Jon Elster

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Jon Elster (* 22. Februar 1940) ist ein norwegisch-US-amerikanischer Sozialwissenschaftler und Philosoph.

Elster ist der Sohn des norwegischen Journalisten Torolf Elster.

Er wurde an der École normale supérieure ausgebildet. Er ist zurzeit Professor am Collège de France, und Robert K. Merton-Professor für Soziologie an der Columbia University in New York. Elster ist einer der wichtigsten Vertreter der Theorie der rationalen Entscheidung (rational choice theory), insbesondere seine Arbeiten zur begrenzten Rationalität der Akteure wirkten vielfach bahnbrechend. 1997 wurde er mit dem Jean-Nicod-Preis ausgezeichnet.

In seinen Werken Ulysses and the Sirens und Ulysses Unbound setzt sich Elster insbesondere mit dem Phänomen der freiwilligen Selbstbindung auseinander. Eine Selbstbindung kann von rationalen Akteuren eingesetzt werden, um damit voraussehbare Irrationalitäten zu verhindern. Als Analogie zur Selbstbindung dient Elster die Figur des Odysseus aus Homers Odyssee. Odysseus fordert seine Gefährten auf, sich selbst die Ohren mit Wachs zu verstopfen, ihn aber an den Mast des Schiffes zu fesseln, damit er den Gesang der Sirenen anhören kann, ohne ihnen zu verfallen und getötet zu werden. Odysseus gelingt es also, durch eine freiwillige Selbstbindung seinen faktischen Handlungsspielraum zu erweitern; er erzeugt gleichsam "Freiheit durch Bindung".

Im Bereich der Gerechtigkeitsforschung verwies Jon Elster darauf, dass auf dezentraler Ebene im Sinne einer „lokalen Gerechtigkeit“ eine Vielzahl von Gerechtigkeitsfragen in Bezug auf knappe Güter entschieden werden, die nicht im Blickpunkt der gesamten Gesellschaft stehen, für den Einzelnen aber von hoher Bedeutung sind. In der Praxis finden sich gleichheitsorientierte Prinzipien (Lotterie, Rotation), zeitbasierte Konzepte (Warteschlange), personenabhängige Kriterien (Alter, Geschlecht, Anzahl Geschwister) und bedarfsorientierte Konzepte (Wohlfahrt, Effizienz) sowie Kombinationen aus diesen Ansätzen (zum Beispiel Punktebewertungssysteme). Im Ergebnis arbeitete Elster heraus, dass in der Praxis aufgrund der zunehmenden Notwendigkeit der Rechtfertigung ein steigender Trend zur Ablösung einfacher Verteilungskriterien durch Methoden der Verfahrensgerechtigkeit zu beobachten sei.

Insgesamt hat Jon Elster 34 Bücher verfasst bzw. herausgegeben.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Leibniz et la formation de l'esprit capitaliste (Paris, 1975) ISBN 2-7007-0018-X
  • Leibniz and the development of economic rationality (Oslo, 1975)
  • Logic and Society (New York, 1978)
  • Ulysses and the Sirens (Cambridge, 1979)
  • Sour Grapes: Studies in the Subversion of Rationality (Cambridge, 1983)
  • Explaining Technical Change : a Case Study in the Philosophy of Science (Oslo, 1983)
  • Making Sense of Marx (Cambridge, 1985)
  • An Introduction to Karl Marx (Cambridge, 1986)
  • Rational Choice (Herausgeber) (Oxford, 1986)
  • Nuts and Bolts for the Social Sciences (Cambridge, UK, 1989)
  • Local Justice. How Institutions Allocate Scarce Goods and Necessary Burdens, New York 1992
  • Strong Feelings: Emotion, Addiction, and Human Behavior The Jean Nicod Lectures (MIT Press, 1997)
  • Alchemies of the Mind: Rationality and the Emotions (Cambridge, 1999)
  • Ulysses Unbound: Studies in Rationality, Precommitment, and Constraints (Cambridge, 2002)
  • Closing the Books: Transitional Justice in Historical Perspective (Cambridge, 2004)
  • Explaining Social Behavior: More Nuts and Bolts for the Social Sciences (Cambridge, 2007)
  • Alexis de Tocqueville: The First Social Scientist (Cambridge, 2009)

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Die archivierte Jon Elster Page. Diese Website verleiht einen umfassenden Überblick über die von Elster publizierten Bücher und Artikel.