Josef Gabriel Rheinberger

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Josef Rheinberger (Foto aus den 1880er Jahren)

Josef Gabriel von (seit 1894) Rheinberger (* 17. März 1839 in Vaduz; † 25. November 1901 in München), getauft auf Gabriel Joseph, wurde in Liechtenstein geboren, kam aber mit zwölf Jahren zur musikalischen Ausbildung nach München und wirkte dort sein Leben lang als Komponist und Musikpädagoge, so dass er häufig als deutscher Komponist bezeichnet wird. Er war der Onkel des Künstlers Egon Rheinberger.

Leben[Bearbeiten]

Geburtshaus von Josef Rheinberger in Vaduz
Tafel am Geburtshaus
Fanny und Josef Rheinberger
Gedenktafel und Büste Rheinbergers
Gedenktafel an seinem früheren Wohnhaus in der Fürstenstrasse in München

Der 1839 in Vaduz geborene Josef Gabriel Rheinberger zeigte schon früh ungewöhnliche Musikalität. Er versah bereits als Siebenjähriger den Organistendienst in seinem Heimatort und kam mit 12 Jahren zur Ausbildung an das Münchner Konservatorium, wo er seine Kommilitonen bald überflügelte und bereits zahlreiche Werke schuf. Bis 1854 besuchte er die von Franz Hauser geleitete Musikschule und wurde von Johann Georg Herzog (Orgel) und Julius Joseph Maier (Kontrapunkt) unterrichtet. Privat bildete er sich bei Franz Lachner weiter. Als er 19 Jahre alt war, bot ihm das Konservatorium eine Dozentur für Klavier, später für Orgel und Komposition an, die er bis kurz vor seinem Lebensende ausübte. In der Biografie von Rheinberger taucht mehrmals der Name Martin Vogt (1781–1854) auf. Beim Artikel über Martin Vogt steht das folgende Zitat: „Die Staatsbibliothek München besitzt einen umfangreichen handschriftlichen Notenband mit Originalkompositionen von Martin Vogt in der Abschrift von Josef Gabriel Rheinberger.“

Rheinberger gehörte zu den erfolgreichen Komponisten seiner Zeit, an den Verleger, Musiker und Chöre mit Kompositionsaufträgen herantraten. Als Hofkapellmeister des bayerischen Königs Ludwigs II. nahm er seit 1877 eine zentrale Position innerhalb der katholischen Kirchenmusik in Deutschland ein. Er komponierte lateinische Messen und Motetten, die in ihrer Unabhängigkeit von den einengenden Vorschriften der cäcilianischen Kirchenmusikreformer seiner Zeit wegweisend waren. Er war als Kompositionslehrer am Münchner Konservatorium eine Kapazität von internationalem Rang. Zu seinen Schülern zählten unter vielen anderen Hans von Koessler, Engelbert Humperdinck, Ermanno Wolf-Ferrari, Joseph Renner jun., Lothar Windsperger und Wilhelm Furtwängler sowie eine ganze Generation junger US-amerikanischer Komponisten (z. B. Horatio Parker und George Chadwick). Zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Ritterkreuz des päpstlichen Gregoriusordens (1879), das Komturkreuz des Bayerischen Kronenordens und der Ehrendoktor der Universität München spiegeln den Erfolg des gebürtigen Liechtensteiners wider.

Seit 1867 war Rheinberger mit der Dichterin Franziska von Hoffnaaß („Fanny“) verheiratet, die Texte für einige seiner Vokalwerke verfasste (so auch für die Kantate Der Stern von Bethlehem).

Rheinberger wurde auf dem Alten Südfriedhof in München bestattet. 1949 wurde das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Grab auf den Friedhof der Pfarrei St. Florin in seinen Heimatort Vaduz verlegt. Seit 1989 ruhen dort Rheinberger und seine Frau in einem Ehrengrab. Als Andenken an das Schaffen Rheinbergers wurde im Jahr 1940 außerdem ein Denkmal vor seinem Geburtshaus in Vaduz erstellt.

