Josef Stangl

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Bischof Josef Stangl (1907–1979)

Josef Stangl (* 12. August 1907 in Kronach; † 8. April 1979 in Schweinfurt) war Bischof von Würzburg von 1957 bis 1979.

Herkunft, Schul- und Studienzeit[Bearbeiten]

Stangl wurde als Sohn eines Juristen geboren, hatte fünf Geschwister und besuchte während des Ersten Weltkrieges, an dem sein Vater als Offizier im Rang eines Majors teilnahm, eine einklassige Dorfschule in Heidenheim und ab 1916 das Alte Gymnasium in Bamberg. Stangl wohnte wegen der schlechten Verkehrsverbindungen im Bamberger kirchlichen Heim Aufseesianum.

Ab 1921 besuchte er das Neue Gymnasium in Würzburg, wo er sein Abitur machte, und wohnte im dortigen Ferdinandeum, einem ebenfalls kirchlichen Wohnheim.

Während seiner Würzburger Schulzeit war Stangl Mitglied in der katholischen Jugendorganisation Bund Neudeutschland sowie in der Marianischen Kongregation. Für den Beruf des Priesters hatte Stangl sich bereits entschieden, als er im April 1925 sein Reifezeugnis erhielt. Nach einem Semester an der Universität München nahm er sein Philosophie- und Theologiestudium in Würzburg auf und trat 1926 in das Würzburger Priesterseminar ein. Als begeisterter Sportler trat er 1927 der DJK (Deutsche Jugendkraft) bei und erwarb noch 1952 das Deutsche Sportabzeichen in Gold.

Berufliches Leben bis zur Bischofsweihe[Bearbeiten]

Die Priesterweihe empfing Stangl am 16. März 1930 und wurde danach Kaplan in Thüngersheim, Himmelstadt und in der Herz-Jesu-Pfarrei in Aschaffenburg.

Ab dem 1. September 1934 war er Religionslehrer am Institut der Englischen Fräulein in Würzburg. Weitere berufliche Stationen Stangls waren: Diözesanjugendseelsorger (1938–1943), Pfarrer in Karlstadt (1943–1947), Studienrat und Seminarleiter an der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg (1947–1952). 1953 wurde er der erste Seelsorgereferent der Diözese Würzburg, 1956 Regens (Leiter) des Priesterseminars.

Die Bischofsernennung Stangls vom 27. Juni 1957 war angesichts dieser vielfältigen Tätigkeitsbereiche und seiner führenden Funktionen in der Diözesanverwaltung und Nachwuchsausbildung nicht so überraschend, wie dies in der Literatur manchmal dargestellt wird. Die Bischofsweihe spendete ihm am 12. September der Erzbischof von Bamberg, Josef Schneider.

Wappen von Josef Stangl

Bischofswappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt in Feld 1 und 4 drei silberne Spitzen auf rotem Grund – den Frankenrechen – er steht für das Bistum Würzburg. Feld 2 und 3 zeigt in blauem Feld sieben goldene Feuerzungen vier über und drei unter einem goldenen Querfluss. Er versinnbildet das Wasser, die Flammen, sowohl die sieben Gaben des Heiligen Geistes als auch die sieben Sakramente.

Sein Wahlspruch Domino plebem perfectam („Dem Herrn ein bereites Volk“) entstammt dem Lukasevangelium (Lk 1,17 EU).

Wirken als Bischof[Bearbeiten]

In der Deutschen Bischofskonferenz war Stangls wichtigste Funktion die des Jugendreferenten von 1961 bis 1970. Außerdem war er ab 1961 Mitglied der Kommission für Lateinamerika, ab 1966 der Kommission für Laienfragen und der Pastoralkommission, ab 1968 der Kommission für ökumenische Fragen. Letzteres entsprach einem besonderen Schwerpunkt seines Wirkens: Schon seit 1960 war er Mitglied im päpstlichen Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen („Einheitssekretariat“) und Nationalpräsident des päpstlichen Werkes Catholica Unio, die den Dialog mit den Ostkirchen pflegte. Das Einheitssekretariat bereitete federführend bedeutende Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils vor: Unitatis redintegratio (Ökumene-Dekret), Dignitatis humanae (Erklärung über die Religionsfreiheit) und Nostra Aetate (Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen). Wichtigster Beitrag Stangls war dabei eine Aufsehen erregende Rede auf dem Konzil, mit der er der so genannten Judendeklaration zum Durchbruch verhalf.

Eine besondere Rolle spielte Stangl auch als Gastgeber der Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer in Deutschland, die von 1971 bis 1975 in acht Sitzungsperioden im Würzburger Dom tagte. Ein herausragendes Ereignis in dieser Zeit war die Seligsprechung des Würzburger Diözesanpriesters Liborius Wagner (1593–1631) am 24. März 1974 in Rom. In deren Gefolge berief Papst Paul VI. 1975 Stangl in die Kongregation für die Heiligsprechungsprozesse.

In aller Welt bekannt wurde Josef Stangl im Zusammenhang mit dem sogenannten Exorzismus von Klingenberg: Auf drängende Bitten der Beteiligten hatte er als zuständiger Bischof das Gebet des Exorzismus für die Pädagogikstudentin Anneliese Michel durch den Salvatorianerpater Arnold Renz angeordnet. Michel verstarb am 1. Juli 1976 an körperlicher Entkräftung. Die Eltern und die am Exorzismus beteiligten Priester wurden dafür verantwortlich gemacht, dass – dem Wunsch von Anneliese Michel folgend – kein ärztlicher Beistand beigezogen worden war. Bischof Stangl wurde zwar nie förmlich angeklagt, aber vor allem in den Medien heftig angegriffen, weil er seiner Aufsichtspflicht nicht gerecht geworden sei.

An Pfingstsamstag, 28. Mai 1977 nahm Stangl, nach dem Tod von Kardinal Julius Döpfner provisorischer Vorsitzender der bayerischen Bischofskonferenz, die Weihe des neuen Erzbischofs von München und Freising, Joseph Ratzinger (vom 19. April 2005 bis zum 28. Februar 2013 Papst Benedikt XVI.), im Münchner Liebfrauendom vor.

Etwa ab 1978 zeigten sich bei Josef Stangl als Symptome einer schleichend fortschreitenden Erkrankung Motorik-, Sprach- und Konzentrationsstörungen. Sein im November 1978 in Rom eingereichter Rücktritt wurde im Januar 1979 angenommen; schon bald danach starb Stangl. Kardinal Ratzinger leitete am 11. April 1979 das Requiem bei der Beisetzung von Bischof Stangl in Würzburg.

Zu Lebzeiten und weit über seinen Tod hinaus genoss Stangl vor allem in seiner Diözese eine überaus große Sympathie, die auch durch die Ereignisse von Klingenberg kaum beeinträchtigt wurde. Als ausschlaggebende Gründe dafür werden einerseits seine sprichwörtliche Güte, sein pädagogisches Charisma und seine persönliche Bescheidenheit genannt, andererseits sein Bemühen, die Rolle der Laien in der Kirche aufzuwerten.

Bischof-Stangl-Preis[Bearbeiten]

Seit 2011 wird jährlich der Bischof-Stangl-Preis durch die Stiftung "Jugend ist Zukunft" des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Würzburg verliehen, mit dem kirchliche Jugendarbeit in der Diözese Würzburg und das ehrenamtliche Engagement von jungen Menschen gewürdigt wird, die sich täglich in Jugendverbänden, Ministranten- oder Pfarreigruppen engagieren.[1]

Quellen[Bearbeiten]

Der umfangreiche Nachlass von Josef Stangl befindet sich im Diözesanarchiv Würzburg. Er ist aufgrund von Schutzfristen generell noch gesperrt, doch ist eine Einsichtnahme für wissenschaftliche Forschungen im Rahmen von Sondergenehmigungen möglich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Altgeld, Johannes Merz, Wolfgang Weiß (Hrsg.): Josef Stangl 1907–1979, Bischof von Würzburg. Lebensstationen in Dokumenten. Würzburg 2007.
  • Karl Hillenbrand (Hrsg.): „Dem Herrn ein bereites Volk“. Das geistliche Profil von Bischof Josef Stangl. Würzburg 2007.
  • Christoph Weißmann: Josef Stangl (1907–1979). In: Fränkische Lebensbilder. Bd. 22, Schweinfurt 2009, S. 353–377.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Josef Stangl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.bistum-wuerzburg.de: Bischof-Stangl-Preis
Vorgänger Amt Nachfolger
Julius Döpfner Bischof von Würzburg
1957–1979
Paul-Werner Scheele