Jordan von Sachsen
Jordan von Sachsen (auch Jordanus von Sachsen und Jordanus Saxo; * um 1185/1190 bei Dassel; † 1237 bei Akkon vor der Syrischen Küste) gilt als einziger bedeutender katholischer Heiliger Niedersachsens. Sein katholischer Gedenktag ist der 13. Februar.
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[Bearbeiten] Wirken
Nach einem Studium der Theologie in Paris trat er 1220 gemeinsam mit Heinrich von Köln in den Dominikanerorden ein und nahm noch im gleichen Jahr an der Generalversammlung in Bologna teil. 1221 wurde ihm die lombardische Ordensprovinz übertragen und 1222 wurde er Ordensgeneral des Dominikanerordens und Nachfolger des heiligen Dominikus in Paris.
Er gilt als eigentlicher Organisator des Ordens. Seine hohe Bildung, die ihn auch zu einem hervorragenden Redner machte, verschaffte ihm weltweit Anerkennung und Ruhm. Er begründete die katholische Lehrtätigkeit und damit die eigentliche spätmittelalterliche Theologie. Er sorgte für eine fundierte Ausbildung der Mönche auf praktischer Grundlage ohne zu großen Eifer und Frömmigkeit, die nach seiner Auffassung nur schaden könne. Durch Gründung von über 300 Konventen und zahlreichen Predigten in den Universitätsstädten Europas gewann er sehr viele neue Anhänger des Ordens. Albertus Magnus war einer der bedeutendsten unter ihnen. Der offenkundige Einklang zwischen Wort, Tat und Lebensführung, den Jordan austrahlte, brachte ihm bereits zu Lebzeiten kultische Verehrung ein.[1]
Jordan wird als Verfasser der Ordenschronik "Libellus de principiis ordinis praedicatorum" angesehen. Zudem sind 56 Briefe überliefert, die er in Paris überwiegnd an Diana Andalo schrieb.
[Bearbeiten] Biographie
Sein Geburtsort ist nicht beurkundet. Nach den von der Geschichtsforschung zusammengetragenen Indizien bezieht sich seine Herkunft auf den zum Ellenser Wald gehörenden Burgberg bei Dassel gegenüber der Burg Hunnesrück. Berthold I. von Dassel, ein Sohn Adolfs I. von Dassel, ist als Dominikaner in Hildesheim beurkundet.[2] Laut einer Handschrift des 14. Jahrhunderts wurde er von Jordan anläßlich einer Visite des Burgberges als Anhänger gewonnen. Die Gegend lag damals landesherrschaftlich in der Grafschaft Dassel und kirchlich im Archidiakonat Nörten. Auch ein Hinweis des Franciscus Lubecus entspricht dieser Zuordnung.[3]
Sein Name bedeutet „der auf Erden Kühne“ (lateinisch-althochdeutsch). Mit Jordanus Nemorarius und Jordan von Osnabrück hatte er Zeitgenossen ähnlichen Namens, sodaß es in späteren Jahrhunderten gelegentlich zu Verwechslungen kam.
Nachdem er in Paris den Dominikanerorden organisiert und weitgehend neu strukturiert hatte, ging er 1237 auf Große Fahrt nach Jerusalem, um in Heiligen Land Ordensniederlassungen zu besuchen. Sein Schiff zerschellte jedoch auf der Rückreise an einem Felsen bei Akkon vor der Syrischen Küste. Er wurde in Akkon in der alten Dominikanerkirche (Predigerkirche), deren Standort noch unbekannt ist und die bei der Belagerung von Akkon (1291) zerstört wurde, beigesetzt.
Am 10. Mai 1826 wurde er von Papst Leo XII. seliggesprochen.
[Bearbeiten] Literatur
- Nicolaus Heutger, Viola Heutger: Niedersächsische Ordenshäuser und Stifte: Geschichte und Gegenwart, 2009, S. 285f
- Reinhard Neumann: Jordanus von Padberg, in: Westfälische Zeitschrift, Band 146, 1996, S. 215-221
- Ernst Pulsfort: Jordan(us) von Sachsen. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 652–654.
- Klemens Honselmann: Jordan von Sachsen. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, S. 598 (Onlinefassung).
- Angelus Walz: Beati Iordani de Saxonia Epistulae (Monumenta ordinis fratrum praedicatorum historica 23), 1951
- Heribert Christian Scheeben: Beiträge zur Geschichte Jordans von Sachsen, 1938
- Berthold Altaner: Die Briefe Jordans von Sachsen, des zweiten Dominikanergenerals, 1925
- Franz Stanonik: Jordan von Sachsen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 502–504.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Jörg Oberste: Die Bettelorden im Aufbau: Beiträge zu Institutionalisierungsprozessen im mittelalterlichen Religiosentum, 1999, S. 81
- ↑ Nathalie Kruppa: Die Grafen von Dassel (1097-1337/38), 2002, S. 105
- ↑ Franziskus Lubecus / Reinhard Vogelsang: Göttinger Annalen: von den Anfängen bis zum Jahr 1588, 1994, S. 79
- Hans-Jürgen von der Wense: Freidank von Akers (1229). In: Der Pfahl IIX. Mathes & Seitz, München 1994, S. 56, Anm. 1
[Bearbeiten] Weblinks
- Seliger Jordan von Sachsen in: Proprium des Predigerordens
- Eintrag über Jordan von Sachsen im Ökumenischen Heiligenlexikon
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Dominikus | Ordensgeneral der Dominikaner 1222–1237 |
Raimund von Peñafort |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jordan von Sachsen |
| ALTERNATIVNAMEN | Jordanus von Sachsen; Jordanus Saxo |
| KURZBESCHREIBUNG | niedersächsischer Heiliger |
| GEBURTSDATUM | um 1200 |
| STERBEDATUM | 1237 |
| STERBEORT | Akkon vor der Syrischen Küste |