Josef Koudelka

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Josef Koudelka (* 10. Januar 1938 in Boskovice, Tschechoslowakei) ist ein tschechischer Fotograf.

Josef Koudelka, 1987

Leben[Bearbeiten]

Er erhielt eine Ausbildung zum Luftfahrtingenieur an der Universität Prag 1961–1967. Parallel dazu war er seit den 1960er-Jahren als Reportagefotograf insbesondere für das Theatermagazin „Divadlo“ tätig. Von 1965 bis 1970 war er Theaterfotograf für das Prager Theater za Branou, und Mitglied der Vereinigung tschechoslowakischer Künstler. 1968 hatte er bahnbrechende Arbeiten während des sowjetischen Einmarsches in die CSSR gemacht. 1970 erfolgte der Umzug nach London. Danach war er von 1971–1980 freiberuflicher Fotograf bei der Fotoagentur Magnum. Koudelka lebt seit 1980 in Paris.

Werk[Bearbeiten]

Koudelka schuf in den 1960er-Jahren ausgedehnte Zyklen über das Leben der rumänischen Landbevölkerung. Die Roma waren dabei eines seiner Hauptthemen, deren Leben er aus einer Innenperspektive und familiären Nähe heraus schilderte.

Insbesondere aber seine Fotografien während der sowjetischen Besetzung des „Bruderstaates“ CSSR 1968, die das Ende des Prager Frühlings bedeutete, machten ihn auch im Westen einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Diese Fotografien wurden ursprünglich heimlich aus der CSSR an Elliott Erwitt, den damaligen Präsidenten der Fotoagentur Magnum, weitergeleitet und zum ersten Jahrestag der Invasion 1969 durch die Agentur in zahlreichen Zeitschriften veröffentlicht. Zum Schutz Koudelkas und seiner Familie schrieb die Agentur seine Bilder einem „unbekannten Fotografen“ zu. Der Overseas Press Club verlieh dem „anonymen tschechischen Fotografen“ im gleichen Jahr seine Robert Capa Gold Medal. Da die Urheberschaft aber von der tschechoslowakischen Polizei leicht aufzudecken gewesen wäre, entschloss sich Koudelka 1970 von einer Reise nach Westeuropa, wo er das Leben der Roma auf Einladung von Magnum dokumentieren sollte, nicht wieder in seine Heimat zurückzukehren. Einige dieser Bilder werden heute als Sinnbilder der Besetzung betrachtet und gelten als Meilensteine des künstlerischen Fotojournalismus des 20. Jahrhunderts. Erst 1984 bekannte er sich öffentlich zu seiner Urheberschaft. In der Tschechoslowakei wurden seine Aufnahmen erstmals 1990 in einer eigenständigen Beilage der Zeitschrift Respekt veröffentlicht.

Koudelkas Schwarzweißfotografien fallen durch ausgeprägte grafische Abstraktion auf und waren prägend für weitere Generationen von Fotojournalisten. Die Menschen wirken auf den Bildern oft verloren, auch weil Koudelka sie gerade in den Grenzbereichen des Menschlichen Lebens fotografierte. Gleichzeitig haben viele seiner Arbeiten einen grotesken bis humoristischen Aspekt. Die Bilder künden trotz ihrer formalen Strenge von einem tiefen Humanismus.

Zitat[Bearbeiten]

„Kauf dir ein paar gute Schuhe!“ war die Antwort Koudelkas an einen jungen Fotografen, ob er ihm nicht einen Tipp für seine Karriere geben könnte.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Invasion Prag 68. Schirmer/Mosel, München 2008, ISBN 978-3-8296-0359-1 (Vorwort und Chronologie von Jaroslav Cuhra, Jiři Hoppe und Jiři Suk; Nachwort von Irena Šorfová)
  • Josef Koudelka, Robert Delpire, Dominique Edde, Anna Farová: Koudelka: Retrospektive. Edition Braus, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-89904-234-4.
  • Josef Koudelka: "Roma", Verlag Steidl, ISBN 978-3-86930-388-8

Ausstellungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite des Museums zur Ausstellung, abgerufen am 27. April 2014.