Joni Mitchell

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Joni Mitchell (1983)

Joni Mitchell, CC (* 7. November 1943 in Fort Macleod, Alberta/Kanada; als Roberta Joan Anderson) ist eine kanadische Musikerin und Malerin. Sie gehörte zu den bedeutendsten Singer-Songwritern der 1970er und 1980er Jahre. Sie spielt Gitarre und Piano.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten]

Joni Mitchell wuchs in einer kanadischen Kleinstadt auf. 1951 gab es eine Polio-Epidemie, und mit acht Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung, wie auch der fünfjährige Neil Young.[1][2] Die Folge war eine leichte Lähmung der linken Hand, die sie später beim Spielen der Gitarre zu der Beschäftigung mit Nicht-Standard-Stimmungen bewegte. Sie sagte später dazu:

„My left hand is somewhat clumsy because of polio. I had to simplify the shapes of the left hand, but I craved chordal movement that I couldn’t get out of standard tuning without an extremely articulate left hand“
(„Meine linke Hand ist etwas ungeschickt wegen der Kinderlähmung. Ich musste die Akkorde für die linke Hand vereinfachen, aber ich sehnte mich nach Akkordfolgen, die ich nicht mit der Standard-Stimmung ohne extrem gelenkige linke Hand erreichen konnte.“)[3]

Seit ihrem neunten Lebensjahr raucht sie.[4] Als sie elf war, zog ihre Familie nach Saskatoon um. Lieder von Pete Seeger hatten einen großen Einfluss auf sie.

1960er Jahre[Bearbeiten]

Joni Mitchell (1974)

Nach dem Abitur begann sie in Toronto ein Kunststudium, das sie jedoch abbrach, nachdem sie schwanger geworden war. Vor ihrer konservativen Familie verheimlichte sie die Schwangerschaft und gab das am 19. Februar 1965 geborene Kind zur Adoption frei. Erst 1997 findet sie ihre leibliche Tochter wieder.[5]

1965 lernte Mitchell ihren künftigen Ehemann Chuck Mitchell kennen, einen Folksänger aus Michigan. Mit ihm zog sie nach Detroit in die USA, wo sie gemeinsam Musik machten. Das junge Ehepaar blieb jedoch nicht lange zusammen, und in der Zeit der Trennung schrieb sie ihre ersten Lieder. 1968 wurde die Ehe geschieden.

Die Künstlerin ging nach New York und wurde mit ihren Songs schnell zu einem Insidertipp in der dortigen Clubszene, die in den 1960er Jahren in Greenwich Village der Nabel der Folkmusik war. David Crosby, der die Byrds verlassen hatte und später Crosby, Stills, Nash and Young angehören sollte, bot sich an, ihr erstes Album zu produzieren, welches 1968 erschien. Nun begann sich ihr Bekanntheitsgrad auf die gesamten Vereinigten Staaten auszuweiten, und in der Folkszene errang sie schnell einen Kultstatus, der bis heute anhält.

1969 wurde sie eingeladen, auf dem legendären Festival in Woodstock aufzutreten, konnte das Festivalgelände jedoch aufgrund des enormen Andrangs nicht erreichen. Aufgewühlt von der Energie, die von diesem Festival auf die gesamte Generation ausging, schrieb sie mit dem Song Woodstock die Hymne auf das Festival, und Crosby, Stills, Nash and Young hatten mit diesem Lied einen großen Hit. Joni Mitchell beeinflusste selbst auch andere Musiker: So landete die schottische Rockband Nazareth 1974 einen Single-Hit mit einer Coverversion ihres Songs This Flight Tonight vom Album Blue. Für Judy Collins schrieb sie 1967 den Hit Both Sides Now, den sie später (1968) auch selbst mit Gitarren-Begleitung sang (Album Clouds).

1970er Jahre[Bearbeiten]

Joni Mitchell 1974

Die erste Hälfte der siebziger Jahre hatte Mitchell große künstlerische und kommerzielle Erfolge mit den Alben Ladies of the Canyon (1970), Blue (1971), For the Roses (1972) und Court and Spark (1974).

Seit 1975 kamen mit dem Album The Hissing of Summer Lawns' zur Folkmusik Jazzeinflüsse hinzu, die sich auf dem 1976er Album Hejira mit Jaco Pastorius, dem 1977er Album Don Juan's Reckless Daughter und dem 1979er Tribut-Album Mingus (für Charles Mingus) fortsetzten.

1976 war sie beim The Last Waltz, dem Abschiedskonzert von The Band, mit ihrem Lied Coyote dabei.

1980er Jahre[Bearbeiten]

Hatte Mitchell in den 1970er Jahren fast jährlich ein Album veröffentlicht, so geschah dies seit 1980 nur noch alle drei Jahre. In den 1980er Jahren gab es einen stärkeren Einfluss von Rockmusik, gefördert von David Geffen.

1982 heiratete sie den Bassisten Larry Klein, mit dem sie zwölf Jahre verheiratet war.

