Jonestown

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jonestown
Jonestown (Guyana)
Red pog.svg
Koordinaten 7° 44′ N, 59° 53′ W7.7330555555556-59.883055555556Koordinaten: 7° 44′ N, 59° 53′ W
Basisdaten
Staat Guyana

Region

Barima-Waini
Gründung 1974
Jonestown 1979

Jonestown war eine 1974 von Jim Jones, dem Führer des Peoples Temple, gegründete Siedlung im Nordwesten Guyanas, die am 18. November 1978 zum Schauplatz des Massenmordes und Massenselbstmordes von 909 Anhängern Jones’ wurde.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Ende der 1950er Jahre gründete James „Jim“ Jones den Peoples Temple in Indianapolis, später zog er nach San Francisco. Von Beginn an wurde großen Wert darauf gelegt, dass die Gemeinde Schwarzen wie Weißen offen stand, was zu dieser Zeit in den USA noch sehr ungewöhnlich war. Jones, der von allen als Dad oder Father angeredet wurde, war aufgrund seiner Erfahrungen aus Kindheit und Jugend mit Ausgrenzung und sozialer Isolation sehr vertraut. Er kannte deshalb das Bedürfnis von Außenseitern der amerikanischen Gesellschaft nach Zugehörigkeit und machte es sich zunutze. Die Gemeinde konnte so auf über tausend Mitglieder anwachsen. Die Gemeinschaft wies jedoch totalitäre Strukturen auf, Jones herrschte uneingeschränkt. Abweichler wurden gedemütigt und misshandelt. Aussteiger berichteten von diesen Verhältnissen, sodass die Presse vermehrt über Jim Jones und den Peoples Temple berichtete. Jones erkannte, dass diese Berichte das Ende seiner Gemeinde bedeuten könnten und beschloss die USA mitsamt den Mitgliedern zu verlassen.

Die Stadt Jonestown[Bearbeiten]

1974 pachtete Jim Jones ein 16 Quadratkilometer großes Grundstück von der guyanischen Regierung. Jones wählte Guyana, da dort Englisch die Amtssprache ist. Außerdem war Guyana bemüht Siedler ins Land zu locken. Durch Brandrodung wurde der Regenwald auf dem Gebiet in Siedlungsland umgewandelt. Jones erklärte Jonestown zum Gelobten Land, in dem es, anders als in den USA, keine Rassendiskriminierung gebe und eine neue, sozialistische Gesellschaft entstehen könne. Zunächst war der Plan, die gesamte Anhängerschaft von Peoples Temple innerhalb von zehn Jahren umzusiedeln. Die gesamte Infrastruktur von Jonestown wurde von den Bewohnern erschaffen.

Abriegelung[Bearbeiten]

Die Siedlung war eine hermetisch von der Außenwelt abgeschlossene Gemeinde. Bewaffnete Wärter sorgten für eiserne Disziplin und verhinderten die Flucht der Bewohner. Kontakt zur Außenwelt gab es nicht; der Einzige, der Kontakt nach außen hatte, war Jim Jones, der frei darüber entschied, welche Informationen er den Bewohnern zukommen ließ.

Das Lautsprechersystem[Bearbeiten]

In Jonestown war ein Lautsprechersystem installiert, mit dem jeder Ort der Stadt erreicht werden konnte. Jim Jones nutzte das Lautsprechersystem, um Anweisungen auszusprechen oder seine Ideologie zu propagieren und die Bewohner mit teils bewusst falschen Informationen zu versorgen. Das Lautsprechersystem war immer in Betrieb, wenn Jones selbst nicht sprach, kam seine Stimme vom Band und wiederholte sich mantraartig.

Da es in Jonestown keine Radios, Zeitungen, Fernsehgeräte oder Telefone gab, war das Lautsprechersystem die einzige und total von Jones kontrollierte Informationsquelle für die Bewohner.

