Jonathan Lethem

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Jonathan Lethem (2008)

Jonathan Allen Lethem (* 19. Februar 1964 in Brooklyn, New York) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Jonathan Lethem wuchs erst in Kansas City, dann in Brooklyn auf. Sein Vater Richard Brown Lethem ist Bildender Künstler, seine Mutter Judith starb an Krebs, als er ein Teenager war. Einige Semester studierte Lethem mit Bret Easton Ellis am Bennington College in Vermont, bevor er nach Kalifornien zog und mit dem Schreiben begann. Ende der 1980er Jahre veröffentlichte er erste Kurzgeschichten, doch erst mit seinen Romanen verschaffte er sich in den 1990er Jahren international Beachtung. Mit seinem Roman „Gun, with Occasional Music“, einer futuristischen Detektivgeschichte im Stil Raymond Chandlers, war er 1994 Finalist des Nebula Awards und gewann 1995 den Locus Award in der Kategorie der „Best First Novel“ bei einer Leserabstimmung des Locus Magazines. Der Roman, dessen deutscher Titel „Der kurze Schlaf“ (erschienen 2005 im Tropen Verlag) lautet, spielt in einer nahezu postmodernen Landschaft und ist von bizarren, evolutionstechnisch manipulierten Gestalten bevölkert, in deren Welt die Nachrichten durch Musik ersetzt wurden und legale Drogen wie Forgettol und Akzeptol ein sorgenfreies Leben ermöglichen.

Nach der Veröffentlichung seiner frühen Erzählungen in einem Band (The Wall of the Sky, the wall of the Eye), erschien 1996 Lethems „As she climbed Across the Table“ (dt. „Als sie über den Tisch kletterte“, 2005). Der Roman erzählt von einer grotesk-komischen Liebesgeschichte zwischen einer Physikerin und einem künstlich erzeugten Schwarzen Loch namens „Leck“.
1997 gewann er mit der Kurzgeschichten-Sammlung Wall of the Sky, Wall of the Eye den World Fantasy Award.

In den späten 1990er Jahren zieht Lethem aus der Bay Area zurück nach Brooklyn. Sein nächstes Buch, das nach dem Umzug veröffentlicht wurde, war „Girl in Landscape“. Der Plot weist Ähnlichkeiten mit dem John Wayne Klassiker „The Searchers“ auf. Ein junges Mädchen muss seine Pubertät durchmachen und sich mit einer neuen Welt, die von Aliens, die als „Archbuilders“ bekannt sind, bevölkert ist, auseinandersetzen.

Der erste Roman, den Lethem nach seiner Rückkehr zu schreiben beginnt, ist „Motherless Brooklyn“ (dt. „Motherless Brooklyn“, 2005) der das Detektivthema wieder aufgreift. Der beliebte Ganove Frank Minna taucht eines Tages im Waisenhaus St. Vincent auf und nimmt den Sonderling Lionel und drei weitere Jungs mit auf seine mysteriösen Jobs quer durch Brooklyn. Als Frank niedergestochen wird, macht sich Lionel, der unter dem Tourette-Syndrom leidet, auf eine schwierige Suche nach dem Mörder. Der Roman gewann den National Book Critics Circle Award, den Macallan Gold Dagger Award for crime fiction, den Buchpreis von Salon.com und wurde vom Esquire zum Buch des Jahres ernannt.

2003 veröffentlichte Lethem den autobiografisch inspirierten Bildungsroman „The Fortress of Solitude“ (dt. „Die Festung der Einsamkeit“, Tropen Verlag 2004). Dieser erzählt von dem weißen Jungen Dylan Ebdus, der Anfang der siebziger Jahre mit seinen Eltern in das raue Herz Brooklyns zieht, wo jede Zuneigung erkämpft werden muss wie das Stück Asphalt beim Spielen auf der Straße. Nur beschützt von seinem schwarzen Freund Mingus Rude erkundet er das pulsierende Universum aus den Stimmen der Straße, den mit Superkräften begabten Helden zerlesener Comichefte und der Energie von Funk, Graffiti und Drogen. „The Fortress of Solitude“ wurde von der New York Times zum besten Buch des Jahres gekürt und in mehrere Sprachen übersetzt.

Seine zweite Erzählsammlung „Men and Cartoons“, die Ende 2004 herauskam und 2005 unter dem Titel „Menschen und Superhelden“ auf deutsch erschien, vereint neun fantastische Geschichten, in denen Lethem die amerikanische Pop- und Straßenkultur seziert um daraus einzigartige fiktionale Welten zu erschaffen.

Sein Roman „You don't love me yet“ aus dem Jahr 2007 erschien in Deutschland unter dem Titel „Du liebst mich, du liebst mich nicht“.

Im Jahr 1987 heiratete Jonathan Lethem die Schriftstellerin Shelley Jackson, 1988 ließen sich beide wieder scheiden.[1] Lethem lebte in Brooklyn bis er 2010 aus familiären Gründen nach Claremont, Kalifornien übersiedelte. Dort unterrichtet er als Nachfolger von David Foster Wallace kreatives Schreiben am Pomona College.[2]

2005 war er MacArthur Fellow.

Bibliographie[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

Novellen[Bearbeiten]

  • This Shape We're In. McSweeney’s, New York 2000.

Erzählbände[Bearbeiten]

  • Wall of the Sky, Wall of the Eye. Harcourt Brace, New York 1996.
  • Men and Cartoons: Stories. Doubleday, New York 2004.
    • Übersetzung: Menschen und Superhelden. Dt. von Michael Zöllner. Tropen Verlag, Berlin 2005. ISBN 3-932170-75-X.

Sachbücher[Bearbeiten]

  • The Disappointment Artist: Essays. Doubleday, New York 2005.
  • Talking Heads´ Fear of Music (Band 86 der Reihe 33 1/3). Continuum, New York 2012.

Als Herausgeber[Bearbeiten]

  • Da Capo Best Music Writing 2002: The Year's Finest Writing on Rock, Pop, Jazz, Country, & More. Da Capo Press, Cambridge 2002.
  • The Vintage Book of Amnesia: An Anthology of Writing on the Subject of Memory Loss. Vintage Books, New York 2000.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1995 Locus Award, Gun, With Occasional Music, Bestes Erstlingswerk
  • 1997 World Fantasy Award, The Wall of the Sky, the Wall of the Eye, Beste Kurzgeschichtensammlung

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Edemariam, Aida. "The borrower", The Guardian, 2. Juni 2007. Abgerufen am 25. Mai 2010.
  2. Tobias Rapp: Raus aus New York! In: Der Spiegel, 8 (2011), S. 118ff.
  3. Post von Stalin und von meiner Mutter in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 16. Februar 2014, Seite 41

Weblinks[Bearbeiten]