José Batlle y Ordóñez

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Dieser Artikel behandelt den uruguayischen Journalisten und Politiker. Zur Stadt in Uruguay siehe José Batlle y Ordóñez (Stadt).
José Batlle y Ordóñez 1900.

José Pablo Torcuato Batlle y Ordóñez (* 21. Mai 1856 in Montevideo; † 20. Oktober 1929 ebenda) war ein uruguayischer Journalist und Politiker.

Biografie[Bearbeiten]

Batlle y Ordóñez stammte aus einer politisch engagierten Familie. Er war der Sohn des früheren Präsidenten Lorenzo Batlle y Grau, eines Generals und Präsidenten von 1868-1872. Auch war er der Onkel eines weiteren uruguayischen Präsidenten, Luis Batlle Berres und Großonkel des 2000 bis 2005 amtierenden Präsidenten Jorge Batlle.

Er arbeitete zunächst für die Zeitung La Nación und war bereits im Alter von 25 Jahren einer der Herausgeber der La Razón. Bevor er ab 1882 Rechtswissenschaften an der Universidad de la República studierte unternahm Batlle y Ordóñez eine Reise nach Europa. Im Jahr 1886 trat er als Gründer der Zeitung El Día in Erscheinung.

Der der Colorado-Partei angehörige Batlle y Ordóñez war 1891 erstmals gewähltes Mitglied der Cámara de Representantes als Vertreter der Departamentos Salto. 1897 erfolgte seine erneute Wahl in Minas. Im Folgejahr war er dann Mitglied des Staatsrates und hatte ein Senatorenmandat für Montevideo inne. 1899 wurde er Senatspräsident und übte in seiner politischen Laufbahn erstmals, zunächst übergangsweise, das Präsidentenamt von Uruguay vom 15. Februar 1899 bis zum 1. März 1899 aus. Anschließend war er zwei weitere Male Präsident des Landes. Seine Amtszeiten dauerten vom 1. März 1903 bis 1. März 1907 und vom 1. März 1911 bis 1. März 1915.[1] Zwischen diesen beiden Amtsperioden unternahm er eine weitere Europareise.

Batlle y Ordóñez war Vertreter einer interventionistischen Wirtschaftspolitik und gilt als der Begründer des sozialen Wohlfahtsstaats in Uruguay. Während seiner zweiten Amtszeit als Präsident startete Batlle y Ordóñez eine neue Bewegung, die er Batllismo nannte. Er schützte den Staat gegen ausländischen ökonomischen Imperialismus. So unterstützte er 1911 etwa durch die Schaffung von Importzöllen die aufkommenden heimischen Industriegründungen. Auch die Sozialgesetzgebung des Landes wurde Reformen unterzogen. So kämpfte er während dieser Zeit für die Einführung des Arbeitslosengeldes (1914) und das Universalstimmrecht. Der achtstündige Arbeitstag mit maximal 48 Wochenstunden wurde etabliert (1915) und es erfolgte die Einführung eines Zwangsruhetages nach fünf Arbeitstagen. Arbeitnehmer wurden mittels der Einführung einer den Arbeitgeber belastenden Haftpflichtversicherung gegen Arbeitsunfälle abgesichert und ein modernes Rentensystem mit einer Altersrente ab dem 60. Lebensjahr wurde installiert. Die politischen Veränderungen brachten viel Regierungsbeteiligung in die bis dahin fast freie Wirtschaft. Sowohl die größten Banken des Landes, als auch Eisenbahnen, Straßen, Post und Elektrizitätsgesellschaften wurden verstaatlicht. Die Regierung übernahm den Import ausländischer Produkte einschließlich Maschinen und Rohstoffe. Das Wachstum der Fleischverarbeitungsindustrie stimulierte die Viehindustrie, Uruguays Hauptquelle des Reichtums und der Deviseneinnahmen. Ein weiteres Anliegen waren ihm die Bildung und Ausbildung im Land. Batlle führte nun den kostenfreien Zugang an Hochschulen ein, sowie die Zulassung von Frauen an allen Fachbereichen der Universitäten, also ein umfassendes und kostenloses Schul- und Bildungssystem. Während seiner Amtszeit wurde die Trennung von Staat und Kirche durchgeführt. So erfolgte 1906 das Verbot von Kruzifixen in Krankenhäusern und es wurde die Entfernung von Verweisen auf Gott und das Evangelium bei öffentlichen Vereidigungen durchgesetzt. Ferner fand die Einführung eines ersten Scheidungsrechts statt, das zudem die Scheidung auch auf Wunsch der Frau ermöglichte. 1913 schlug Batlle eine Reorganisation der Regierung vor, die die Präsidentschaft durch ein dem Schweizer Bundesrat ähnliches neunköpfiges Kollegium ersetzen würde. In seine Amtszeit fiel auch die Abschaffung der Todesstrafe.[2] Die Finanzierung dieser Maßnahmen erfolgte über ein maßvolles Abschöpfen der landwirtschaftlichen Exportgewinne, ohne die Großgrundbesitzer gegen seine Politik aufzubringen, da er ihnen stets personelle Regierungsbeteiligung gewährte.

Ehrungen[Bearbeiten]

Die 1883 gegründete Stadt Nico Pérez wurde am 19. März 1907 zu seinen Ehren auf den Namen José Batlle y Ordóñez umbenannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Milton I. Vanger: The Model Country: José Batlle y Ordóñez of Uruguay, 1907-1915., Verlag: University Press of New England, o. O. 1980, ISBN 0-87451-184-4
  • Peter Fellenberg in Biographien zur Weltgeschichte, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1989, S.69

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daten auf rulers.org
  2. "Sport und Gesellschaft in Uruguay", S.8 von Bernd Schulze
Vorgänger Amt Nachfolger
Juan Lindolfo Cuestas Präsident von Uruguay
15. Februar 1899–1. März 1899
Juan Lindolfo Cuestas
Vorgänger Amt Nachfolger
Juan Lindolfo Cuestas Präsident von Uruguay
1. März 1903–1. März 1907
Claudio Williman
Vorgänger Amt Nachfolger
Claudio Williman Präsident von Uruguay
1. März 1911–1. März 1915
Feliciano Viera