Josef-Schulz-Mythos

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Der Josef-Schulz-Mythos (gelegentlich auch „Josef Schultz“ geschrieben) ist der Mythos von einem Wehrmachtsoldaten namens Josef Schulz, der 1941 im Zweiten Weltkrieg während der Besetzung Jugoslawiens durch die deutsche Wehrmacht von seinen eigenen Leuten erschossen worden sein soll, nachdem er sich geweigert haben soll, Geiseln zu erschießen.

Der Mythos ist im ehemaligen Jugoslawien weit verbreitet. Zwei Filme wurden in Jugoslawien gedreht, die von dieser angeblichen Heldentat handeln und noch 2009 wurde in Smederevska Palanka in Serbien eine Straße nach Josef Schulz benannt.[1] In Kragujevac existiert ein Josef-Schulz-Denkmal.[2] Bereits in den 1970er Jahren wurde allerdings bei Archivdurchsichten festgestellt, dass als Tag der Todesmeldung von Josef Schulz offiziell bereits der Tag vor der Geiselerschießung vermerkt ist.[3] Die Geschichte kann daher als Mythos bezeichnet werden. Im Zusammenhang mit der sogenannten Wehrmachtsausstellung wurde der Fall erstmals in Deutschland breit diskutiert. Der Josef-Schulz-Mythos ist Teil des „Guter-Deutscher-Mythos“, der sich auf die Behauptung einer „sauberen Wehrmacht“ bezieht.

Angebliche Fakten[Bearbeiten]

Josef Schulz soll ein Wehrmacht-Gefreiter aus Wuppertal gewesen sein, der sich als Angehöriger der 714. Infanterie-Division am 20. Juli 1941 in dem Ort Smederevska Palanka in Jugoslawien weigerte, sich an der Erschießung von 16 Partisanen zu beteiligen. Daraufhin soll er selbst erschossen worden sein. Tatsächlich wurde der Gefreite Schulz bereits einen Tag eher bei einem Partisanenüberfall getötet.[4]

Als Beleg für die vorgebliche Erschießung wegen Befehlsverweigerung dient häufig ein Foto, das eine Reihe von Männern mit verbundenen Augen zeigt, vor denen drei Wehrmachtsoldaten zu sehen sind: Zwei von ihnen haben Gewehre, beim Dritten ist zumindest keine Waffe zu sehen und er befindet sich ein Stück vor den anderen beiden, Richtung Geiseln. Dieses Foto soll Josef Schulz zeigen, wie er sich nach seiner Befehlsverweigerung zu den zu Erschießenden begibt.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Michael Martens: Heldensuche. Die Geschichte vom Soldaten, der nicht töten wollte. Paul Zsolnay Verlag, 25. Juli 2011, S. 400.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nemac odbio da strelja partizan. www.vesti-online.com, 3. November 2009
  2. Rüdiger Rossig: „Sie wollen die Geschichte glauben“. In: die tageszeitung. 27. Juli 2011, abgerufen am 27. Juli 2011.
  3. Bethke: Das Bild des deutschen Widerstandes gegen Hitler In (ex-) Jugoslawien (pdf; 139 kB) Society for Serbian-German Co-operation. S. 10–12. 2002. Abgerufen am 28. Juli 2011.; ebenfalls veröffentlicht in Karl Bethke: Das Bild vom deutschen Widerstand gegen Hitler im ehemaligen Jugoslawien. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Der deutsche Widerstand gegen Hitler. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002, ISBN 9783534131464, S. 111–122.
  4. http://www.hrb.at/bzt/doc/zgt/b11/dokumente/zivilcourage_w_wette.pdf
  5. http://www.militaryphotos.net/forums/showthread.php?167524-He-shot-the-hero-of-the-Great-Escape-in-cold-blood Abbildung des Fotos mit einmontiertem Pfeil, der auf Josef Schulz zeigen soll (etwas Scrollen nötig)