzählen u. a. die „Jómsvíkinga saga“, die "Knytlinga saga" und die "Heimskringla". Demnach haben die Jomswikinger um 995 in der Schlacht bei Hjørungavåg gegen Håkon Jarl mit besonders heroischer Todesverachtung gekämpft.

Nach einem Aufsatz Rudolf Virchows in der Zeitschrift für Ethnologie von 1872 wurde zunächst verstärkt die These verfolgt, dass die Jomsburg in der Zeit von Harald Blauzahn und Sven Gabelbart mit der sagenumwobenen Stadt Vineta identisch sei.[1] Um 970 berichtete der Gesandte des Kalifats Córdoba, Ibrahim ibn Jaqub, dass in Pommern eine große Hafenstadt „mit zwölf Toren“ liege, deren Streitmacht „allen Völkern des Nordens überlegen“ sei. Adam von Bremen schildert sie im 11. Jahrhundert als eine der größten und reichsten Städte Europas, er nannte die Stadt Jumne. Es sei „die größte Stadt, die Europa birgt“, sie biete „für Barbaren und Griechen in weitem Umkreis einen viel besuchten Treffpunkt“.

1975 wurde der Freie Pfadfinderbund Jomsburg gegründet, welcher ebenfalls viel Wert auf die Eigenschaften und die Ordensgesetze der Jomswikinger legt. Die Pfadfinder bauten in wenigen Jahren eine Burg auf, welche noch heute in Dänisch-Nienhof bei Kiel steht und zu jährlichen Lagern genutzt wird.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lutz Mohr, Harald Krause: Die Jomsburg in Pommern. Geschichte und Technik einer verschollenen Wikinger-Seefeste. 2. erw. Aufl. Wessels Puppet Media, Essen 2002.
  • Georg Domizlaff: Die Jomsburg. Untersuchungen über die Seeburg der Jomswikinger. Curt Kabitzsch, Leipzig 1929.
  • Władysław Filipowiak und Heinz Gundlach: Wolin-Vineta. Die tatsächliche Legende vom Untergang und Aufstieg der Stadt. Mit Fotos von Wolfhard Eschenburg. 1. Aufl. Rostock: Hinstorff Verlag 1992. ISBN 3-356-00447-6
  • Lutz Mohr: Die Jomswikinger und ihre Jomsburg im Gau Jom. Militärische und maritime Machtstützen Dänemarks und Horte der Aggression im frühmittelalterlichen Pommern. In: Jahrbuch 2012 der Deutschen Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e. V., 15. Jahrg. Hrsg. v. Kathrin Orth u. Eberhard Kliem. Schleswig: Isensee-Verlag Oldenburg 2012, S.73-89.
  • Lutz Mohr: Drachenschiffe in der Pommernbucht. Die Jomswikinger, ihre Jomsburg und der Gau Jom. Reihe edition rostock maritim. Hrsg. von Robert Rosentreter. Rostock: Ingo Koch Verlag 2013. ISBN 978-3-86436-069-5
  • Otto Kunkel, Karl August Wilde: Jumne, Vineta, Jomsburg, Julin, Wollin. 5 Jahre Grabungen auf dem Boden der wikingerzeitlichen Großsiedlung am Dievenowstrom 1934–1939. Stettin 1941.
  • Jomsburg. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon 1905, Band 10, S. 299
  • Vedel Simonsen: Geschichtliche Untersuchung über Jomsburg im Wendenlande. Aus dem Dänischen von Ludwig Giesebrecht. Stettin: Morin 1827

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl Schuchhardt: Zur Vinetafrage. In: Praehistorische Zeitschrift 23 (1932), S. 145–151.