Jorge Arturo Medina Estévez

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Jorge Arturo Kardinal Medina Estévez (im Vordergrund)
Wappen.

Jorge Arturo Kardinal Medina Estévez (* 23. Dezember 1926 in Santiago de Chile, Chile) ist emeritierter Bischof von Valparaíso und emeritierter Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Jorge Arturo Medina Estévez studierte an der Päpstlichen Katholischen Universität in Santiago die Fächer Katholische Theologie, Literaturwissenschaften und Biologie. Er erwarb das Lizenziat im Fach Biologie und promovierte sowohl in Theologie als auch in Kanonischem Recht. Am 12. Juni 1954 empfing er das Sakrament der Priesterweihe und wirkte anschließend als Gemeindeseelsorger und wurde als Hochschullehrer eingesetzt. In den Jahren 1962 bis 1965 nahm er als Experte am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Von 1965 bis 1984 wirkte er als Richter am Diözesangericht und in der Leitung der Katholischen Universität von Santiago. Darüber hinaus fungierte er als Berater verschiedener Abteilungen des Vatikans.

1984 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Thibilis und Weihbischof in Rancagua. Die Bischofsweihe spendete ihm der Papst am 6. Januar 1985 im Petersdom.

Am 25. November 1987 wurde er Bischof von Rancagua. Von 1993 bis 1996 leitete er die Diözese Valparaíso.

1996 wurde er zunächst Pro-Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Am 21. Februar 1998 nahm ihn Papst Johannes Paul II. als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie San Saba in das Kardinalskollegium auf und ernannte ihn zwei Tage später zum Präfekten der Gottesdienst-Kongregation. Jorge Arturo Medina Estévez leitete mehrere Synoden und repräsentierte den Papst bei verschiedenen Anlässen im Ausland.

Am 26. Januar 1999 erließ die Kongregation erstmals seit 385 Jahren neue Vorschriften zum Exorzismus.[1] Ein 84-seitiges vatikanisches Handbuch zur Teufelsaustreibung „De Exorcismis et Supplicationibus Quibusdam“ löste die bisher dahin gültige Anleitung aus dem Jahr 1614 ab.

Vom 24. Februar 2005 bis zum 23. Februar 2007 war er Kardinalprotodiakon. Mit diesem Amt kam ihm nach dem Konklave 2005 die Aufgabe zu, die Wahl Joseph Ratzingers zum Papst der Öffentlichkeit zu verkünden und ihm während der feierlichen Amtseinführung das Pallium umzulegen.

Am 1. März 2008 wurde Jorge Arturo Kardinal Medina Estévez zum Kardinalpriester pro hac vice erhoben. Am Konklave 2013 nahm er wegen Überschreitung der Altersgrenze von 80 Jahren nicht mehr teil.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Medina wurde für seine Nähe zum damaligen Diktator Pinochet kritisiert[2]. Die Inhaftierung Pinochets, der für die Ermordung von mehr als 3000 Personen verantwortlicht gemacht wird, in England wurde von Medina als Demütigung Chiles bezeichnet[3]. Der chilenische Außenminister kritisierte 1997 Medina, der sich gegen eine Suspendierung Pinochets als Senator auf Lebenszeit geäußert hatte, als Einmischung der Kirche in staatliche Angelegenheiten. Medina äußerte sich auch kritisch zur Demokratie: Das Faktum, dass es Demokratie gibt, bedeutet nicht automatisch, dass Gott will, dass Demokratie praktiziert wird.[4].

Nachdem Anfang 2009 ein schwuler Vater das Sorgerecht für seine Söhne zugesprochen bekam, ließ er verlauten, dass nach Paulus praktizierende Homosexuelle nicht das Reich Gottes schauen werden und er daher glaube, dass Personen in dieser Lage nicht fähig seien andere zu erziehen, erst recht keine Kinder. „Wenn die Kinder Christen sind und dieses homosexuelle Zusammenleben ablehnen, entsteht eine Spannung, die nicht vorteilhaft ist. Wenn die Kinder diese Situation schließlich akzeptieren, bedeutet das, dass sie mit etwas Unmoralischem einverstanden sind.“ Die Federación Chilena de la Diversidad Sexual kritisierte diese Aussagen scharf.[5]

2004 setzte sich Medina gegen das Aufstellen eines Altars des baskischen Bildhauers Chillidas in der Jesuitenkirche St. Peter in Köln ein. Die Dreiteilung des Altars erfülle nicht den Vorgaben der kirchlichen Institution.[6]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Der Teufel ist wieder los, Focus online, 8. Februar 1999.
  2. Zeitschrift The Tablet, 2002, Interview mit Kardinal Oscar Andrés Rodríguez de Maradiaga
  3. Zeitung La Cuarta de Santiago Interview mit Kardinal Medina am 16. Oktober 1998
  4. Rocco Palmo, Mitarbeiter der katholischen Londoner Wochenzeitschrift The Tablet in seinem Blogg: Cardinal Pinochet mit einem Foto Kardinal Medinas anlässlich seiner Emeritierung
  5. Cardenal Jorge Medina: „Un homosexual no está formado valóricamente para criar hijos“, La Cuarta, 15. März 2009
  6. Welt Online: Sind diese Steine Gotteslästerung? Wie ein Altar von Eduardo Chillida für Unmut im Vatikan sorgt

Weblinks[Bearbeiten]


Vorgänger Amt Nachfolger
Luigi Kardinal Poggi Kardinalprotodiakon
2005–2007
Darío Kardinal Castrillón Hoyos
Antonio María Kardinal Javierre Ortas Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung
Pro-Präfekt 1996–1998 Präfekt 1998–2002
Francis Kardinal Arinze
Anmerkung: Es handelt sich hier um einen spanischen Namen. Medina Estévez ist somit der Familienname. Als verkürzte Schreibweise ist Jorge Medina üblich.