Mit Durchsagen wie „Die USA wollen alle Schwarzen binnen sechs Monaten ausweisen“ versuchte er, Angst und Hass gegenüber den USA zu erzeugen.[1]

Leben der Gemeinde in Jonestown[Bearbeiten]

Da Jonestown sehr abgelegen lag, lebte die Gemeinschaft des Peoples Temple dort faktisch außerhalb jeglicher staatlicher Kontrolle, sodass ausschließlich Jim Jones über deren Schicksal entschied. Obgleich das Dorf den Mitgliedern des Peoples Temple als ihr Platz für eine bessere, utopische Zukunft versprochen worden war, waren die Lebensbedingungen dort schon aufgrund des Klimas und der Flora und Fauna sehr hart. Nahrungsmittel waren knapp, es herrschte ein strenges Arbeitsregime, Fieber- und Diarrhoe-Epidemien brachen aus. Jonestown war dafür ausgelegt, dass sich etwa 300 Bewohner selbst versorgen konnten. Mit steigender Bewohnerzahl wuchs die Nahrungsmittelknappheit. Bewaffnete Wärter sorgten für eiserne Disziplin. Es gab durchdachte Methoden zur Bespitzelung: Unter anderem wurden Kinder dazu ermutigt, ihre Eltern auszuhorchen und zu denunzieren. Angebliche Straftäter wurden in Käfige gesperrt oder mit Elektroschocks traktiert, potenzielle Abweichler stellte man mit Drogen ruhig. Wie schon in den USA kam es zu Misshandlungen, nur dass die Mitglieder in der Abgelegenheit Guyanas keine Möglichkeit hatten, den Peoples Temple zu verlassen oder Hilfe zu rufen. Auf diese Weise sollte Jones' uneingeschränkte Herrschaft dauerhaft erhalten werden. Aber auch für den Fall, dass dies nicht mehr möglich sein sollte, war vorgesorgt. Regelmäßig wurde der Massenselbstmord der Gemeinde mit dem Vorwand eines Loyalitätstests geübt. In den sogenannten „Weißen Nächten“ wurde Limonade getrunken, von der die Mitglieder nicht wussten, ob sie vergiftet war. In diesem Zusammenhang wurde berichtet, dass Jones dazu neigte, alle Dinge zunächst zu proben.

Zusammenbruch und Massensuizid[Bearbeiten]

Hauptartikel: Massensuizid von Jonestown

Am 17. November 1978 besuchte der US-Kongressabgeordnete Leo J. Ryan mit mehreren Beratern und Journalisten Jonestown, nachdem Bürger mehrfach berichtet hatten, dass Angehörige von ihnen gegen ihren Willen dort festgehalten würden. Jones versuchte alles, um die Besucher zu behindern und den Eindruck zu erwecken, es sei alles in Ordnung. Dies misslang. 16 Gemeindemitglieder gaben zu erkennen, dass sie Jonestown verlassen wollten und baten Ryan, sie mitzunehmen. Einige enge Vertraute Jones' griffen das startbereite Flugzeug an, töteten Ryan, drei Journalisten, einen Kameramann und drei Abtrünnige und verletzten elf weitere Menschen zum Teil schwer.

Noch am selben Tag wurden die Bewohner per Lautsprecher zusammengerufen. Jim Jones erklärte: „Wenn man uns nicht in Frieden leben lässt, so wollen wir jedenfalls in Frieden sterben. Der Tod ist nur der Übergang auf eine andere Ebene.“ In Pappbechern wurde mit Valium und Zyankali vermischter Saft an alle ausgeteilt. Einige versuchten zu fliehen, die meisten Flüchtlinge wurden von den Wachen erschossen, nur fünf entkamen. Jones starb durch einen Kopfschuss. Ob er Selbstmord beging, ist unbekannt. Insgesamt kamen 913 der 1110 Mitglieder, darunter 276 Kinder, ums Leben.

In den 1980er Jahren wurde Jonestown von einem Feuer zerstört und anschließend durch natürlichen Bewuchs wieder zum Dschungel.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jonestown – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jonestown – Todeswahn einer Sekte. Arte Dokumentation
  • Nick Yapp: True Crime – Die spektakulärsten Verbrechen der Geschichte. Parragon, Bath u. a. 2007, ISBN 978-1-4054-9795-4.