Bedeutung[Bearbeiten]

Rheinberger gehört zu den Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die nach Jahren des Vergessens zunehmend in das Bewusstsein von Musikpraxis und Musikforschung zurückgekehrt sind. Sein umfangreiches Oeuvre, darunter allein 197 mit Opuszahl veröffentlichte Werke, umfasst Klaviermusik, Orgelmusik, geistliche und weltliche Chormusik, Sololieder, Kammermusik, Sinfonien, Konzertouvertüren, Schauspielmusiken und Opern. Rheinberger war ein entschiedener Klassizist, der Mozart und Bach zu seinen großen Leitbildern erhob. Auch wenn er die Musikgeschichte nicht nachhaltig prägen konnte, so steht er doch als großer Lehrer und bedeutender Repräsentant einer vielfältigen Musikkultur am Ende der klassisch-romantischen Epoche. Zur Förderung und Verbreitung seines vielseitigen Schaffens im heutigen Kulturleben wurde im Jahre 2003 die Internationale Josef-Gabriel-Rheinberger-Gesellschaft gegründet.

Werke[Bearbeiten]

Diese Aufzählung berücksichtigt nur die von Rheinberger selbst mit Opuszahlen versehenen Werke.

  • geistliche Vokalwerke
  • dramatische Musik
  • weltliche Chormusik
    • Chorballaden
    • Gesangsensembles mit und ohne Begleitung
    • gemischte Chöre
    • Frauenchöre
    • Männerchöre
  • 12 Lieder für eine Singstimme und Klavier
  • Orchestermusik
    • 2 Sinfonien
    • 3 Ouvertüren
    • 4 Solokonzerte (darunter 1 Klavierkonzert, 2 Orgelkonzerte F-Dur op. 137 und g-Moll op. 177)
  • Kammermusik
    • Streichquartette, Streichquintette, Klaviertrios, Sonaten für Soloinstrumente und Klavier
      • u. a. Sonate für Klarinette und Klavier op. 105 a
    • 4 Klaviersonaten
  • Orgelwerke
    • 2 Orgelkonzerte
    • 20 Orgelsonaten
    • 12 Fughetten op 123
    • 12 Monologe op. 162
    • 12 Meditationen op. 167
    • Präludien, Trios, Charakterstücke,
    • Werke für Violine bzw. Oboe und Orgel

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Dienst: Rheinberger, Joseph Gabriel. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 8, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0, Sp. 134–136.
  • Stephan Hörner: Rheinberger, Josef Gabriel von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 489 f. (Digitalisat).
  • Hans-Josef Irmen: Thematisches Verzeichnis der musikalischen Werke Gabriel Josef Rheinbergers. (Studien zur Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts; Bd. 37). Forschungsunternehmen der Fritz Thyssen Stiftung. Arbeitskreis Musikwissenschaft. Regensburg 1974.
  • Hans-Josef Irmen: Gabriel Joseph Rheinberger als Antipode des Cäcilianismus. (Studien zur Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts; Bd. 22). Forschungsunternehmen der Fritz Thyssen Stiftung. Arbeitskreis Musikwissenschaft. Regensburg 1970.
  • Hans-Josef Irmen, Harald Wanger: Gabriel Joseph Rheinberger. Briefe und Dokumente. 9 Bände. Vaduz 1982–1988.
  •  Birger Petersen-Mikkelsen, Martin West (Hrsg.): Gabriel Josef Rheinberger und seine Zeit: Die Referate des Symposions anläßlich der 15. Internationalen Orgelwochen Eutin 2001. Books on Demand GmbH, 2002, ISBN 978-3-8311-3873-9.
  •  Harald Wanger: Josef Gabriel Rheinberger. Leben und Werk in Bildern.. Carus Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-923053-56-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Josef Gabriel Rheinberger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien