Josef Wenzel Radetzky von Radetz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johann Joseph Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz (tschechisch Jan Josef Václav hrabě Radecký z Radče; * 2. November 1766 in Schloss Trebnitz bei Seltschan, Böhmen; † 5. Januar 1858 in Mailand) war ein Feldmarschall, böhmischer Adeliger und der wohl bedeutendste Heerführer Österreichs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Josef Graf Radetzky

Leben[Bearbeiten]

Wappen
Radetzky 1856

Nachdem Radetzky mit sechs Jahren Vollwaise geworden war, kam er zu seinem Großvater nach Prag, wo dieser ihn bei den Piaristen einschulte. Im weiteren Verlauf seiner Kindheit und Jugend besuchte er die Ritterakademie in Brünn und das Theresianum in Wien. Nach Ablegen seiner Matura nahm er ein Studium der Rechtswissenschaften auf. Aufgrund mangelnder körperlicher Eignung blieb ihm die angestrebte militärische Karriere zunächst verwehrt.

Radetzky trat 1784 als Kadett in das 2. Kürassierregiment ein und beteiligte sich 1788/89 unter den Kommandeuren Lacy und Laudon am Türkenkrieg. Von 1792 bis 1795 war er auf Feldzügen in den Niederlanden und am Rhein. Anschließend wurde Radetzky zum Rittmeister befördert und zum Adjutanten des Feldzeugmeisters Beaulieu ernannt. Bei Voltri konnte er sich ebenfalls auszeichnen, wurde Major und 1799 zum Oberst befördert. In der Schlacht von Hohenlinden (1800) kämpfte er ebenfalls mit Auszeichnung.

Zu Beginn des Feldzugs von 1805 wurde Radetzky als Generalmajor nach Italien versetzt. Für seine Leistungen in diesem Feldzug als Befehlshaber des 3. Kürassierregiments errang er das Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresia-Ordens. 1809 kämpfte er im 5. Armeekorps als Befehlshaber der Vorhut bei Braunau ebenfalls mit Auszeichnung und stieg nach der Schlacht bei Aspern zum Feldmarschallleutnant auf. In dieser Funktion war er auch Teilnehmer an der Schlacht bei Wagram. In diesem Jahr wurde Radetzky zum Generalstabschef ernannt, sah sich jedoch aufgrund der französischen Vorgaben und mangels finanzieller Ressourcen dazu genötigt, seine ehrgeizigen Reformvorhaben des österreichischen Heeres aufzugeben.

1813 entwickelte er als Chef des Quartiermeisteramts den Plan zur Völkerschlacht bei Leipzig. Er organisierte in der Folgezeit das österreichische Heer neu und diente im Stab des Fürsten Schwarzenberg. 1815 verlieh ihm der bayerische König Maximilian I. Joseph das Großkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens.[1]

Nach dem Friedensschluss kam Radetzky als Divisionär nach Ödenburg, später nach Ofen (Budapest) und 1821 als General der Kavallerie und Festungskommandant nach Olmütz.

Von 1818 bis 1828 beriet er Erzherzog Ferdinand Karl von Österreich-Este, von 1831 bis 1857 war er Generalkommandant der österreichischen Armee im lombardo-venezianischen Königreich (seit 1836 im Range eines Feldmarschalls).

Radetzky wurde vor allem durch seine militärischen Erfolge 1848/1849 gegen Sardinien-Piemont und die von diesem Königreich unterstützten nationalitalienischen Aufständischen (→ Risorgimento) berühmt, die sich am 18. März 1848 gegen die österreichische Vorherrschaft erhoben. Er siegte jeweils in der Schlacht bei Santa Lucia am 6. Mai 1848, in der Schlacht von Vicenza am 10. Juni 1848, in der Schlacht bei Custozza am 25. Juli 1848, in der Schlacht bei Mortara am 21. März 1849 und in der Schlacht bei Novara am 23. März 1849.

Erst am 17. Dezember 1856 schrieb Radetzky von Verona aus sein Abschiedsgesuch an Kaiser Franz Joseph: „Euer Majestaet, die Gesetze der Natur zwingen mich nach 72 Dienstjahren und 90 Lebensjahren Euer Majestaet um die Allergnaedigste Enthebung von meinem Dienstposten Allerunterthänigst zu bitten. Geruhen Euer Majestaet mir diese Enthebung mit jener Allerhöchsten Huld und Gnade zu gewähren, mit welcher Allerhöchst dieselben mich schon so vielfach überschütteten und gestatten mir Euer Majestaet bei diesem Anlaße Allerhöchst Der Huld und kaiserliches Wohlwollen [...] Mein Greisen Alter hat zwar meine Thätigkeit gelähmt, aber bis zum letzten Athem zuge werde ich des Allmächtigen Segen für das erhabene Hauß und den herrlichen Thron Meines geliebten Monarchen erflehen, der ich in tiefster Demut ersterbe.“[2]

Am 28. Februar 1857, im Alter von 90 Jahren, wurde er schließlich in den Ruhestand versetzt. Mit 72 Dienstjahren in der k.k. Armee brach er viele Soldatenrekorde, zum Beispiel diente er unter fünf Kaisern und machte nicht weniger als 17 Feldzüge mit. Insgesamt erhielt Radetzky 146 in- und ausländische Orden, darunter das Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresia-Ordens (1799 für sein Verhalten in der Schlacht bei Novi), das Großkreuz des Militär-Maria-Theresia-Ordens (für seinen Sieg bei der Schlacht bei Custozza 1848) und 1849 den Orden vom Goldenen Vlies (für seinen Sieg bei der Schlacht bei Novara).

