José Carlos Mariátegui

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José Carlos Mariátegui im Jahr 1928

José Carlos Mariátegui la Chira (* 14. Juni 1894 in Moquegua; † 16. April 1930 in Lima), genannt José Carlos Mariátegui, war ein peruanischer Journalist, Autor, Philosoph und Politiker marxistischer Ideengehalte. Mariátegui war 1928 ein Mitbegründer der Partido Socialista del Perú (PSP).[1] Besondere Bedeutung erlangten seine Rezeptionen zum Thema Marxismus.[1] Mit ihnen war er der erste, der diese Prinzipien des Marxismus auf Peru anwenden wollte.[2] Außerhalb Lateinamerikas erreichte er nie eine größere Bekanntheit, trotzdem bewertete Tom O’Lincoln seine Rolle innerhalb der regionalen Revolutionsgeschichte als bedeutend.[3]

Leben[Bearbeiten]

José Carlos Mariátegui sitzend mit seinem Bruder Julio César im Alter von zehn Jahren (1904)

Mariátegui wurde als Sohn von Maria Amalia La Chira Ballejos und Francisco Javier Mariategui Requejo in Moquegua geboren.[4] Er hatte zwei Geschwister, der Vater der Kinder verließ die Familie schon relativ früh, so dass seine Mutter sich gezwungen sah mit den Kindern nach Lima umzuziehen, um das Überleben sicherstellen zu können, da die Familie in großer Armut leben musste.[4][3] Nach einem Schulunfall im Jahr 1902 wurde er nach Lima in ein Krankenhaus eingeliefert, die Genesungszeit betrug vier Jahre. Als Folge blieben Probleme mit seinem Bein und die Vereitelung einer weiteren Schulbildung.[4] 1908 wurde Mariátegui 14-jährig zum Büroboten bei einer Zeitung, bei welcher er bereits 1914 einen Artikel unter dem Pseudonym Juan Croniqueur verfasste.[3][2][5] Diese Affinität zum Medium der Zeitung ließ ihn bis in das Jahr 1919 hinein für die Zeitungen La Prensa, El Tiempo und La Razon arbeiten.[5]In diese Zeit fiel auch seine erste Annäherung an den Sozialismus, da La Razon als linksgerichtet galt, so sprach er 1919 auch das erste Mal bei einem Streik zu den Streikenden, gleichzeitig bedeutete diese Neuausrichtung nach links auch das Ende seiner Zugehörigkeit zur Bewegung Fin de siècle.[5] Auf einer durch ein Stipendium finanzierten Europareise durch Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien sowie weitere Länder in den Jahren 1919–1923 verbrachte er die meiste Zeit in Italien, wo er auch heiratete.[5] Während dieser Zeit kam er mit kommunistischen Führern und Denkern wie Henri Barbuse, Antonio Gramsci oder auch Maksim Gorkij in Berührung, die ihn stark prägten.[6][2] Als er 1923 wieder nach Peru zurückkehrte, gründete er als Journalist die Zeitschrift Amauta,[1] deren Herausgeber er auch bis zu seinem Tod war. Außerdem wurde er im Jahr 1928 noch zusätzlich Herausgeber des Magazins Labor, mit dem er die Organisation der Arbeiter erreichen wollte.[7]

Politisches Engagement[Bearbeiten]

Auf seiner Europareise kam Mariátegui das erste Mal mit sozialrevolutionärem Gedankengut in Verbindung, so dass er sich in Peru an der Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA) unter der Führung Victor Raúl Haya de la Torres beteiligte, bis er 1928 mit der Partido Socialista del Perú seine eigene Partei gründete, da er den Kurs der Stalinisierung nicht mittragen wollte.[1]

Einstellung[Bearbeiten]

Mariátegui vertrat die Ansicht, dass eine Revolution in Peru lediglich unter Ausschaltung des Bürgertums möglich sei, da dieses zu starke Kontakte zu allen anderen konterrevolutionären Klassen hätte. Die einzige Möglichkeit sei die, eines antikapitalistischen, antiimperialistischen Umsturzes, dessen Ziel ein Agrarstaat sein müsse.[1] Mit dieser Theorie griff er der Dependenztheorie André Gunder Franks um Jahre voraus.[1] Er selbst betrachtete sich als Sozialisten und Marxisten.[8] Politisch stand er nach Angaben der Partido Aprista Peruano der 3. Internationalen nahe.[3]

Bedeutung[Bearbeiten]

Jose Aricó behauptete, Mariáteguis Werk (…) remains, fifty years after its publication, the only really significant theoretical work of Latin American Marxism (deutsch: (…) bleibt, 50 Jahre nach seiner Veröffentlichung, das einzige wirklich bedeutende theoretische Werk des lateinamerikanischen Marxismus).[3] Diese Wertschätzung Mariáteguis zeigt sich auch in der peruanischen Parteienlandschaft. So führt die maoistische Guerillagruppe Partido Comunista del Perú – por el Sendero Luminoso de José Carlos Mariátegui (deutsch: Kommunistische Partei Perus – auf dem Leuchtenden Weg José Carlos Mariáteguis) ihren Namen auf ihn zurück. Außerdem beruft sich die Partido Comunista Peruano auf Mariátegui, da er ihre Ursprungspartei, die PSP, selbst gegründet hatte; die Umbenennung ereignete sich bereits wenige Monate nach seinem Tod.[8] Außerdem existiert in Kuba eine Vereinigung peruanischer Studenten, welche sich zu Ehren Mariáteguis Movimiento José Carlos Mariátegui nennt.[9]

Werke[Bearbeiten]

  • 25 años de sucesos extranjeros, Lima: Ed. Palabra, 1945.
  • Defensa del marxismo: Polémica revolucionaria, Lima: Biblioteca Amauta, 1967.
  • Crítica literaria, Buenos Aires: Jorge Alvarez, 1969.
  • Ideología y política, Lima: Amauta, 1971.
  • La escena contemporánea, Lima: Amauta, 1976.
  • Correspondencia, Lima: Amauta, 1984.

Deutschsprachige Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Revolution und peruanische Wirklichkeit: ausgewählte politische Schriften, Frankfurt am Main: Isp-Verlag, 1986. ISBN 3-88332-104-4
  • Sieben Versuche, die peruanische Wirklichkeit zu verstehen, Berlin: Argument, 1986. ISBN 3-88619-360-8 (orig.: Siete ensayos de interpretaciòn de la realidad peruana, Lima: Amauta, 1952.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Hovestadt: Jose Carlos Mariategui und seine Zeitschrift "Amaut"a (Lima, 1926–1930). Lang, Frankfurt am Main / Bern / New York / Paris 1987, ISBN 3-8204-0928-9
  • Manfred Kossok: Ein Leben für die Arbeiterklasse Perus. José Carlos Mariátegui. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. 25. Jg., Berlin 1983, Heft 3, S. 422-428. ISSN 0005-8068
  • Günther Maihold: José Carlos Mariátegui: nationales Projekt und Indio-Problem: zur Entwicklung d. indigenist. Bewegung in Peru, Athenäum, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-610-09711-6
  • Jorge Oshiro Higa: Vernunft und Mythos: das philosophische Denken von José Carlos Mariátegui. ISP, Köln 1996, ISBN 3-929008-10-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: José Carlos Mariátegui – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Biografie Mariáteguis bei Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert von Martina Kaller-Dietrich und David Mayer
  2. a b c Mariátegui in: Microsoft Encarta
  3. a b c d e Tom O'Lincolns Biographie über José Carlos Mariátegui (englisch)
  4. a b c Lebensdaten Mariáteguis bei marxists.org von José Carlos Mariátegui III (englisch)
  5. a b c d Autobiographische Notizen Mariáteguis (englisch)
  6. Christoph Strosetzki: Kleine Geschichte der lateinamerikanischen Literatur im 20. Jahrhundert. Beck, München, 1994, S. 160
  7. Artikel über Mariátegui bei Quetzal
  8. a b Eleonore von Oertzen, Ulrich Goedeking: Peru, 2004, C.H.Beck. ISBN 3-406-50457-4. Bei googlebooks (Seite 76)
  9. Blog österreichischer Studenten in Kuba