Josef Jakobs

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Tower of London

Josef Jakobs (* 30. Juni 1898 in Luxemburg; † 15. August 1941 in London) war ein deutscher Spion im Zweiten Weltkrieg und der letzte Mensch, der im Tower of London hingerichtet wurde.

Leben[Bearbeiten]

Jakobs, der als deutscher Staatsangehöriger in Luxemburg geboren wurde, diente im Ersten Weltkrieg in der deutschen Infanterie und stieg dort in den Dienstgrad eines Leutnants auf. Im Juni 1940 wurde er zunächst als Leutnant in den Zweiten Weltkrieg eingezogen. Als bekannt wurde, dass Jakobs zuvor straffällig geworden war und von 1935 bis 1937 in der Schweiz im Gefängnis gesessen hatte, musste er den Dienst als Offizier quittieren. Nach seiner Degradierung zum Feldwebel wurde er in den meteorologischen Dienst der Wehrmacht versetzt. Außerdem arbeitete er für die Spionageabteilung der Wehrmacht.

In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1941 sprang Josef Jakobs mit dem Fallschirm aus einem in Amsterdam gestarteten Flugzeug über britischem Boden ab. Dabei brach er sich den rechten Knöchel und das rechte Bein. Auf einem Feld in der Nähe der Kleinstadt Ramsey in der damaligen Grafschaft Huntingdonshire wurde er gehunfähig aufgefunden, festgenommen und in das Gefängnis im Londoner Stadtteil Brixton gebracht. Unter anderem hatte er gefälschte Identitätspapiere, britisches Bargeld und einen Funksender bei sich. Die Spionageabwehr der britischen Armee prüfte zunächst, ob Jakobs als Doppelagent in Frage kommen könnte.

Nachdem man sich gegen eine solche Verwendung entschieden hatte, wurde Josef Jakobs am 4. August 1941 vor ein in Chelsea nichtöffentlich und geheim tagendes Militärgericht gestellt und am 5. August nach dem Treachery Act, einem 1940 verabschiedeten Antispionagegesetz, der versuchten Spionage zu Gunsten des Feindes schuldig gesprochen und zum Tod durch Erschießen verurteilt. Er selbst hatte auf nicht schuldig plädiert. Nach dem Urteil wurde Jakobs aus unbekannten Gründen in den Tower of London verbracht, wo zu dieser Zeit auch Rudolf Heß gefangen gehalten wurde. Jakobs stellte erfolglos ein Gnadengesuch an König Georg VI., in dem er behauptete, er wollte zum Vereinigten Königreich überlaufen, um gegen die Nazis zu kämpfen. Er bat darum, das Todesurteil bis Kriegsende auszusetzen, um dann seine Unschuld beweisen zu können.

Am Morgen des 15. August 1941 wurde Josef Jakobs im Tower of London von einem achtköpfigen Erschießungskommando der Scots Guards hingerichtet. Weil er wegen seiner Knochenbrüche im rechten Bein nicht stehen konnte, fesselte man ihn für seine Erschießung sitzend an einen Stuhl. Dieser Stuhl gehörte zu den Exponaten einer öffentlichen Ausstellung im Tower im Jahr 2004.[1] Als Katholik wurde Jakobs auf dem katholischen Friedhof St. Mary's in Kensal Green in einem unmarkierten Grab beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Powell: Last execution in the Tower of London. In: Michael Powell: Curious Events in History. Sterling Publishing, New York 2008, ISBN 978-1402-763-076, S. 122–125. (englisch)
  • Simon Akstinat: Tod im Tower. In: Simon Akstinat: Teste deine Allgemeinbildung – Ach ja!? Faszinierende Fakten. Originalausgabe, Humboldt, Baden-Baden 2004, ISBN 3-89994-018-0, S. 148.
  • Daniel Diehl, Mark P. Donnelly: The Weatherman: Josef Jakobs. In: Daniel Diehl, Mark P. Donnelly: Tales from the Tower of London. Stroud, Sutton 2004, ISBN 0-7509-3496-4, S. 186–192, 198. (englisch)
  • Leonard Sellers: Shot in the Tower. The story of the spies executed in the Tower of London during the First World War. Cooper, London 1997, ISBN 0-85052-553-5, S. 179. (englisch; Hinweis: Während der Hauptteil des Buches sich mit elf Spionen befasst, die im Tower of London während des Ersten Weltkriegs erschossen wurden, wird die Hinrichtung von Josef Jakobs in einem Anhang behandelt.)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.dw-world.de/dw/article/0,,1185883,00.html Deutsche Welle 30. April 2004, aufgerufen 6. September 2009