José Gabriel Condorcanqui

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tupaq Amaru II.

José Gabriel Tupaq Amaru oder José Gabriel Condorcanqui Noguera, später bekannt als Tupaq Amaru II. (Túpac Amaru II.; * 19. März 1738 in Tinta (heutiges Peru); † 18. Mai 1781 in Cusco) war der Führer eines indigenen Aufstandes gegen die Spanier im Jahr 1780. Trotz Scheiterns der Revolte wurde Tupaq Amaru später glorifiziert und zu einer wichtigen Figur im Kampf um die peruanische Unabhängigkeit und bei der Enteignung der Großgrundbesitzer unter General Juan Velasco Alvarado.

Leben[Bearbeiten]

Als José Gabriel Condorcanqui wurde er 1738 geboren. Seine Mutter Rosa Noguera Valenzuela war Indigene, sein Vater Miguel Condorcanqui ein Spanier; Condorcanqui somit ein Mestize. Er wurde von Jesuiten ausgebildet. Am 25. Mai 1758 heiratete er Micaela Bastidas Puyucahua (geboren in der Umgebung um Abancay) und hatte drei Söhne: Hipólito (geboren 1761), Mariano (geboren 1763) und Fernando (geboren 1770). Es gibt auch die Geschichte, dass er mit Umina Berzeviczy, Tochter von Sebastian Berzeviczy, einem polnischen Abenteurer, und einer Inkaprinzessin Nachkommen hatte.

Als Großgrundbesitzer und Feudalherr nahm er die Ausbeutung der indigenen Bevölkerung wahr und rief nach erfolglosen Klagen und Gerichtsprozessen zum Aufstand gegen die spanische Herrschaft auf. Er erklärte sich zum Erben des Inkareiches; in Erinnerung an den letzten der Inkaherrscher Tupaq Amaru I. († 1572) – von dem er abzustammen behauptete – nannte er sich Túpac Amaru II. Der von ihm angezettelte Aufstand war die erste ernsthafte Auflehnung von Indigenen gegen die spanischen Kolonialherren nach zwei Jahrhunderten. Nach erfolgloser Belagerung von Cusco und Verrat durch europäische Mitstreiter wurde Tupaq Amaru II. 1781 von den Spaniern gefangen genommen, verurteilt und auf der Plaza de Armas in Cusco gevierteilt, wo bereits sein vorgeblicher Ahnherr Tupaq Amaru I. geköpft worden war.

Die Gran Rebelión 1780-1783[Bearbeiten]

Tupaq Amaru war ein Kazike, d. h. der mächtigste Mann seiner Gemeinde nach präkolonialem Vorbild. Als die Spanier die alten Herrschaftstrukturen endgültig aufbrechen wollten, drohte sein Verlust des Titels und somit die Degradierung vom Kaziken zum einfachen Indio. Tupaq Amaru versuchte sein Recht auf den Titel einzuklagen, hatte jedoch keinen Erfolg. Sein Engagement in der Rebellion war keinesfalls uneigennützig: Er versuchte damit seinen Status als Kaziken zu erhalten. Ferner war er bei dem lokalen corregidor, einer Art Verwaltungsbeamten der spanischen Krone, verschuldet. Als er den corregidor Arriaga in November 1780 erhängte, um sich von seinen Schulden zu befreien, löste dies den Beginn der Rebellion aus.[1] Die wichtigsten Ursachen des Aufstandes waren:

  • Die Einführung des reparto 1756

Die Indios wurden dazu gezwungen, ihrem corregidor Waren abzukaufen. Dies sollte den Handel vorantreiben und dazu führen, dass sich die Zahlung mit Geld langsam gegenüber dem Tauschwarenhandel durchsetzte. Die corregidores konnten jedoch selbst die Preise für die Waren festlegen, was wiederum zu einer Ausbeutung der Bevölkerung führte. Somit stand die Bevölkerung unter einem enormen Druck, da sie außerdem noch zu Tributzahlungen verpflichtet war.

  • Die Bourbonischen Reformen von 1777

Mestizen waren vom Tribut und der Mita, der unbezahlten Zwangsarbeit in Minen oder für öffentliche Arbeiten, ausgeschlossen. Durch die bourbonischen Reformen sollte ein neuer Zensus durchgeführt werden, in dessen Rahmen Mestizen ihren ethnischen Status neu belegen sollten. Es war zu befürchten, dass zahlreiche Mestizen dadurch als Indios registriert würden, was ihre Verpflichtung zum Tribut und der Mita mit sich gebracht hätte. Diese Tatsachen erklären die Mitwirkung von Teilen der mestizischen Bevölkerung bei der Rebellion. Weiterhin war die koloniale Gesellschaft von der Anhebung der Alcabala, einer Steuer, von 2 % auf 4 % und dann auf 6 % betroffen: Die Steuererhöhung hatte große Gewinneinbußen zur Folge. Zunehmend ersetzten auch Spanier aus dem Mutterland im Land geborene kreolische Beamte.

  • Die Teilung Perus in zwei Vizekönigreiche

Im Zuge der Reformen wurde das Vizekönigreich des Río de la Plata von Peru abgetrennt, was zur Folge hatte, dass die traditionellen Handelsrouten abgeschnitten wurden. Dadurch stieg der Druck auf die Händler, da sie sich neue Märkte suchen oder die Zahlung von Zöllen in Kauf nehmen mussten.

Die Rebellion an sich lässt sich in zwei Phasen teilen: In der ersten Phase war Tupaq Amaru der Anführer. In der Basis war die Rebellion indigen geprägt, allerdings bemühte sich Túpac Amaru sehr um die Einbindung anderer sozialer Gruppen der Kolonialgesellschaft und bewegte sich letztlich innerhalb von deren Logik. Er wurde von zahlreichen Mestizen unterstützt und hatte auch vereinzelt Criollos sowie Teile des Klerus an seiner Seite. In der Hierarchie der Rebellion spiegelte sich jene der kolonialen Gesellschaft deutlich wider: fast alle Anführer waren Criollos oder Mestizen, nur wenige Indios; Schwarze waren gänzlich von führender Beteiligung ausgeschlossen. Damit kann man Túpac Amarus Aufstand zwischen einem Indianeraufstand und einem Konflikt zwischen Kolonie und Metropole einordnen. In der zweiten Phase übernahm Tupaq Katari, ein Verwandter Tupaq Amarus, nach dessen Tod das Kommando. Tupaq Katari hatte eine radikalere Politik, die sich gegen alle Weißen richtete, so dass sich die Mestizen und Kreolen zurückzogen. Generell lässt sich sagen, dass sich die Rebellion Tupaq Amarus durch das Netz der Verwandtschaft auszeichnete, das gegenseitige Unterstützung und Loyalität garantierte. Es war nicht die erste Rebellion gegen die spanischen Kolonialherrscher. Die Rebellion unter Juan Santos Atahualpa (ca. 1742–1750) dauerte viel länger, hatte aber nicht eine solche Auswirkung wie die Tupaq Amarus. Der Vorteil der letzteren bestand darin, dass sie sich in den südlichen Anden abspielte, wo sich die Silberminen befanden und die für den Handel strategisch wichtig war. Dadurch konnte sie die koloniale Wirtschaft erheblich schädigen. Ein Grund für das Scheitern der Rebellionen ist darin zu sehen, dass es Rivalitäten zwischen den Kaziken gab. Diese Konflikte zwischen den Stammesherrschern bestanden schon zu präkolonialen Zeiten und setzten sich dann weiter fort. Die Kaziken spalteten sich in das rebellische und das der Krone treue Lager. Das Unvermögen, im Interesse der Indios zusammenzuarbeiten, führte letztendlich zum Scheitern der Rebellionen.

Populärkultur[Bearbeiten]

  • Von beiden Tupaq Amaru erzählt die Popularlegende in Peru, dass ihre gevierteilten Leiber unter der Erde wieder zusammenwüchsen. Ihre Wiederkehr als Inkarrí (Inkakönige) wird zur mythischen Zeitenwende Pachakuti erwartet.
  • Während des Militärregimes 1968–1980 wurde Tupaq Amaru von der Junta als Symbol für die Ideale der Revolution gewählt.
  • Die Tupamaros, eine linke Untergrundbewegung in Uruguay ab 1969, benannten sich nach Tupaq Amaru II. Diese Gruppe wurde zum wichtigsten Vorbild für die deutsche Rote Armee Fraktion.
  • In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erlangte der Rapper 2Pac oder Tupac Shakur große Berühmtheit, die sich nach seiner Ermordung noch steigerte.

Schreib- und Sprechweise des Namens[Bearbeiten]

  • Schreibweise auch: Tupaj oder Túpac Amaru.
  • Sprechweise: Túpach Amáru (Quechua für "Erhabene Schlange"); Condorcanqui, auch: Kunturkanki (Quechua für "du bist ein Kondor")

Literarische Bearbeitungen[Bearbeiten]

  • Alfred Antkowiak: Tupac Amaru oder Die letzte Rebellion des Inca. Die Memoiren des Geheimschreibers Mercurio Klugmans (Historischer Roman), Mitteldeutscher Verlag, Halle, 1976
  • Ralf Höller: José Gabriel Condorcanqui (Túpac Amaru). Mythos eines immer wiederkehrenden Aufstandes. Derselbe in: Der Kampf bin ich. Rebellen und Revolutionäre aus sechs Jahrhunderten. Seite 89 ff., Aufbau TB Verlag, Berlin 2001.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.educared.edu.pe/estudiantes/historia4/tupac_amarud.htm