Josef Zeitler

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Reliefmedaillon Josef Zeitlers (Selbstbildnis) von seiner Grabstele.

Josef Zeitler (* 24. September 1871 in Fürth; † 24. März 1958 in Stuttgart) war ein deutscher Bildhauer in Stuttgart.[1]

Ausbildung und Leben[Bearbeiten]

Josef Zeitler lernte bei seinem westfälischen Onkel, Johann Zeitler, der in Gütersloh eine Werkstätte für christliche Kunst besaß. So kam er zu Kenntnissen des Schreiner-, Steinhauer-, Bildhauer- und Drechslerhandwerks. Die Ausbildung setzt er bei Joseph Floßmann in München fort. Er unternahm Studienreisen nach Italien, Holland und Österreich sowie nach Frankreich, wo er in Paris an der Académie Julian studierte, und nach Belgien, wo er in Brüssel an der künstlerischen Ausschmückung von Joseph Poelaerts Justizpalast mitwirkte. Die Reisen gaben ihm Gelegenheit, in allen Materialien und Techniken (Holz, Stein, Keramik, Stuck, Eisen- und Bronzeguss) zu arbeiten und seine Fähigkeiten zu vervollkommnen.[2]

1897 ließ er sich in Stuttgart nieder.[3] Von 1922–1937 wirkte er dort auch als Professor an der Höheren Bauschule.[4]

Josef Zeitler war verheiratet mit Emmy Zeitler geb. Lehrenkrauss (1886–1968). Ihre Tochter Magdalene Giessenhoffer-Zeitler (1893-?) arbeitete vorwiegend als abstrakte Malerin. Ein gegenständiches Fresko zum Leben des heiligen Fidelis von Sigmaringen für die St. Fideliskirche in Stuttgart wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstört.[5]

Stuttgarter Künstlerbund[Bearbeiten]

Josef Zeitler war Mitglied des Stuttgarter Künstlerbunds. 1941 wurde eine Jubiläumsausstellung der Künstlerbundmitglieder Julius Kurz, Josef Zeitler und August Köhler veranstaltet. In diesem Jahr war Zeitler auch 1. Vorsitzender des Künstlerbunds.[6]

Grabmal[Bearbeiten]

Josef Zeitler ist zusammen mit seiner Frau auf dem Stuttgarter Waldfriedhof in Abteilung 10n begraben. Zeitlers Grabstele ist zu beiden Seiten von Grabstelen befreundeter Künstlerbundmitglieder umgeben: links zwei Stelen für den „Kunstmaler, den schwäbischen Merian[7] Walter Rombach (1898–1973) und rechts die Grabstele des „Kunstmalers“[8] August Köhler (1881–1964).

In die steinerne Grabstele von Zeitler ist eine hochrechteckige Reliefplatte aus Bronze eingelassen, die er wahrscheinlich (bis auf die später hinzugefügte Inschrift des Geburts- und Todesjahrs) selbst anfertigte. Das Zentrum des Reliefs nimmt ein rundes Porträtmedaillon mit dem Selbstbildnis Zeitlers ein, umgeben von der Umschrift „Ist das Leben schön gewesen, dann war es Mühe und Arbeit.“ Die Bildunterschrift lautet: „Josef Zeitler, Bildhauer u. Prof. a. d. höh. Bauschule 1922 1937 / 1871–1958“. Die Konturenzeichnung eines Hauses zwischen den Jahreszahlen 1922 und 1937 illustriert die Dauer von Zeitlers Lehrtätigkeit an der Höheren Bauschule in Stuttgart. Über dem Porträt ist ein fliegender Vogel dargestellt, ein Symbol der Seele, die nach dem Tod die Erde verlässt.

Vier Reliefs in den Ecken der Bronzetafel, die wie ein moderner Comic anmuten und sich durch Humor und einem Schuss Selbstironie auszeichnen, skizzieren wichtige Stationen im Leben des Künstlers. Der zeitliche Ablauf beginnt links oben mit der Geburt 1871 und setzt sich im Uhrzeigersinn fort mit seiner Lehrzeit in Gütersloh 1888, seinen Studienaufenthalten in Paris und Lüttich 1893 und 1897 und seiner Bildhauerarbeit in Stuttgart 1903.

Nr. Bildunterschrift Bildbeschreibung
1 Fürth 26.9.1871
(Geburtsort und -datum)[9]
Storch mit nacktem Kind im Schnabel, das ein Wappenschild mit einem Bienenkorb und drei Bienen hält, an der rechten oberen Ecke des Wappens ein dreiblättriges Kleeblatt, Wappenmotiv von Fürth. Das Bienenwappen spielt auf den Familiennamen Zeitler an: ein Zeidler war war im Mittelalter ein gewerbsmäßiger Sammler von Honig wilder oder halbwilder Bienenvölker.
2 Gütersloh w. 1888“
(Lehre beim Onkel in Gütersloh, Abkürzung „w.“: Bedeutung unbekannt)
Josef Zeitler auf der Wanderschaft, unterwegs mit Wanderstab und einem Rucksack mit den Initialen JZ, in dem ein Apfelzweig steckt.
3 Paris Lüttich 1897 Josef Zeitler hält in einer Hand sein Saiteninstrument, in der anderen einen Rosenzweig (?), unterschrieben mit der Jahreszahl 1893. Auf seiner Wanderschaft kam er auch nach Paris, wo er den berühmten Bildhauer Auguste Rodin traf, und wohl auch nach Lüttich.[10]
4 Stuttgart 1903 Der athletische, breitbeinig dastehende Josef Zeitler holt mit dem Klöpfel aus, um auf den Meißel zu schlagen, mit dem er die Skulptur eines storchähnlichen Vogels bearbeitet. Der „Storch“ trinkt mit seinem Schnabel aus einem Weinglas, das in filigraner Durchsichtigkeit dargestellt ist.

