Jordi Galí

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Jordi Galí (* 4. Januar 1961 in Barcelona, Spanien) ist ein spanischer Ökonom, der als einer der Hauptvertreter des Neuen Keynesianismus gilt.

Galí ist der Chef des "Centre de Recerca en Economía Internacional" (CREI, das Forschungszentrum für internationale Ökonomie) der Universität Pompeu Fabra in Barcelona. Nach dem Erlangen des Doktortitels vom Massachusetts Institute of Technology im Jahr 1989, unter Betreuung von Olivier Blanchard,[1] hatte er eine Anstellung an der Columbia University und der New York University inne, bevor er nach Barcelona zog.

Galís Forschungsthemen befassen sich mit den Ursachen von Konjunkturzyklen und der optimalen Geldpolitik, insbesondere durch die Methode der Zeitreihenanalyse. Seine Untersuchungen mit Richard Clarida und Mark Gertler behaupten, dass die Geldpolitik in vielen Ländern heute dem Grundsatz der Taylor-Regel entspricht, wohingegen Entscheidungsträger der 1970er Jahre der Taylor-Regel nicht folgten.[2][3]

Ein weiterer Schwerpunkt von Galís Forschung beschäftigt sich mit der Debatte um das Festlegen von Zinssätzen. In einigen der einfachsten neokeynesianischen Modelle führt die Stabilisierung der Inflationsrate auch dazu, die Output-Lücke gegen Schwankungen zu festigen.[4] Wenn dieser Ansatz nur in etwa der Realität entspricht, würde dieser der Zentralbank erlauben, der vereinfachten Taylor-Regel zu folgen, lediglich auf die Stabilisierung der Inflationsrate zu achten, ohne das Output-Wachstum zu berücksichtigen.[5] Jordi Galí und Olivier Blanchard haben diesen Ansatz die "göttliche Fügung" genannt und argumentierten, dass realistischere Modelle, welche zusätzliche Friktionen (z.B. friktionelle Arbeitslosigkeit) mit einbeziehen, einen Zielkonflikt zwischen der Stabilisierung der Inflationsrate und der Output-Lücke implizieren.[6]

Galí ist am meisten bekannt für empirischen Nachweis, dass Verbesserungen der Arbeitsproduktivität zu einem kurzfristigen Beschäftigungsrückgang führen, welches im Widerspruch zu den Prognosen von bekannten Real-Business-Cycle-Theorie-Modellen der neoklassischen makroökonomischen Schule steht, aber nach Galí konsistent mit vielen neokeynesianischen Modellen ist.[7] Jedoch bleiben die statistischen Methoden (strukturelle vektorautoregressive Modelle), auf welchen diese Erkenntnisse beruhen, kontrovers.[8][9][10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jordi Galí: Keeping up with the Joneses. Consumption externalities, portfolio choice, and asset prices. In: Journal of Money, Credit and Banking. Band 26, Heft 1, 1994, S. 1–8.
  2. Richard Clarida, Mark Gertler und Jordi Galí: Monetary policy rules and macroeconomic stability. Theory and some evidence. In: Quarterly Journal of Economics. Band 115, 2000, S. 147–180.
  3. Richard Clarida, Mark Gertler und Jordi Galí: Monetary policy rules in practice. Some international evidence. In: European Economic Review. Band 42, Heft 6, 1998, S. 1033–1067.
  4. Marvin Goodfriend und Robert G. King: The New Neoclassical Synthesis and the role of monetary policy. In: NBER Macroeconomics Annual. Band 12, Heft 1, 1997.
  5. Comments by N. Gregory Mankiw on the 'divine coincidence'.
  6. Olivier Blanchard und Jordi Galí: Real wage rigidities and the New Keynesian model. In: Journal of Money, Credit, and Banking. Band 39 (supplement 1), 2007, S. 35–65.
  7. Jordi Galí: Technology, employment, and the business cycle: Do technology shocks explain aggregate fluctuations? In: American Economic Review. Band 89, Heft 1, 1999, S. 249–271.
  8. Thomas F. Cooley und Mark Dwyer: Business Cycle Analysis Without Much Theory. A Look at Structural VARs. In: Journal of Econometrics. Band 83, 1998, S. 57–88.
  9. Jon Faust und Eric M. Leeper: When Do Long-Run Identifying Restrictions Give Reliable Results? In: Journal of Business and Economic Statistics. Band 15, Heft 3, 1997, S. 345–253.
  10. V. V. Chari, Patrick J. Kehoe und Ellen McGrattan: Are Structural VARs with Long-Run Restrictions Useful in Developing Business Cycle Theory?. Federal Reserve Bank of Minneapolis Staff Report #364, 2007.

Weblinks[Bearbeiten]