Das Album Dog Eat Dog (1985) wurde auf Vorschlag von Geffen Records von Thomas Dolby produziert, Mitchell jedoch fand es immer schwieriger, ihre musikalischen Vorstellungen durchzusetzen:

„He may be able to do it better, but the fact is that it then wouldn't really be my music.”
(Er mag in der Lage sein, es besser zu machen, aber Tatsache ist, dass es dann nicht wirklich meine Musik ist.)[6]

Alterswerk[Bearbeiten]

2002 erschien das Doppelalbum Travelogue, inspiriert von den Ereignissen des Terrorangriffes vom 11. September 2001. Es enthielt eine Sammlung der Lieder aus drei Jahrzehnten. Begleitet wurde Joni Mitchell bei den Aufnahmen von einem 70-köpfigen Orchester und Jazzmusikern wie Herbie Hancock oder Wayne Shorter. Joni Mitchell verkündete, das sei ihr letztes Album und sie sei der Musikindustrie müde. Sie wollte sich nun voll und ganz der Malerei widmen, die sie zeit ihres Lebens nicht aus den Augen verloren hatte.

Entgegen diesen Ankündigungen nahm Joni Mitchell Anfang 2007 das Album Shine mit fast vollständig neuem Material auf, das im Herbst 2007 erschien und musikalisch eine Wiederannäherung an die eigenen musikalischen Wurzeln bedeutete.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Drei von Joni Mitchells Alben wurden mit einem Grammy ausgezeichnet.

1996 erhielt sie den Polar Music Prize.

1997 wurde Joni Mitchell in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[7]

2002 erhielt sie als eine der herausragendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts einen Ehrengrammy für ihr Lebenswerk (Lifetime Achievement Award).

Diskographie[Bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten]

  • 1968 Song to a Seagull (also known as Joni Mitchell)
  • 1969 Clouds – ausgezeichnet mit einem Grammy in der Kategorie „Best Folk Performance”
  • 1970 Ladies of the Canyon
  • 1971 Blue
  • 1972 For the Roses
  • 1974 Court and Spark – ausgezeichnet mit einem Grammy für den Song Down to you in der Kategorie „Best Arrangement Accompanying Vocalists”
  • 1975 The Hissing of Summer Lawns
  • 1976 Hejira
  • 1977 Don Juan's Reckless Daughter
  • 1979 Mingus
  • 1982 Wild Things Run Fast (beim Remaster-Label Mobile Fidelity Sound Lab (MFSL) auch als 24 Karat Gold-CD erschienen)
  • 1985 Dog Eat Dog
  • 1988 Chalk Mark in a Rainstorm
  • 1991 Night Ride Home
  • 1994 Turbulent Indigo
  • 1998 Taming the Tiger
  • 2000 Both Sides Now – ausgezeichnet mit einem Grammy in der Kategorie „Best Traditional Pop Vocal Album”
  • 2002 Travelogue
  • 2007 Shine

Livealben[Bearbeiten]

  • 1974 Miles of Aisles (live)
  • 1980 Shadows and Light (live)

Kompilationen[Bearbeiten]

  • 1972 The World of Joni Mitchell
  • 1996 Hits
  • 1996 Misses
  • 2003 The Complete Geffen Recordings (4-CD-Box aus den Jahren 1982–91)
  • 2004 The Beginning of Survival
  • 2004 Dreamland
  • 2004 Starbucks Artist's Choice
  • 2005 Songs of a Prairie Girl (Remastered)

Singles[Bearbeiten]

  • 1968 „Night in the City“
  • 1969 „Chelsea Morning“
  • 1970 „Big Yellow Taxi“
  • 1971 „Carey“
  • 1972 „You Turn Me On, I'm A Radio“
  • 1974 „Free Man in Paris“
  • 1974 „Help Me“
  • 1975 „Big Yellow Taxi“ (live)
  • 1975 „In France They Kiss On Main Street“
  • 1976 „Coyote“
  • 1977 „Off Night Backstreet“
  • 1979 „The Dry Cleaner from Des Moines“
  • 1980 „Why Do Fools Fall In Love“
  • 1982 „Chinese Cafe / Unchained Melody“
  • 1982 „(You're So Square) Baby, I Don't Care“
  • 1985 „Good Friends“
  • 1988 „My Secret Place“
  • 1988 „Snakes and Ladders“
  • 1991 „Come in from the Cold“
  • 1994 „How Do You Stop“
  • 1996 „Big Yellow Taxi“ (Remix)
  • 2000 „Both Sides Now“

DVDs[Bearbeiten]

  • 2001 „Painting With Words And Music”
  • 2003 „Woman Of Heart And Mind: Joni Mitchell: A Life Story”
  • 2004 „Shadows And Light”
  • 2005 „Refuge of the Roads”

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Polio-Epidemie (PDF; 942 kB)
  2. rollingstone.de: Interview 1995
  3. ungeschickt wegen der Kinderlähmung
  4. Joni Mitchell: still smoking. Artikel vom 4. Oktober 2007 von Neil McCormick in der Tageszeitung The Daily Telegraph (englisch)
  5. Joni Mitchell auf www.laut.de, ausführliche Darstellung siehe Joni Mitchell's Secret auf www.thecanadianencyclopedia.ca (englisch)
  6. Zitat über Dolby
  7. Rock and Roll Hall of Fame Joni Mitchell in der Rock and Roll Hall of Fame

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joni Mitchell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien