Josef Weidenholzer

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Josef Weidenholzer 2014

Josef Weidenholzer (* 6. März 1950 in St. Florian am Inn) ist ein österreichischer Soziologe und Politiker (SPÖ). Er ist seit der 7. Wahlperiode Mitglied des Europäischen Parlaments.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Besuch des Stiftsgymnasiums im Stift Kremsmünster studierte Weidenholzer von 1968 bis 1973 Soziologie an der Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Universität Linz) und engagierte sich als Student im Verband sozialistischer StudentInnen (VSStÖ). 1973 absolvierte er das Magisterstudium, 1977 die Promotion und 1982 die Habilitation.

Weidenholzer startete seinen beruflichen Werdegang 1973 als wissenschaftlicher Vertragsassistent am Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte an der Universität Linz und 1975 als Universitätsassistent am Institut für Gesellschaftspolitik. Daneben war er als Mitarbeiter der Ludwig Boltzmann Gesellschaft für Geschichte der Arbeiterbewegung bei Karl Stadler an der Johannes Kepler Universität Linz tätig. Geprägt wurde er in dieser Zeit unter anderen durch Friedrich Fürstenberg.

Nach mehreren Lektoraten an verschiedenen Akademien und Universitäten (z.B. Technische Universität Graz, Universität Budweis (Ceske Budejovice), Universität Klagenfurt), mehrmaligen Forschungsaufenthalten in Großbritannien, Vorträgen an Universitäten in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Tschechien, Ungarn, Schweden, Zypern, Taiwan, Thailand, Korea und Indien und einer Gastprofessur an der Staffordshire University wurde Weidenholzer 1983 zum außerordentlichen Universitätsprofessor für Gesellschaftspolitik und Sozialpolitik ernannt. Er ist Professor für Gesellschaftspolitik und Sozialpolitik und seit 1998 Vorstand des Instituts für Sozial- und Gesellschaftspolitik der Johannes Kepler Universität Linz.

1984 erhielt Weidenholzer den Förderpreis des Victor-Adler-Staatspreises für Geschichte sozialer Bewegungen. Von 1984 bis 1998 war er Leiter des Forschungsinstituts für Sozialplanung, von 1998 bis 2003 Studiendekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Johannes Kepler Universität Linz.

Weidenholzer ist verheiratet und hat drei Kinder.

Wirken[Bearbeiten]

Josef Weidenholzers wissenschaftliche Schwerpunkte sind Sozialpolitik, Theorien vom Wohlfahrtsstaat, internationaler Vergleich wohlfahrtsstaatlicher Systeme, politische Theorie und politische Kulturen im internationalen Systemvergleich, Theorie und Geschichte sozialer Bewegungen insbesondere der Arbeiterbewegung und die Weiterbildung in Theorie und Anwendung.

Auch baute er den Verein Museum Arbeitswelt in Steyr auf, dessen Vorsitzender er von 1986 bis 1993 war und führte dabei die Ausstellung Arbeit – Mensch – Maschine (1987) durch, die ausschlaggebend für die Dauereinrichtung des Museums war.

Seit 1991 ist er Präsident der Volkshilfe Österreich und Präsident der europäischen NGO-Plattform ‚Solidar‘.

Weidenholzer setzt sich unter anderem dafür ein, dass – ähnlich den europäischen Kulturhauptstädten – sozialpolitisch engagierte Städte und Gemeinden als europäische Sozialhauptstädte ausgezeichnet werden.[1]

Im Jahr 2008 war Weidenholzer ein Gründungsmitglied des Kongresses Momentum, dessen wissenschaftlicher Leiter er seitdem ist. Er ist Mitglied des Beirats der 2012 gegründeten wissenschaftlichen Open-Access-Zeitschrift Momentum Quarterly.

Arbeitsschwerpunkte im Europäischen Parlament[Bearbeiten]

Weidenholzer kandidierte für die SPÖ bei der Europawahl 2009.[2] Durch die im Lissabon-Vertrag geregelte Erhöhung der Abgeordnetenanzahl wurde er am 1. Dezember 2011 Mitglied des Europäischen Parlaments[3] und gehört der sozialdemokratischen Fraktion an. Die Schwerpunkte seiner parlamentarischen Arbeit sind der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE), hier vor allem Menschenrechte, Asyl, Datenschutz, polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit und die Sicherung der Grundrechte. Außerdem ist er stellvertretendes Mitglied des Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) und Teil der Delegation für die Beziehungen zu Iran. Seit März 2012 ist er im temporären Sonderausschuss gegen organisiertes Verbrechen, Korruption und Geldwäsche (CRIM) tätig. Dieser soll organisierte Kriminalität, Mafiaorganisationen und kriminelle Strukturen untersuchen, analysieren und einen umfassenden Plan zu deren Bekämpfung auf europäischer Ebene entwerfen. Außerdem ist er Stellvertretendes Mitglied in der Delegation in den Ausschüssen für parlamentarische Kooperation der EU mit Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan sowie für die Beziehungen zu Tadschikistan, Turkmenistan und der Mongolei.[4]

Schriften (Auszug)[Bearbeiten]

  • Der sorgende Staat. Zur Entwicklung der Sozialpolitik von Joseph II bis Ferdinand Hanusch. Wien 1985.
  • Der österreichische Weg, Aussichten und Einsichten. Linz Wien 1989.
  • Bewegung und Klasse. Studien zur österreichischen Arbeitergeschichte. (Mithrsg.) Arbeitswelt und Sozialstaat. Festschrift für Gerhard Weissenberg zum 60. Geburtstag, Wien 1980.
  • Die Situation der Fabrikarbeiterin in Oberösterreich. (Mithrsg.), Schriftenreihe zur sozialen und beruflichen Stellung der Frau. o.O. 1980.
  • Perspektiven und Tendenzen in der Sozialpolitik. (Mithrsg.) Oswin Martinek zum 60. Geburtstag. o.O. 1984.
  • Welfare State Development in East Asia. (Mithrsg.) Gesellschafts- und Sozialpolitische Texte. Linz 2001.
  • Bilanz gewerkschaftlicher Jugendarbeit in der Zweiten Republik. In: 30 Jahre Gewerkschaftsjugend – Rückblick und Ausblick. Linz 1975.
  • Der alltägliche Faschismus. In: Aufrisse 2 Jg. Nr. 3/1981 sowie in: Reihe gewerkschaftliche Orientierung, Nr. 1/83, S. 19-32.
  • Der alte(rnde) Mensch und das Arbeitsrecht. In: Helmut Konrad (Hrsg.), Der alte Mensch in der Geschichte, S. 107-121, Wien 1982.
  • Politik in Bewegung – ein Jahrhundert Sozialdemokratie. In: Arbeit/Mensch/Maschine, Der Weg in die Industriegesellschaft, Beiträge. Linz 1987.
  • Alternative political movements. In: Jim Sweeney, Josef Weidenholzer (Hrsg.), Austria: A Study in Modern Achievement, S. 101-108. Aldershot 1988.
  • Armut als ewig neue Herausforderung. In: Armut in Österreich, Edition pro mente, S. 29-44. Linz 1995.
  • Die Rekonstruktion der Sozialdemokratie in Linz 1945–1950. (gemeinsam mit Brigitte Kepplinger) In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1995. Entnazifizierung und Wiederaufbau in Linz, S. 13-68. Linz 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Josef Weidenholzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage von Joe Weidenholzer
  2. Professor Joe's Wahlkampfstart in: OÖN vom 12. Mai 2009.
  3. Der Standard: Stadler und Weidenholzer neu im EU-Parlament, 12. Dezember 2011
  4. Website des Europäischen Parlaments