Joseph Kyselak

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Joseph, auch Josef Kyselak (* 22. Dezember 1799 in Wien; † vermutlich 17. September 1831 ebenda) war Alpinist und Hofkammerbeamter in Wien. Bekannt wurde er weniger für seine Reisebeschreibungen als für die merkwürdige Gewohnheit, auf Wanderungen seinen Namen in großen Buchstaben zu hinterlassen. Dies brachte ihm Berühmtheit und die Aufnahme in Wurzbachs Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Er gilt durch die Hinterlassung seines Namens im öffentlichen Raum als Vorläufer des modernen Taggens und der Graffiti-Kultur.

Biografie und Lebenslegende[Bearbeiten]

Kyselak wuchs in einer Hofbeamtenfamilie auf. Er besuchte das Piaristen-Gymnasium in der Josefstadt und legte dort seine Matura ab. Anschließend studierte er einige Semester Philosophie an der Wiener Universität, ohne einen Abschluss zu erlangen. Als Praktikant bekam er eine Anstellung in der Behörde, in der auch sein Vater tätig war: der k. k. Privat-, Familien- und Vitikalfondskassenoberdirektion. Nach sieben Jahren als Praktikant wurde er 1825 zum Registratur-Accessisten befördert.

Angeblich begann er infolge einer Wette, nach der er in drei Jahren in der ganzen Monarchie bekannt werden sollte, seinen Namen bzw. „Kyselak war hier!“ auf allerlei Plätze im Kaisertum Österreich zu schreiben und zu ritzen, gerne auch auf die unzugänglichsten Berge. Der Wettgewinn soll ihm bereits nach eineinhalb Jahren ausbezahlt worden sein.

Kyselaks Inschrift an der Säule im Wiener Schwarzenbergpark

Ihm wurde sogar angedichtet, den Chimborazo in Ecuador erklommen zu haben, so dass Alexander von Humboldt dort den Schriftzug Kyselak 1837 vorgefunden haben soll. Allerdings bestieg von Humboldt den Chimborazo schon 1802, und außerdem war Kyselak 1837 bereits sechs Jahre tot. Die Legende besagt weiter, dass Kyselak zum Kaiser gerufen wurde, nachdem er ein kaiserliches Gebäude „beschmiert“ hatte. Franz I. verbot ihm daraufhin, je wieder seinen Namen irgendwohin zu schreiben, woraufhin Kyselak Besserung gelobte. Als er wieder gegangen war, fand der Kaiser Kyselaks Namen und das Datum an seinem Schreibtisch eingraviert.

Trotzdem erwähnt Kyselak in seinen 1829 veröffentlichten Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien – nebst einer romantisch pittoresken Darstellung mehrerer Ritterburgen und ihrer Volkssagen, Gebirgsgegenden und Eisglätscher auf dieser Wanderung, unternommen im Jahre 1825 seine Manie selten, so etwa bei seinem Besuch der Schlossruine Kapfenberg: Ich bezeichnete diese merkwürdige Wand, an der ich mich nun fest anklebte, groß mit schwarzer Jahreszahl.

Kyselak fiel schließlich der Cholera-Epidemie von 1831 zum Opfer. Es scheint wahrscheinlich, dass er sich über das frische Obst infizierte, das er trotz aller Warnungen täglich aß. Und selbst, als er sich bereits angesteckt hatte, weigerte er sich beharrlich, einen Arzt aufzusuchen.[1]

Nachwirken[Bearbeiten]

Kyselaks Name wirkt über seinen Tod weiter. Ein Gedicht von Joseph Victor von Scheffel endet beispielsweise mit den Worten:[2]

Illustration zum Gedicht von Scheffels
Kyselak Inschrift auf einer Felswand in der Wachau
…Schwer empört schau ich das wilde
Denkmal wilder Menschenart …
Sieh – da winkt versöhnlich milde
Auch ein Gruß der Gegenwart:
Schwindlig ob des Abgrunds Schauer
Ragt des höchsten Giebels Zack
Und am höchsten Saum der Mauer
Prangt der Name — KISELAK.

Auch einige von Kyselaks Inschriften sind noch erhalten, z. B. auf einem Obelisken im Wiener Schwarzenbergpark, am Wehrturm von Perchtoldsdorf und auf einer Felswand in der Wachau zwischen Krems und Dürnstein bei Rothenhof. Heute noch ist der Name „Kyselak“ auf diversen Wänden und Plätzen anzutreffen, wenngleich oft in verstümmelter Form, z. B. als „Kisselak“. Er selbst schrieb jedoch immer „Kyselak“. Die meisten der bekannten Kyselak-Namenszüge müssen jedoch als moderne Fälschungen betrachtet werden.

In dieser Tradition stehen später auch „Kilroy was here“ und Peter-Ernst Eiffe.

Um 1960 herum schrieben Konrad Bayer und Gerhard Rühm ein absurdes Sprechstück mit dem Titel "kyselak". [3]

1970 schrieb Herbert Rosendorfer eine kurze Erzählung "Keine Spur von Kyselack".

1882/83 verwendete Hermann Bahr das Pseudonym "Kieselak", um für das Linzer Sonntagsblatt deutschnationale und antisemitische Texte zu schreiben.[4]

Seit 2010 gibt es einen Nachahmer im Raum Wien, denn an einigen Stellen, an denen bisher keine Aufschriften vorhanden waren, wie bei der Wilhelmswarte am Anninger, tauchte der Name auf.[5]

Film[Bearbeiten]

Nikolaus Barton als Joseph Kyselak
  • Kyselak war da – Graffiti anno 1825

Filmische Dokumentation der Ergebnisse des Forschungsprojekts. Produziert wurde auch eine englische Fassung der Dokumentation (voice-over-synchro) unter dem Titel Kyselak, the first graffiti-tagger.

Literatur[Bearbeiten]

  • Constant von Wurzbach: Kyselak, Joseph, in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 13 (1865), S. 444-448 (Digitalisat)
  • Karl Ziak: Kyselak. Danubia Verlag, 1948 (Roman)
  • Hanus–Hösch: Kyselak Joseph. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 389.
  • Ernst Gehmacher: Zu Fuss durch Österreich. Skizzen einer Wanderung nach einer romantisch pittoresken Darstellung mehrerer Gebirgsgegenden und Eisglätscher unternommen im Jahre 1825 von Joseph Kyselak, nachgegangen und nachgedacht von Ernst Gehmacher, Molden Verlag, Wien, 1982
  • Michael Robin: Kyselak Was Here: Scenes from a Life. Ascog Press, 2003, ISBN 0-9545989-1-1 (engl., fiktionale Biografie Kyselaks)
  • Joseph Kyselak / Gabriele Goffriller (Hrsg.): Skizzen einer Fußreise durch Österreich, Jung und Jung, 2009, ISBN 978-3-902497-52-9 (Neuauflage des ungekürzten Originaltexts von 1829, begleitet von den Ergebnissen des Forschungsprojekts)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://homepages.phonecoop.coop/mjmitchell/Kyselak/kyselak.html#death
  2. http://www.zeno.org/Literatur/M/Scheffel,+Joseph+Viktor+von/Gedichte/Gaudeamus.+Lieder+aus+dem+Engeren+und+Weiteren/Aus+dem+Weiteren/Der+Aggstein
  3. "kyselak" von Konrad Bayer und Gerhard Rühm als mp3-Download bei ubu.com
  4. http://www.univie.ac.at/bahr/?q=node/3093
  5. Der Anninger-Geschichte vom 6. November 2011 abgerufen am 26. November 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joseph Kyselak – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien