José Cardoso Sobrinho

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José Cardoso Sobrinho OCarm (* 30. Juni 1933 in Caruaru, Pernambuco, Brasilien) ist ein römisch-katholischer Geistlicher. Er ist emeritierter Erzbischof des Erzbistums Olinda e Recife.

Leben[Bearbeiten]

Nach seiner Schulzeit studierte Cardoso Sobrinho Katholische Theologie. Er schloss sich 1957 dem Orden der Karmeliten an. 1979 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Bischof des Bistums Paracatu geweiht, 1985 wurde er Nachfolger von Hélder Câmara als Erzbischof von Recife. Zu Beginn seiner Amtszeit als Erzbischof in Recife zog Cardoso in das dortige Bischofspalais, das sein Amtsvorgänger als Anhänger der Befreiungstheologie nicht bewohnt hatte. Als Erzbischof setzte sich Cardoso in Brasilien dafür ein, den Einfluss der Befreiungstheologie in seiner Region zurückzudrängen und die Zunahme des Protestantismus in Brasilien einzudämmen. Er gilt als Gegner des brasilianischen Kardinals Paulo Evaristo Arns aus São Paulo.[1] Am 1. Juli 2009 nahm Papst Benedikt XVI. das von José Cardoso Sobrinho aus Altersgründen vorgebrachte Rücktrittsgesuch vom Amt des Erzbischofs von Olinda e Recife an. Sein Nachfolger ab dem 16. August 2009 ist Fernando Saburido, Bischof von Sobral.

Kontroversen[Bearbeiten]

Im März 2009 geriet José Cardoso Sobrinho in den Mittelpunkt der brasilianischen und internationalen Medienberichterstattung. Ein neunjähriges Mädchen war von ihrem Stiefvater vergewaltigt worden; sie hatte die daraus entstandene Zwillingsschwangerschaft in der 15. Schwangerschaftswoche abgebrochen, da nach Aussage der Ärzte Lebensgefahr für das 36 kg schwere Mädchen bestand. Cardoso sagte in einem Fernsehinterview, dass die Kirche auch in einem solchen Fall keine Ausnahme machen könne, da das „Gesetz Gottes“ höher als „menschliche Gesetze“ stehe. Die Erwachsenen, die der Abtreibung zugestimmt haben, darunter die Mutter des Kindes[2] sowie das durchführende Ärzteteam hätten sich dadurch die Exkommunikation zugezogen.[3] Diese sei, so der Erzbischof mit Bezugnahme auf den Kanon 1398 des Codex Iuris Canonici [4], durch die Durchführung der Abtreibung automatisch eingetreten.[5] Cardoso wurde für seine Aussage vom brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva scharf kritisiert.[6] Der brasilianische Theologieprofessor Joao Batistiole nannte die Haltung des Erzbischofs „hart und schwer zu verstehen“.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. James Brook: Two Archbishops, Old and New, Symbolize Conflict in the Brazilian Church, in: The New York Times vom 12. November 1989.
  2. Mutter von Vergewaltigungsopfer exkommuniziert (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung tagesschau.de vom 5. März 2009
  3. DiePresse.com: Neunjährige muss abtreiben: Beteiligte exkommuniziert
  4. Codex des Kanonischen Rechtes, (Can. 1398), auf www. vatican.va, abgerufen am 10. März 2009
  5. a b ORF: Brasilien - Kritik an Exkommunikation nach Abtreibung bei Neunjähriger vom 27. Februar 2009, abgerufen am 10. März 2009
  6. Schwangerschaftsabbruch bei vergewaltigtem Kind schlägt hohe Wellen AP 6. März 2009

Weblinks[Bearbeiten]