Werkauswahl[Bearbeiten]


Literatur[Bearbeiten]

Leben und Werk[Bearbeiten]

  • Erika Hillegaart: „Hund und Katz“ bei Kindern sehr beliebt“. In: Der Teckbote. Kirchheimer Zeitung vom 27. Juli 2009, online:.
  • Werner Koch; Christopher Koch: Stuttgarter Friedhofsführer. Ein Wegweiser zu Gräbern bekannter Persönlichkeiten. Tübingen 2012, Seite 109, 111.
  • Felix Schuster: Zum sechzigsten Geburtstag [des Bundes für Heimatschutz]. In: Schwäbisches Heimatbuch 1932, Seite 127-130, hier: 127-128.
  • Felix Schuster: Der Bildhauer Josef Zeitler. In: Schwäbisches Heimatbuch 1937, Seite 56, 57-66.
  • Künstlerlexikon Hans Vollmer, Band 5, S. 201.
  • Künstlerlexikon Thieme-Becker, Band 36, S. 444.

Werke[Bearbeiten]

Literatur über Zeitlers Arbeiten für die St. Fideliskirche: siehe St. Fideliskirche (Stuttgart).

  • Julius Baum (Bearbeiter): Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart. Stuttgart 1913, Seite 207, 209.
  • Judith Breuer: Ein kindgerechter Schulbau. Die Heusteigschule in Stuttgart. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg Band 30, 2001, Seite 150-152 (Reliefs, Puttenbrunnen), online:.
  • Brunnen und Staffeln in Stuttgart: Jungfrau mit den Tränenschalen. Stuttgart 2014, online:.
  • Chronik der Haupt- und Residenzstadt Stuttgart 1911. Stuttgart 1911, Seite 192 (Portalschmuck Salamanderbau).
  • Julius Hartmann (Herausgeber): Geschichte der Stadt Stuttgart. Auf die Einweihung ihres neuen Rathauses. Stuttgart 1905 (Reliefs im Alten Rathaus von 1905).
  • M. Kappler: Heimatschutz beim Umbau einer fränkischen Dorfkirche. In: Schwäbisches Heimatbuch 1915, Seite 75-80, hier: 77-79 (Portalreliefs in Brettheim).
  • Michael Kienzle; Bernd Langner; Herbert Medek; Kai Loges (Fotografie): Inszeniertes Glück. Die erneuerte Stuttgarter Altstadt 1909. Stuttgart 2009, Seite 33 (Bärenführer), 36-37 (Hans-im-Glück-Brunnen).
  • Wilhelm Kohlhaas: Chronik der Stadt Stuttgart 1913–1918. Stuttgart 1967, Seite 129-130 (Wackerer Schwabe).
  • Dietlinde Munzel-Everling: Kriegsnagelungen, A-Liste (ohne Schulnagelungen), Stand: August 2012. Ohne Ort 2012, Seite 143 (Wackerer Schwabe), online:.
  • Ulrike Plate: Zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Zwei Gedenkorte in Stuttgart für gefallene jüdische Soldaten. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg Band 43, 2014, Seite 137-139 (Ehrentafel in der Stuttgarter Synagoge), online:.
  • Adolf Schicketanz: Die Chronik von Erkenbrechtsweiler. Nürtingen 1984, Seite 213, 218 (Brunnen in Erkenbrechtsweiler).
  • Manfred Schmid; Jutta Ronke: Städtisches Lapidarium, Museumsführer, Stuttgart [2006], Seite 107 (Nummer 307, Bärenführer).
  • Gustav Wais: Stuttgarts Kunst- und Kulturdenkmale. 25 Bilder mit stadtgeschichtlichen, baugeschichtlichen und kunstgeschichtlichen Erläuterungen. Stuttgart [1954], Seite 121 (Nummer 160, Orpheus), 126-127 (Nummer 192-206, Reliefs im Alten Rathaus von 1905).
  • Dagmar Zimdars (Redaktion): Baden-Württemberg I. Die Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. In: Georg Dehio (Herausgeber): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. München 1993, Seite 769 (Haus Mörikestraße 21 in Stuttgart).

Archive[Bearbeiten]

  • Ludwigsburg, Landesarchiv
    • F 215 Bü 248 (Passakten Josef Zeitler)
    • F 215 Bü 601 (Passakten Josef Zeitler)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Josef Zeitler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. In den Passakten wurde Josef Zeitler als Josef und als Joseph geführt (#F 215 Bü 248, #F 215 Bü 601).
  2. #Schuster 1932, Grabinschrift.
  3. #F 215 Bü 248.
  4. Grabinschrift.
  5. #Getzeny 1935, Seite 20, 22, 25 (Abbildung).
  6. Quelle: Stuttgarter Künstlerbund.
  7. So die Inschriften der Grabstelen.
  8. So die Inschrift der Grabstele.
  9. Das Geburtsdatum weicht um zwei Tage ab von dem sonst in der Literatur angegebenen Datum 24.9.1871.
  10. #Hillegaart 2009.
  11. #Brunnen 2014.