Josef Schwammberger

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Josef Schwammberger (* 14. Februar 1912 in Brixen, Südtirol; † 3. Dezember 2004 im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg bei Ludwigsburg[1]) war in der Zeit des Nationalsozialismus SS-Oberscharführer, Ghetto- und Lagerkommandant.

Leben[Bearbeiten]

Schwammberger, von Beruf kaufmännischer Gehilfe, wurde aufgrund seines 1933 erfolgten Beitritts zur SS aus Österreich ausgebürgert. Der NSDAP trat er 1938 bei. Während des Zweiten Weltkrieges war er als Kommandant in verschiedenen SS-Zwangsarbeiterlagern im Distrikt Krakau tätig und ab Oktober 1941 dem SS- und Polizeiführer Julian Scherner in Krakau unterstellt. Schwammberger leitete das Ghetto in Przemyśl von Januar 1942 bis Februar 1944 und anschließend das Arbeitslager Mielec. Im Juli 1945 wurde er in Innsbruck als Josef Hackl verhaftet. Nach seiner im Januar 1948 erfolgten Flucht aus der Internierung war Schwammberger bis zum 13. November 1987 flüchtig. Er wurde am 3. Mai 1990 von Argentinien an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Für seine Ergreifung hatte das Land Baden-Württemberg knapp 500.000 DM gezahlt.

In dem fast einjährigen Prozess von 1991 bis 1992 vor dem Landgericht Stuttgart bestritt Schwammberger stets die ihm vorgeworfenen Verbrechen. Er räumte lediglich ein, das Ghetto A im Lager Przemyśl geleitet zu haben. Am 18. Mai 1992 wurde er vom Landgericht Stuttgart wegen Mordes und Beihilfe dazu an 650 Personen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, die er in der Justizvollzugsanstalt Mannheim verbüßte.

Im August 2002 lehnte das Landgericht Mannheim eine vorzeitige Entlassung wegen der besonderen Schwere der Schuld ab. Schwammberger mordete laut Gerichtsurteil willkürlich aus Rassenhass und gegenüber Juden habe er dabei besonders grausam gehandelt.

Seine Ehefrau Käthe Schwammberger starb 2004 im Alter von 87 Jahren in Argentinien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-596-16048-8.
  • Gerald Steinacher, Nazis auf der Flucht. Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen. Studienverlag, Wien-Innsbruck-München 2008, ISBN 978-3-7065-4026-1.
  • Almut Greiser, Der Kommandant Josef Schwammberger. Ein NS-Täter in der Erinnerung von Überlebenden. Aufbau-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-351-02731-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. RP Online: NS-Verbrecher Schwammberger ist tot, 3. Dezember 2004