Radetzky starb am 5. Januar 1858 an einer Lungenentzündung in Mailand.[3] Nach der Überführung nach Wien wurde er im Arsenal aufgebahrt. Von dort wurde er in einem Kondukt, den Kaiser Franz Joseph persönlich kommandierte, zur Einsegnung in den Stephansdom gebracht.[4] Danach ging es mit der Nordbahn nach Kleinwetzdorf. Am 19. Januar 1858 wurde er im Beisein des Kaisers am Heldenberg in Niederösterreich beigesetzt. Eigentlich hätte er auf Wunsch des Kaisers in der Kapuzinergruft beigesetzt werden sollen,[4] aber Radetzky vermachte seine irdischen Überreste, das Recht, ihn zu begraben, Joseph Gottfried Pargfrieder, welcher Jahrzehnte hindurch seine Schulden beglichen hatte. Dieser baute ein mit Kriegerstatuen übersätes Freilicht-Pantheon, die Gedenkstätte Heldenberg. Radetzky liegt dort in einer Gruft unter einem monumentalen Obelisken begraben.

Seit 1798 war er mit Franziska, Gräfin Strassoldo-Grafenberg verheiratet, die 1854 starb. Aus dieser Ehe gingen fünf Söhne und drei Töchter hervor, wovon jedoch nur ein Sohn (Theodor) und eine Tochter (verheiratete Gräfin Wenkheim) den Vater überlebten.

Aufgrund seiner Freigiebigkeit, seiner großen Familie und der Verschwendungssucht seiner Ehefrau befand sich Radetzky zeit seines Lebens in finanzieller Bedrängnis.

Rezeption[Bearbeiten]

Radetzky wurde von vielen patriotisch-monarchistisch gesinnten Österreichern sehr verehrt. Franz Grillparzer verfasste ihm zu Ehren das Gedicht „In deinem Lager ist Österreich“, und Johann Strauss d. Ä. komponierte 1848 den Radetzkymarsch.

Im Jahr 1860 wurde in Wien Landstraße (3. Bezirk) die Radetzkystraße nach ihm benannt, 1876 der Radetzkyplatz, und 1862 die Novaragasse im 2. Bezirk Leopoldstadt nach der gleichnamigen Schlacht.

Durch die kaiserliche Entschließung von Franz Joseph I. vom 28. Februar 1863 wurde Radetzky in die Liste der „berühmtesten, zur immerwährenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufgenommen, zu deren Ehren und Andenken auch eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.k. Hofwaffenmuseums (heute: Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde. Die Statue wurde 1867 vom Bildhauer Thomas Greinwald aus Carrara-Marmor geschaffen, gewidmet wurde sie „von den Generalen der kaiserlichen Armee ihrem Feldherrn“.[5]

Darüber hinaus ist dem Feldherren im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum ein eigener Saal, der so genannte „Radetzkysaal“ gewidmet. Ausgestellt sind u. a. Radetzkys Uniform, sein Ehrensäbel[6], zahlreiche seiner Orden, darunter der Orden vom Goldenen Vlies, sowie sein Abschiedsgesuch. Der Ehrensäbel wurde dem Feldherren von der Wiener Nationalgarde nach einem Entwurf des Architekten Eduard van der Nüll gewidmet und im Mai 1849 in Mailand überreicht.[7] Auf zahlreichen Ölgemälden zeitgenössischer Künstler wie etwa Albrecht Adam und Wilhelm Richter sind Szenen aus seinen Feldzügen dargestellt. Der Dichter Franz Grillparzer dichtete eine Ode an Radetzky: „Glück auf, mein Feldherr, führe den Streich! Nicht bloß um des Ruhmes Schimmer – In deinem Lager ist Österreich!“, wofür der Dichter einen Ehrenbecher erhielt, der ebenfalls im Radetzkysaal ausgestellt ist.[8]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf von Kramer, Otto Freiherr von Waldenfels: Virtuti pro Patria – Der königlich bayerische Militär-Max-Joseph-Orden Kriegstaten und Ehrenbuch 1914–1918. Selbstverlag des königlich bayerischen Militär-Max-Joseph-Ordens, München 1966, S.443.
  2. Das Handschreiben Radetzkys ist im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum ausgestellt, vgl. Heeresgeschichtliches Museum (Hrsg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Wien/ Graz 1960, S. 51.
  3. Meldung seines Todes. In: Militär-Zeitung, Nr. 2/1958 (XI. Jahrgang), 6. Jänner 1858, S. 1, oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/mil.
  4. a b Verein für Geschichte der Stadt Wien (Hrsg.): Geschichte der Stadt Wien, Band 7, Teil 1, A. Holzhausen, S. 245, Fußnoten
  5. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Kiesel Verlag, Salzburg 1981, ISBN 3-7023-0113-5, S. 32
  6. Zum Ehrensäbel ausführlich: Heeresgeschichtliches Museum (Hrsg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Wien/ Graz 1960, S. 47 f.
  7. Liselotte Popelka: Heeresgeschichtliches Museum Wien. Graz, Köln 1988, S. 45.
  8. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hrsg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000, S. 51 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Josef Wenzel Radetzky von Radetz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien